Stelter strategisch: Für Wetten auf die Trendumkehr ist es noch zu früh

kolumneStelter strategisch: Für Wetten auf die Trendumkehr ist es noch zu früh

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Kolumne von Daniel Stelter

Gegen die Mehrheitsmeinung zu wetten, kann sich auszahlen. Der Mehrheit hinterherzulaufen auch. Das gilt vor allem hinsichtlich der vielen Prognosen zu Dollar, Gold und Zinsen. Alles eine Frage des Timings.

Nur gelegentlich weiche ich an dieser Stelle von meinem Grundsatz ab, keine konkreten Tipps zu geben. Das liegt weniger an der Angst, daneben zu liegen, als viel mehr an meiner Erfahrung, dass es nur den Wenigsten gelingt, durch ständige Umschichtungen den Markt zu schlagen. „Hin und her“ macht Taschen leer und freut im Zweifel nur die Bank. Auf Dauer fährt man mit einer langweiligen, aber konsequenten Verteilung auf die Kernanlageklassen Aktien, Immobilien, Gold und Liquidität am besten. Vor allem dann, wenn man darauf achtet, dies möglichst kostengünstig zu organisieren.

Dabei ergeht es uns regelmäßig wie bei den Irrfahrten des Odysseus, der sich an den Mast seines Schiffes festbinden ließ, um nicht den süßen Sirenenklängen zu erliegen. Gerade zum Jahresanfang rufen die Sirenen besonders laut. Banken und Broker erstellen Prognosen, raten zu diesem und jenem und von anderem wiederum ab. Sie machen das, weil sie wissen, dass gerade im ersten Quartal besonders viel Geld neu angelegt wird. Jetzt ist die Zeit, um Geschäfte zu machen – aus der Sicht der Anbieter.

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Dabei geben sich die meisten optimistisch und appellieren an unsere Gier. Nur eine Minderheit setzt auf die Angst vor Eurocrash und Hyperinflation. Beiden Gruppen ist gemein, dass sie zu homogenen Antworten neigen. So ist der Konsens zum Jahresanfang 2017 bekannt: Die Wirtschaft in den USA steht vor einem deutlichen Aufschwung, die Inflation kehrt zurück, die US-Zinsen steigen und damit der US-Dollar. Gold und Euro seien zu meiden, Aktien hingegen stünden vor weiteren Gewinnen; einen neuen Bullenmarkt prophezeien auch einige. Es würde mich wundern, wenn Ihr Anlageberater in diesen Tagen etwas anderes erzählt.

Verdrängte Risiken

Das Gute an dieser Geschichte ist, dass sie so einleuchtet. Schon vor der Wahl habe ich die Reflation als Folge eines Wahlsieges von Donald Trump prognostiziert. Seither haben die Märkte genau dieses Szenario gespielt. Börsen hoch, Zinsen hoch, Dollar hoch, Gold runter. Völlig egal, ob Trump wirklich das Wunder vollbringen kann, eine erstarrte US-Wirtschaft mit geringem Produktivitätswachstum, stagnierender Erwerbsbevölkerung und hoher Verschuldung auf einen neuen, höheren Wachstumspfad zu dirigieren. Völlig egal, dass die anderen Aspekte seines Programms – Protektionismus und Ausweisung illegaler Einwanderer – das Potenzial haben, einen Handelskrieg auszulösen. Die Märkte sehen nur das Positive. Die Risiken werden verdrängt.

„Der Trend ist dein Freund“ lautet eine Börsenweisheit. Wer daran glaubt, sollte ruhig auf die Mehrheitsmeinung setzen und den Empfehlungen folgen. Wie die Jahre nach 1997 gezeigt haben, kann das eine gute Strategie sein, sofern man den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg nicht verpasst. Den müssen Sie dann allerdings selber bestimmen. Ihr Banker wird sie nicht darauf hinweisen, will er doch zuerst die eigenen Positionen abbauen.

Die wenigen Male, bei denen ich von meinem Grundsatz abgewichen bin und Empfehlungen abgegeben habe, waren diese auch eine Wette gegen die Mehrheitsmeinung. So die Idee, Gold und Goldminen zu kaufen im Dezember 2015. Die Banken übertrafen sich mit ihren Negativprognosen.

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Was alle erwarten, ist schon eingepreist

So weit ist es heute noch nicht. Doch ein Economist-Titel, der den starken Dollar porträtiert, nachdem dieser einen mehrjährigen Aufschwung hinter sich und den US-Dollar-Index auf den höchsten Stand seit 14 Jahren getrieben hat, ist zumindest ein Warnsignal. Natürlich kann der Dollar noch stärker werden, doch wenn alle es erwarten, sind auch schon alle entsprechend positioniert.

Dazu passt ein anderer Markt, bei dem sich alle einig sind: der Markt für US-Staatsanleihen. Die Zinsen können nur steigen, die Anleihen folglich nur fallen. So sehen es die Spekulanten aus aller Welt. Noch nie wurden am Terminmarkt so viele Wetten auf fallende Kurse von US-Staatsanleihen eingegangen wie in der letzten Woche. 816.156 Verkaufskontrakten für die zehnjährige US-Staatsanleihe standen nur 344.931 Kaufpositionen gegenüber. Es wird also auf einen weiteren Zinsanstieg gesetzt, nachdem die Zinsen schon um etwas mehr als einen halben Prozentpunkt auf 2,42 Prozent gestiegen sind. Das ist noch weit entfernt von einem „normalen Zinsniveau“ von vier bis fünf Prozent.

Allerdings dürfen wir nie vergessen, dass unsere hoch verschuldeten Volkswirtschaften solche Zinssätze mitnichten verkraften könnten. Ab drei Prozent dürfte es eng werden und ein globaler Margin Call drohen. Ein Szenario, bei dem alle, die auf Kredit spekulieren – und das sind nicht wenige! –, verkaufen müssen.

Natürlich können die US-Zinsen weiter steigen. Natürlich kann der US-Dollar seinen 14jährigen Aufschwung noch eine Weile fortsetzen. Beides passt nur nicht in eine Welt, in der die Verschuldung mit 217 Billionen US-Dollar bzw. 325 Prozent des Welt-BIP soeben einen neuen Rekordstand erreicht hat. Wer auf weiter steigende Zinsen und Dollar setzt, wettet auf ein wirtschaftliches Wunder oder den Crash, sollte das Wunder ausbleiben.

2017 wird den Trendbruch noch bringen

Ich selber werde den Trends nicht mehr hinterherlaufen, sondern an meiner konservativen Strategie festhalten. Noch mehr reizt natürlich eine Wette gegen die Mehrheitsmeinung. Diese könnte sehr ertragreich sein oder aber ein Desaster. Dabei spielt wie immer das Timing eine Rolle. Märkte können bekanntlich weitaus länger falsch liegen, als man selber Geld hat, gegen sie zu wetten, wusste schon der britische Ökonom John M. Keynes.

Ich denke bei den dominierenden Themen US-Dollar und Zinsen ist es noch zu früh auf den Trendbruch zu setzen. Er wird aber 2017 kommen. Zum Mitlaufen ist es zu spät und zur Wette auf den Trendbruch zu früh.

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