Stelter strategisch: Die japanische Krankheit - in der Sackgasse

kolumneStelter strategisch: Die japanische Krankheit - in der Sackgasse

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Immer mehr Experten diskutieren ernsthaft Geldgeschenke der Notenbank, um die Wirtschaft zu stützen - das sogenannte Helikopter-Geld

Kolumne von Daniel Stelter

Der Ex-Chefvolkswirt der globalen Großbank HSBC warnt vor einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Neben Helikopter-Geld nennt Stephen King weitere Medizin gegen die Dauerkrise als Option – doch die ist bitter.

Stephen King, bis 2015 Chefvolkswirt und jetzt Seniorberater der HSBC, hat mehrfach mit provokanten Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. So warnte er im letzten Jahr vor einer neuen Rezession, der die Wirtschaftspolitik nichts mehr entgegensetzten könne. Die Geldpolitik wäre wirkungslos und von der Fiskalpolitik könnten angesichts hoher Schulden keine Impulse mehr gesetzt werden. Nur noch das sogenannte Helikopter-Geld bliebe als eine riskante Möglichkeit bestehen.

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Zur Person

  • Stephen King

    King, 49, war von 1998 bis 2015 Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC, von 2007 bis 2010 war er Mitglied im Schattenrat der Europäischen Zentralbank (EZB). Heute ist er noch Seniorberater der HSBC.

Nun hat er seine Analysen aktualisiert. Immer mehr Ähnlichkeiten sieht er zwischen der Entwicklung in Japan seit 1990 und der Dauer-Krise, die die westliche Welt seit 2008 befallen hat. Dabei stellt er fest, dass wir bereits nach dem Platzen der New Economy Blase im Jahr 2000 auf dem Weg in eine große Depression waren. Der Aktiencrash war durchaus mit dem Einbruch von 1929 vergleichbar. Die Rezession war dennoch relativ mild, weil es deutliche Zins- und Steuersenkungen gab, die dann zur Immobilienblase in den USA geführt haben. Die Bekämpfung der damaligen Rezession hat so die Grundlage für die große Rezession von 2009 gelegt.

Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter das Buch "Eiszeit in der Weltwirtschaft" veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Die nächste Krise in Vorbereitung

Und die Politik seither dürfte die Grundlage für eine noch größere Krise gelegt haben. Wie hier schon mehrfach festgestellt, geht es unseren Politikern wie Goethes Zauberlehrling: die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Hohe Schulden und schwaches Wirtschaftswachstum verstärken sich gegenseitig und führen in eine Abwärtsspirale.

Japan Wirtschaft vermeidet erneute Rezession

Japans Wirtschaft steht nicht so schlecht da wie zunächst befürchtet. Von großem Aufschwung kann aber auch keine Rede sein.

Auch wenn das Abrutschen in die Rezession vermieden werden könnte, kommt die Konjunktur nicht richtig in Schwung. Quelle: REUTERS

Nur durch eine deutliche Reduktion der Schulden und/oder höheres Nominalwachstum ist es laut King überhaupt denkbar, dem japanischen Szenario, ich nenne es Eiszeit, zu entkommen. Doch welche Optionen haben wir noch, der Eiszeit zu entgehen? King diskutiert sechs Optionen. Keine davon ist wirklich erfreulich.

Option 1: Mehr Staatsausgaben

Von Vertretern wie Larry Summers schon lange gefordert, sollen die Staaten mit massiven Konjunkturprogrammen die „säkulare Stagnation“ überwinden und die unausgelasteten Kapazitäten („Output Gap“) auslasten. Im Prinzip eine gute Option, weil sie noch Hoffnung macht.

Allerdings hat sie in Japan nichts gebracht. Stattdessen wurden viele „Brücken ins Nichts“ gebaut und der ökonomische und soziale Nutzen vieler Projekte ist mehr als zweifelhaft. Außerdem haben die Regierungen der westlichen Welt bereits hohe Schulden, weshalb weitere Schulden nur begrenzt akzeptiert werden oder aber eine entsprechende Zurückhaltung der Privaten zur Folge haben. Der Konjunkturaufschwung nach dem New-Economy-Crash war das Ergebnis einer solchen Politik, hat aber nur die „deflationäre Stagnation“, die bereits im vollen Gange war, übertüncht. Die säkulare Stagnation begann also schon deutlich früher als die Vertreter dieser These erkennen. Deshalb sind die Instrumente auch ungeeignet, führen sie doch nur zu neuen Blasen, die irgendwann platzen.

Stelter strategisch Wenn Notenbank-Helikopter Geld abwerfen - außer in Europa

Die Rotoren starten, die Laderäume werden mit Geldscheinen gefüllt. Das Helikoptergeld der Notenbanken befindet sich auf der Startbahn. Doch was, wenn die Europäische Zentralbank erst später mitmachen darf?

Quelle: dpa

Option 2: Helikopter-Geld

Helikopter-Geld ist bereits in aller Munde, insofern spare ich mir hier die ausführliche Erklärung. Letztlich geht es darum, dass von der Notenbank zusätzlich geschaffenes Geld zu mehr Nachfrage führt, was bei unausgelasteten Kapazitäten inflationsfrei funktionieren sollte. Zumindest in der Theorie.

King lakonisch: „ Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es wohl auch so.“

Tatsächlich würde Helikopter-Geld nur dann funktionieren, wenn es zu Inflation führt. Helikopter-Geld mit dem Ziel der Inflationserzeugung ist jedoch nichts anderes als umverteilende Fiskalpolitik im Mantel der Geldpolitik. Eine heimliche Vermögenssteuer, die zudem sehr ungerecht ist, weil sie nur jene trifft, die Geldvermögen halten. Das Risiko einer Panik hält King für groß. Träte ein Vertrauensverlust ein, würde die gewünschte in eine ungewünscht deutliche Inflation umschlagen. Für King ist es kein Zufall, dass die Begriffe „Helikopter-Geld“ und „Hyperinflation“ so oft gemeinsam vorkommen.

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