Stelter strategisch: Mit der Herde in den Abgrund

kolumneStelter strategisch: Mit der Herde in den Abgrund

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Der Herdentrieb an der Börse ist ausgeprägt, an Wendepunkten für Anleger aber gefährlich.

Kolumne von Daniel Stelter

Auf der Flucht vor Raubtieren ist es eine gute Strategie, in der Herde zu bleiben. Solange diese nicht kollektiv in den Abgrund rennt. Auch als Investor fährt man mit der Herde gut, sofern man rechtzeitig aussteigt.

In den letzten Wochen hat das mediale Getöse zur unmittelbar bevorstehenden Vermögensvernichtung durch Inflation einen neuen Höhepunkt erreicht. Jährliche Kaufkraftverluste von 1,5 Prozent werden als Desaster dargestellt, dem man sich nur durch eine Flucht in Sachwerte entziehen könne. Kein Medium, welches nicht, mit den immer gleichen und deshalb immer gleich langweiligen Tipps auf Leserfang geht.

Spätestens, nachdem die Bild-Zeitung letzte Woche auf dem Titel Inflationsangst schürte und  Strategien zur Geldrettung vorstellte, müssen alle Alarmglocken klingeln. Gilt doch die Bild-Zeitung als zuverlässiger Indikator für Trendwenden an den Märkten. Ein Klassiker ist der „Geldrausch! Deutsche reden nur noch über Aktien-Tipps“ Titel aus dem Jahr 2000. Wer mehr darüber wissen will, wie Zeitungs-Cover als Kontraindikatoren dienen, dem empfehle ich die Lektüre von „Verkaufen, wenn der Börsenjubel am größten ist“.

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Bleibt uns als Investoren nur die goldene Regel: Ruhe bewahren! „Stelter Strategisch“ hat in den letzten beiden Wochen schon erklärt, weshalb „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“ keine vernünftiger Weg ist.

Inflationsangst und Nullzins So begegnen Sparer dem Vermögensschwund

Die auf 1,9 Prozent gestiegene Inflationsrate freut Geldpolitiker und ängstigt Sparer: Wer sein Geld zu niedrigen Zinsen angelegt hat, erleidet ganz reale Verluste. Es ist Zeit, die eigene Anlagestrategie zu überdenken.

Inflation: Das Leben in Deutschland wird wieder teurer. Quelle: Illustration

Momentum versus Fundamentals

Im Kern haben wir es mit einem klassischen Anlegerdilemma zu tun: soll man dem Momentum an den Märkten folgen, oder sich an den Fundamentaldaten orientieren? Mit der Herde zu ziehen, ist eine durchaus erfolgversprechende Strategie. Wie in der Tierwelt ergeht es jenen, die die Herde verlassen, selten gut. Wer 1997 den Warnungen Alan Greenspans vor der „irrational exuberance“ folgte und Aktien verkaufte, verpasste einen guten Teil des Börsenbooms, der noch bis ins Frühjahr 2000 weiter ging. Waren Aktien schon 1997 nach jedem Maßstab teuer, so erreichten sie zuvor undenkbare Bewertungsniveaus bis auch die Bild-Zeitung die Börsen entdeckte. Der Rest ist Geschichte.

Leider geben Fundamentaldaten, also die Bewertung, keine gute Indikation für die künftige Börsenentwicklung. Es kann Jahre dauern, bis sich eine hohe Bewertung normalisiert. Mit Sicherheit kann man nur sagen, dass auf lange Sicht eine hohe Bewertung mit geringeren Erträgen einhergeht. Einen Einbruch an den Börsen kann man mit diesen Kennzahlen nicht vorhersagen.

Das gleiche gilt für vergangene Kursgewinne. So könnte man denken, dass Börsen, die sich in kurzer Zeit verdoppelt haben, eher vor einem Einbruch stehen. Doch dem ist nicht zwingend so. Eine Studie der Yale University hat ergeben, dass von 72 Aktienmärkten, die sich innerhalb eines Jahres verdoppelten, immerhin sechs im folgenden Jahr nochmals 100 Prozent gewannen (da ärgert man sich, wenn man nicht dabei ist). Nur drei sich halbierten und verloren alle Gewinne des Vorjahres. Bei der größeren Stichprobe von 466 Fällen, in denen sich die Börse über einen Zeitraum von drei Jahren verdoppelte, halbierten sich nur 10,4 Prozent in den nachfolgenden fünf Jahren.

Ein Verkauf nach guten Jahren ist keine sichere Strategie. Bei der Herde zu bleiben zahlt sich aus. Außer, es kommt wirklich zu einer Trendwende.

Stelter strategisch Inflation? - Kein Selbstmord aus Angst vor dem Tod!

Wenn alle das gleiche erwarten, kommt es meist anders. Wenn die Deutschen plötzlich aktiv Geld anlegen, ist das der verlässlichste Indikator für eine Zeitenwende. Panik ist ein schlechter Ratgeber für Anleger.

Quelle: dpa

Risiko Sorglosigkeit

Problematisch wird es, sobald die ganze Herde zu sorglos ist. Solange viele Tiere noch selber aufpassen und nach Gefahren Ausschau halten, ist das Risiko gering, in eine Falle zu laufen. Je mehr sich die Tiere jedoch darauf verlassen, dass es schon gut gehen wird, weil es doch immer gut gegangen ist, desto wahrscheinlicher ist ein Unfall.

Die Herde der Investoren ist in den letzten Jahren immer unaufmerksamer geworden. Lebenszyklusmodelle (die in der Altersvorsorge mit zunehmendem Alter des Begünstigten den Aktienanteil senken) treiben immer mehr Geld in vermeintlich risikoarme Anleihen, Indexfonds (versprechen guten Ertrag bei niedrigen Kosten) kaufen das, was schon gut gelaufen ist und Notenbanken tuen immer noch so, als könnten sie die Wirtschaft steuern. Was die Herrscher des Kreml über Jahrzehnte nicht geschafft haben.

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