Die Politik der Notenbanken untergräbt die Marktwirtschaft durch falsche Preissignale und abnehmende Kontrolle. Dies stellt Investoren vor erhebliche Probleme.

kolumneStelter strategisch: Notenbanken - Totengräber der Marktwirtschaft

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Geldanlage in Zeiten der Notenbanken.

Kolumne von Daniel Stelter

Das sollten die Notenbanker beim Spitzentreffen in Jackson Hole mal diskutieren: Ihre Geldpolitik untergräbt die Marktwirtschaft durch falsche Preissignale und abnehmende Kontrolle. Für Anleger ist das ein Riesenproblem.

Beginnen wir mit einem Zitat aus dem Lexikon: „In der Theorie der Wirtschaftsordnungen bezeichnet Marktwirtschaft ein Wirtschaftssystem, in dem die Verteilung der Entscheidungs- und Handlungsrechte durch das Rechtsinstitut des privaten Eigentums an Produktionsmitteln erfolgt. Planung und Koordination der Wirtschaftsprozesse erfolgen dezentral. Die einzelnen Verwendungspläne der Haushalte und Unternehmen und der Entstehungspläne werden durch Marktpreise koordiniert.“ Dies im Gegensatz zum Sozialismus, in dem Privateigentum (weitgehend) abgeschafft ist und die Koordination über den Plan erfolgt.

Auf den ersten Blick besteht kein Zweifel daran, dass wir uns in einem Wirtschaftssystem befinden, was näher an der Marktwirtschaft als am Sozialismus ist. Zwar hat der Staat einen übermäßigen Einfluss auf die Wirtschaft und hat immer wieder gezeigt, dass er den natürlichen Gang der marktwirtschaftlichen Prozesse verhindern möchte. Letztes Beispiel ist der Überbrückungskredit für Air Berlin, verbunden mit dem gesteuerten Prozess der Zerschlagung im Interesse des führenden nationalen Spielers. Da aber alle Länder so handeln, wäre es töricht, wenn Deutschland da nicht mitspielte. Vielleicht sollten wir sogar aktiver werden, gerade auch mit der Begrenzung der Übernahmen aus anderen Ländern.

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Doch zurück zum Thema. Auf den zweiten Blick nämlich können durchaus Zweifel aufkommen, dass wir uns noch in einer Marktwirtschaft befinden. Legt man die Definition von oben zugrunde, so sind entscheidende Merkmale einer Marktwirtschaft Marktpreise, die koordinierend wirken, und privates Eigentum an den Produktionsmitteln.

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Seit Beginn der Finanzkrise vor zehn Jahren – die ich, wie regelmäßige Leser meiner Kolumnen wissen, keineswegs für überwunden halte – hat eine Entwicklung eingesetzt, die diese Wirkungsmechanismen zunehmend außer Kraft setzt. Verantwortlich sind die Notenbanken, die mit ihren Handlungen die Marktwirtschaft retten wollen, sich aber auf dem besten Weg befinden, deren Totengräber zu sein.

Der Zins als wichtigster Marktpreis

Zweifellos gehört der Zins zu den wichtigsten Marktpreisen überhaupt. Er signalisiert Risiken und Opportunitäten. Er schlägt sich indirekt in anderen Preisen nieder. Das Zinsniveau ist einer der wichtigsten Indikatoren für das zukünftige Wachstum. Tiefe Zinsen, geringes Wachstum und umgekehrt.

Schon seit Jahrzehnten sinken weltweit die Zinsen deutlich. Der Rückgang hat sich seit Beginn der unüberwundenen Krise weiter fortgesetzt. Hinter dem Zinsrückgang stehen verschiedene Faktoren (ausführlich hier). Doch unstrittig haben die Notenbanken das ihrige dazu getan, das Zinsniveau zu drücken.

Bei jedem Problem an Finanzmärkten und in der Realwirtschaft haben sie die Zinsen gesenkt und danach nicht wieder auf das ursprüngliche Niveau erhöht. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Notenbank der Notenbanken, rügt dieses asymmetrische Verhalten schon lange – vergeblich. Die Notenbanken setzen sie munter fort.

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Die Federal Reserve Bank Quelle: dpa

Dadurch ist nicht nur das Zinsniveau zu tief. Noch schwerer wiegt, dass die Zinsdifferenz zwischen guten und schlechten Schuldnern reduziert, eliminiert oder gar auf den Kopf gestellt wurde. zehnjährige US-Staatsanleihen erbringen genauso viel Zinsen (2,16 Prozent) wie europäische „High Yield Bonds“ schlechter Schuldner. Spanien (1,42 Prozent) und Italien (2,01 Prozent) zahlen deutlich weniger Zinsen auf ihren Staatschulden als die USA! Da mag man zu Donald Trump stehen wie man will, alleine ein Blick auf die demografische Entwicklung genügt um zu sehen, dass Spanien und Italien niemals ihre Staatschulden ordentlich bewältigen werden.

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