Stelter strategisch: Verdienen an der Krise

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Wer keine Skrupel kennt, kann auch an der Flüchtlingskrise verdienen.

Kolumne von Daniel Stelter

Wer keine Skrupel kennt, kann an Krise und Verfall verdienen - das ist nicht jedermanns Geschmack. Wie sich Flüchtlingsstrom und Terrorgefahr auf Märkte auswirken, wer profitiert, und warum am Ende mehr Geld gedruckt wird. Eine Kolumne.

Vorige Woche habe ich an dieser Stelle ein wenig optimistisches Szenario der weiteren Entwicklung der EU und der Eurozone entworfen. Gekennzeichnet von zunehmender Disintegration als Folge von Flüchtlingskrise, Terrorismus und intensivierten Verteilungskämpfen. Eine EU, die sich immer mehr als eine Wohlstands- und nicht als Wertegemeinschaft herausstellt: Sobald es nicht mehr, sondern weniger zu verteilen gibt, sinkt die Motivation weiter mitzumachen.

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Verbunden war diese Analyse mit dem Appell, sich auf die absehbare Entwicklung einzustellen.

Einige Leser meinten zu Recht, dass es damit doch wohl nicht getan sein könne. In jeder Krise liegt bekanntlich eine Chance, und dies gilt gerade auch mit Blick auf die Kapitalmärkte. So wie man, einer alten Börsenweisheit folgend, Aktien kaufen soll, wenn die Kanonen donnern, so gibt es auch in Phasen des Niedergangs enorme Chancen für jene, die verstehen, was passiert und sich nicht durch „unnötige“ Skrupel daran hindern lassen.

Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Nehmen wir das Beispiel Flüchtlingskrise. Im Umfeld von Berlin, so wird es zumindest in entsprechenden Kreisen kolportiert, findet sich keine brauchbare Schrottimmobilie mehr, die nicht schon im Zugriff entsprechender Geschäftemacher ist. Statt Leerstand winkt eine Vollauslastung über Nacht, zudem mit einer Überbelegung zu wahren Wuchermieten mit einem äußerst kreditwürdigen Schuldner, dem deutschen Staat. In einigen Fällen soll nicht nur eine Pauschale pro Asylbewerber pro Tag für Unterbringung und Verpflegung vereinbart sein, sondern auch eine Kernsanierung der ohnehin baufälligen Immobilie nach Ablauf der Zwischennutzung, natürlich auch auf Kosten des Steuerzahlers.

Geschäfte mit der Willkommenskultur

Ein wahrliches lohnendes Geschäft. Nehmen wir an, Sie besitzen ein Mietshaus mit 20 Zweizimmerwohnungen in eher einfacher Ausstattung. In Berlin können Sie unter normalen Umständen mit rund 400 Euro Miete pro Wohnung und Monat rechnen. Macht folglich 96.000 Euro im Jahr. Das setzt aber voraus, dass das Haus in einem einigermaßen ordentlichen Zustand ist.

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Der Eiffelturm in Paris, getaucht in die französischen Nationalfarben Quelle: dpa

Ihr Nachbar hat dagegen seit Jahren nicht mehr in die Substanz investiert. Die Hälfte der Wohnungen steht leer, die andere Hälfte erzielt nur noch Mieten von 200 Euro im Monat. Eine grundlegende Modernisierung steht an. Doch anstatt diese durchzuführen, kommt ihr Nachbar auf eine zündende Idee. Die vorhandenen Mieter bewegt er mit großzügigen Abfindungen ebenfalls auszuziehen. Das dann leerstehende Haus bietet er der Gemeinde an, die händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten sucht. Konnten bisher nur zwei bis drei Personen pro Wohnung untergebracht werden, gilt dies im Falle der Nutzung als Asylantenheim nicht mehr. Jede Wohnung lässt sich nun mit sechs Personen belegen, was immerhin 120 Personen im ganzen Haus entspricht. Zahlt die Stadt 25 Euro pro Flüchtling und Tag – was eher am unteren Ende dessen liegt, was wirklich gezahlt werden soll – ergibt sich ein Umsatz pro Monat von 90.000 Euro. Dafür muss man dann noch Verpflegung, Heizung und Reinigung organisieren. Nehmen wir großzügig 15 Euro pro Tag und Person an, verbleiben dem Hauseigentümer satte 36.000 Euro im Monat. Mehr als vier Mal soviel wie dem Eigentümer des gut erhaltenen Hauses mit normalen Mietern. Die nachfolgende Sanierung lässt sich damit leicht finanzieren, wenn sie nicht auch noch vom Staat übernommen wird.

Was unglaublich klingt, ist dabei nur eines: die natürliche Folge von Angebot und Nachfrage. Und zwar in diesem Fall einer Nachfrage, die sich in eine erpressbare Position gebracht hat. Hinzu kommt: Verhandelt wird über anderer Leute Geld, nämlich das der Steuerzahler. Da bleibt die „Preissensitivität“ oft auf der Strecke.

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