Stelter strategisch: Die neue Welt - eine Bedrohung für den Euro

kolumneStelter strategisch: Die neue Welt - eine Bedrohung für den Euro

Bild vergrößern

Der Eiffelturm in Paris, getaucht in die französischen Nationalfarben

Kolumne von Daniel Stelter

Die Anschläge von Paris sind mehr als ein Terrorakt. Sie können ein Wendepunkt für Politik und Wirtschaft in Europa sein. Mit erheblichen Konsequenzen für Ihr Vermögen. Eine Kolumne.

In dieser Kolumne geht es nicht um das, was man sich wünscht, sondern um das, auf was man sich einstellen sollte. Denn nur wer einen nüchternen Blick auf die Welt hat, kann persönlich und finanziell durch die bevorstehenden Jahre navigieren. Die Anschläge von Paris, menschenverachtend und brutal, wirken dabei wie Brandbeschleuniger schon länger währender Prozesse. In einer unheilvollen Mixtur treffen verschiedene Entwicklungen aufeinander und verstärken sich gegenseitig:

  • Der vom Papst als „Dritter Weltkrieg“ beschriebene Konflikt mit dem radikalen Islam, der seit Jahren an Intensität zunimmt und dessen friedliche Überwindung immer mehr als eine Utopie erscheint.
  • Ein Ansturm von Flüchtlingen vor Krieg und Unterdrückung und auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa.
  • Eine vom Publizisten Mathias Döpfner beklemmend deutlich gemachte anhaltende Nachgiebigkeit der westlichen Kultur gegenüber dem Intoleranten. Eine Nachgiebigkeit, die von der anderen Seite als Schwäche und Einladung angesehen wird, noch intoleranter zu werden.
  • Eine Europäische Union, die zunehmend offenbart, dass sie keine Wertegemeinschaft, sondern ein Wohlfahrtsbündnis ist, welches nur dann funktioniert, wenn immer mehr Geld zu verteilen ist. Fällt der Treibstoff großzügiger Mittel weg, wird es für die nationalen Politiker immer schwerer, den Bevölkerungen den Nutzen von Brüssel zu verkaufen.
Anzeige

Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

  • Europäische Regierungen, die sich an Abmachungen nicht halten, Recht brechen und sich zugleich öffentlich außer Stande erklären, zum rechtsstaatlichen Zustand zurück zu kehren.
  • Staaten und Private, die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt haben und niemals in der Lage sein werden, ihre Verpflichtungen, seien es offizielle Schulden oder verdeckte Versprechen wie Renten und Pensionen, zu bezahlen.
  • Regierungschefs, die statt die durch die Eurokrise offensichtlich gewordenen Probleme anzugehen, auf Zeit gespielt haben. Ohne die Zeit für etwas zu nutzen.

Dies alles – und die Aufzählung ist keineswegs vollständig - trifft nun zusammen. Und verstärkt einander.

Terror in Paris Noch ein 9/11 käme Europa teuer zu stehen

Präsident Obama spricht, als habe Europa in Paris Anschläge wie am 11. September 2001 erlitten. Es ist vor allem eine Warnung. Reagieren die Europäer nun wie damals die USA, wäre der Preis enorm.

Noch ein 9/11 käme Europa teuer zu stehen Quelle: dpa

Der Krieg wird, wie jeder Krieg, teuer. Damit erhöhen sich die Schuldenlasten der Staaten, die ohnehin uneinbringlich sind. Eine Entwertung der Schulden über unpopuläre Schuldenschnitte wird damit noch unwahrscheinlicher. Naheliegender ist, den Weg zu gehen, den Staaten noch immer gegangen sind um Kriege zu finanzieren. Die Nutzung der Notenpresse, heute mit Helikoptergeld umschrieben. Die Helikopter wären so oder so aufgestiegen, um den Schuldnern zur Hilfe zu kommen.

Jetzt dürften sie schneller starten und mehr Ladung mitnehmen. Angenehmer Nebeneffekt: die Wirtschaft in Europa dürfte sich endlich deutlicher beleben, eine Scheinblüte zwar, aber eine willkommene. Wenn sie schon aufsteigen, kann man auf diesem Wege auch die Flüchtlingsausgaben besser bewältigen, wie in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung in der vergangenen Woche angeregt.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%