Stelter strategisch: Die Lehren aus dem Glencore-Absturz

kolumneStelter strategisch: Die Lehren aus dem Glencore-Absturz

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Die Aktie des Rohstoffkonzerns verlor im Zuge der verfallenden Rohstoffpreise allein seit Anfang dieses Jahres 45 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung.

Kolumne von Daniel Stelter

Glencore-Aktien haben sich seit Mai um drei Viertel verbilligt. Die Lehre daraus: Wenn Insider aussteigen, ist es selten eine gute Idee, zu kaufen. Außer, man glaubt an das Gute im Menschen - an der Börse allemal falsch.

Als der Rohstoffkonzern Glencore im Mai 2011 an die Börse ging, knallten in der Zuger Konzernzentrale die Korken. Nicht nur war der Börsengang mit einem Volumen von elf Milliarden Dollar der drittgrößte Börsengang des Jahres, auch die damit indizierte Bewertung des Unternehmens war mit immerhin 60 Milliarden Dollar rekordverdächtig. 500 Mitarbeiter und Aktionäre wurden durch den Börsengang steinreich, fünf Topmanager zu Milliardären. Zwar durften sie ihre Aktien nicht alle sogleich verkaufen, dennoch dürften der Teilverkauf und die bezahlten Rekorddividenden für ein sorgenloses Leben locker genügen.

Die Begründung für den Börsengang war einleuchtend. Bisher musste man ausscheidende Partner auszahlen und dazu teilweise Vermögenswerte verkaufen. Nun könne man diese Partner leichter auszahlen beziehungsweise diese ihre Aktien verkaufen. Das Kapital bliebe so im Unternehmen, und man könne die weitere Expansion noch konzentrierter vorantreiben. Konsequent hat Glencore dann kurze Zeit später den Wettbewerber Xstrata übernommen, um in der Wertschöpfungskette weiter vorwärts zu integrieren. Es entstand der größte Rohstoffkonzern der Welt mit 190.000 Mitarbeitern, Standorten in 50 Ländern der Welt und Schulden von 30 Milliarden Dollar.

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Was seither geschah ist beeindruckend. Die Aktie verlor im Zuge der verfallenden Rohstoffpreise allein seit Anfang dieses Jahres 45 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung. Die Aktien, die noch im Mai über 300 Pence notierten, fielen bei aufkommenden Konkursgerüchten auf unter 70 Pence Ende September, bevor sie mit Fusionsgerüchten eine Rally hinlegten. Die britische Bankenaufsicht hat derweil alle Banken aufgefordert, ihr finanzielles Engagement bezüglich Glencore offenzulegen - befürchten doch nicht wenige Beobachter angesichts der hohen Schulden und des erheblichen Volumens von Derivaten, für die Glencore steht, eine weiteres „Lehman“-Desaster. Wohl dem, der bei Glencore nicht dabei war.

Aus dem Fall von Glencore lassen sich einige Grundsätze für die Kapitalanlage ableiten:

1. Insider sind keine Menschenfreunde. Wenn Unternehmen an die Börse gehen, geschieht dies nur selten aus dem Motiv heraus, die Allgemeinheit an den Erträgen teilhaben zu lassen. Entweder ist es echte finanzielle Not, zum Beispiel weil man sich mit Schulden übernommen hat (siehe Schaeffler). Oder es ist Zeit für die Insider, Kasse zu machen. Welcher Insider wird schon verkaufen, wenn er es nicht muss und er hohe weitere Erträge erwartet?

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2. Euphorie ist ein schlechter Ratgeber. Als Glencore an die Börse ging, lag ein Jahrzehnt Rohstoffboom hinter uns. Von Chinas unersättlichem Rohstoffhunger getrieben kannten die Rohstoffe nur eine Richtung: nach oben. Man sprach bereits von einem strukturellen Wandel und einem Superzyklus. Überall wurden im Glauben an den immerwährenden Boom neue Kapazitäten geschaffen. Glencore war damit wahrlich nicht alleine, man denke nur an deutsche Stahlhersteller, die ebenfalls vom Ende des Zyklus sprachen. Dabei hätte ein Blick in die Geschichte genügt. Auch früher gab es im Rohstoffsektor die Hoffnung auf einen ewigen Boom – der bitter enttäuscht wurde. Nicht ungewöhnlich, denn eigentlich wettet am Ende jeder, der Rohstoffe kauft, gegen die menschliche Intelligenz. Noch immer haben wir Wege gefunden, Rohstoffe zu ersetzen und effizienter zu verwenden.

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