Stelter strategisch: Ruhe bewahren!

kolumneStelter strategisch: Ruhe bewahren!

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Das Portfolio sollte gegen starke Ausschläge in die eine oder andere Richtung gerüstet sein.

Kolumne von Daniel Stelter

Turbulente Tage an den Börsen sind was für Spekulanten, nicht für Anleger. Besser das Portfolio langfristig wetterfest machen, als in Kauf- oder Verkaufspanik zu verfallen.

Das griechische Theater hat die Börsen in dieser Woche tüchtig durch­geschüttelt. Erst verlieren die Aktien deutlich, dann geht es rasch wieder nach oben – nur um am dritten Tag wieder zu fallen. „Phasen erhöhter Volatilität“ nennt das die Finanzwelt. Kein Wunder. Schwanken doch die Börsianer einerseits zwischen der Furcht vor der Ansteckung anderer Länder, weil sich abzeichnet, dass der Euro eben doch nicht unumkehrbar ist. Und andererseits der Sicherheit, die EZB an ihrer Seite zu wissen, die auf jedes Krisensymptom hin den Geldhahn aufdrehen wird.

Gute Zeiten für Spekulanten, schlechte für Anleger. Natürlich kann es sich lohnen, bei übertriebener Panik an den Märkten zuzugreifen. Vorausgesetzt, man macht dies aus strategischer Sicht. Hat man zum Beispiel einen zu geringen Aktienanteil und plant, diesen für das Portfolio dauerhaft aufzustocken, so kann man solche Tage sicher für den Einstieg nutzen.

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Ein gutes Beispiel ist der Schweizer Aktienmarkt am 15. Januar 2015. Für viele überraschend, hob die Schweizer Notenbank die Bindung des Franken an den Euro auf. Die Schweizer Börse brach ein. Bluechips wie Novartis, Nestle und Roche verloren zeitweise gegenüber dem Vortag um bis zu 15 Prozent. Ein idealer Zeitpunkt zum Kauf. Wenige Tage später standen die Werte ausnahmslos deutlich höher. Der Markt brauchte einfach einige Zeit, um die Folgen der Wechselkursfreigabe zu bewerten.

Genauso gut könnte man versuchen, Verluste auszuschließen, indem man vor einer Marktkorrektur Aktien verkauft. Mit dem richtigen Timing müsste man also eigentlich den Markt regelmäßig schlagen. So die Theorie.

Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Empirisch gesehen verkaufen Privatanleger in den fallenden Markt hinein und verpassen dann den Wiedereinstieg. Am schlimmsten wirkt sich dies in Extremsituationen aus. Beispielsweise im Oktober 2008, als der S&P 500 im Zuge der Lehman Pleite um 16,8 Prozent fiel. Die meisten Investoren verkauften in den fallenden Markt und verpassten die Rally am Monatsende, weshalb sie nach einer Studie des Analyseinstituts Dalbar mit 24,2 Prozent deutlich größere Verluste realisierten.

Ähnlich war es beim Crash im Oktober 1987, während der Asienkrise im November 1997 und der Russlandkrise vom August 1998. Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Märkte länger falsch liegen können, als man selber Geld hat, gegen sie zu wetten. Deshalb bleibt Timing etwas für Spekulanten, nicht für die langfristige Mehrung des Vermögens.

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