Stelter strategisch: Konjunkturpropheten haben keine Ahnung

kolumneStelter strategisch: Konjunkturpropheten haben keine Ahnung

Kolumne von Daniel Stelter

Kommt die Rezession jetzt oder nicht? Zahlreiche Experten versuchen sich an Konjunkturprognosen, sind dabei aber zweckoptimistisch. Für Anleger ist das gefährleich. Einige aber weisen Anlegern die Richtung.

Was der Volksmund immer schon ahnte, hat jetzt eine Studie bestätigt: Volkswirte haben keine Ahnung. Lassen wir der Sache halber mal außer Acht, dass die beiden Autoren Kevin Lansing und Benjamin Pyle selbst zur volkswirtschaftlichen Abteilung der Niederlassung der US-Notenbank Fed in San Francisco gehören, zeigt ihre schon im Februar erschienene Studie Persistent Overoptimism about Economic Growth* folgenden Befund:  weder die Volkswirte von öffentlichen noch von privaten Institutionen sagen Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit korrekt vorher. Damit ist natürlich auch ihr Versagen im Vorhersagen von Rezessionen programmiert.  

Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Mit dementsprechender Vorsicht sollten wir auch die überwiegend optimistischen Stimmen einschätzen,  die wir derzeit  in Deutschland und in der Welt hören. Chefvolkswirte von Banken und Versicherungen, die Wirtschaftsforschungsinstitute, einfach alle sagen uns, dass die Welt vor solidem Wachstum steht, die USA eine starke Erholung vorweisen, und wir in Deutschland ohnehin vor dem Boom des Jahrhunderts stehen – dank ungebremster Exporte, steigender Binnennachfrage und den Kosten der Migration.

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Die Ausgaben für Flüchtlinge alleine sollen uns im nächsten Jahr rund 0,3 Prozent mehr BIP bringen. Was für mich zunächst einmal nur bestätigt,  wie fragwürdig unsere Wohlstandsmessung heute ist. Schließlich stellen die Anschaffung von Zelten und der Umbau von Wohnraum sowie die Verpflegung der Menschen letztlich Konsum dar, und das Geld fehlt an anderer Stelle. Richtig wären hingegen massive Investitionen, um eine erfolgreiche Integration sicherzustellen. Doch danach sieht es leider nicht aus.

Gute Nachrichten für höheren Absatz

Zurück zu den Prognosefähigkeiten. Natürlich kann man einwenden, dass die Volkswirte mit Absicht zu optimistisch sind, um keine Rezession herbeizureden. Damit wären die Aussagen aber generell nicht zu gebrauchen. Wahrscheinlicher ist, dass sie vor allem die Adressaten im Blick haben. Mit guten Nachrichten lassen sich, wenn wir von den Volkswirten der Banken und Fondsgesellschaften reden,  mehr Aktien und Wertpapiere verkaufen. Vor allem wenn die Bank noch auf einem hohen Bestand sitzt, den man nur zu gerne in die Depots der Kunden verlagern möchte.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Umso beeindruckender sind dann die Ausnahmen. So in der vergangenen Woche der Chefvolkswirt der Citi, Willem Buiter. Dieser provoziert schon seit langem mit seinen Aussagen. Der Euro wäre nach seiner Prognose schon längst Geschichte, und für Gold diagnostizierte er im Frühjahr die „größte Blase aller Zeiten“, die nun immerhin schon 6000 Jahre anhielte. Den intrinsischen Wert von Gold bezifferte er auf Null – wie den von Papiergeld, welches bekanntlich nur einen Wert aufweist, weil wir ihm einen zubilligen. Fällt unser Vertrauen in Geld, ist der Wert über Nacht bei Null. Wie wenig ich von Buiters Einschätzung zu Gold halte, habe ich hier vor einigen Wochen mehr als klar gemacht.

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