Stelter strategisch: Von Schafen und Wölfen

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Jack Bogle, Gründer und ehemaliger CEO der Vanguard Group.

Kolumne von Daniel Stelter

Jack Bogle hatte vor mehr als 40 Jahren eine einfache, aber brillante Idee. Anleger sollten in den Index investieren, anstatt das Geld in Aktienfonds von aktiven Managern betreuen zu lassen. Doch Vorsicht ist geboten.

Jack Bogle hatte vor mehr als 40 Jahren eine einfache, aber brillante Idee. Statt wie zuvor das Geld in Aktienfonds von aktiven Managern betreuen zu lassen, sollten die Anleger lieber in den Index investieren. Die Geldmanager wären zu teuer und meist zu schlecht. Nach Kosten wäre mit einfachen Indexfonds mehr zu verdienen.

Was dann begann, war der unaufhaltsame Aufstieg seines Unternehmens Vanguard zum globalen Marktführer in dem Segment. Mehr als drei Billionen US-Dollar verwaltet Vanguard heute, alleine in den USA flossen im vergangenen Jahr 215 Milliarden Dollar an neuen Mitteln zu – so viel wie noch nie in der Geschichte der Vermögensverwaltungsindustrie. Dabei ist die Idee schon lange nicht mehr auf Aktien beschränkt. Auch im Bereich der Anleihen hat Vanguard das Prinzip mit großem Erfolg umgesetzt und im letzten Jahr den bisherigen Markführer Pimco vom ersten Platz verdrängt.

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Wenn es noch eines Beweises für die Überlegenheit der Anlagestrategie bedurft hätte, so stammt er von niemand anderem als dem Superinvestor Warren Buffet. Dieser riet seiner Frau, nach seinem Tod 90 Prozent des Erbes in Indexfonds von Vanguard zu stecken.

Auch von akademischer Seite bekommt der passive Ansatz breite Unterstützung. Nur die wenigsten Fondsmanager sind in der Lage, den Aktienmarkt zu schlagen. Nimmt man noch die deutlich höheren Kosten hinzu, so ist die Underperformance eklatant. Zeit also, die Fondsindustrie abzuschaffen?

Wie bei allen Trends in den Finanzmärkten ist auch hier Vorsicht angesagt.

Immer wenn sich ein breiter Konsens bildet, steht eine Trendwende bevor, und ich wage die These, dass dies auch für Indexfonds gilt. Wir stehen am Ende eines fast 40-jährigen Booms an den Finanzmärkten. Der Aufstieg von Vanguard & Co. fällt zusammen mit einem historisch einmaligen Aufschwung der Kapitalmärkte und des Finanzkapitalismus. Wenn alle Boote steigen, ist es schwer, deutlich schneller zu steigen als andere. Wenn die Ebbe kommt, zeigt sich jedoch, wer nackt schwimmt.

Indexfonds allokieren Kapital mechanistisch nach dem Anteil einer Aktie am Gesamtindex. Es erfolgt also keine Analyse der fundamentalen Wertveränderung sondern ein Nachlaufen: steigt die Aktie relativ zum Index, sind die passiven Produkte gezwungen, diese Aktie aufzustocken. Damit werden jene Werte gekauft, die bereits gut gelaufen sind – und umgekehrt. Da der Index auch für die aktiven Fondsmanager die Benchmark ist, orientieren sich diese am Index und weichen immer weniger davon ab – was dann wiederum erklärt, weshalb die Performance nach Kosten so unbefriedigend ist.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Beispiel: im vergangenen Jahr hat der breite Russell 1000 Index der großen US-Aktien elf Prozent zugelegt. Die besten 200 dieser Aktien stiegen im Durchschnitt um 44,3 Prozent, während die schlechtesten 200 16 Prozent verloren. Diese gigantische Lücke offenbart den Spielraum, der sich für aktive Manager öffnet, mit der richtigen Auswahl von Titeln den Markt zu schlagen. Je näher sie jedoch am Index bleiben, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dies zu schaffen. Dabei war 2014 die Bandbreite der Performance im historischen Vergleich noch gering, dank der Politik der Notenbanken, die alle Boote steigen ließ.

Studien zeigen, dass Fonds mit einem hohen „active share“ gegenüber semi-aktiven Fonds deutlich besser abschneiden. Die Autoren verglichen die Performance von sehr aktiv gemanagten US Aktienfonds mit der von weniger aktiv gemanagten Fonds über zwanzig Jahre von 1990 bis 2009. Das Resultat: Erstere konnten letztere nach Gebühren und Transaktionskosten um jährlich 2,17 und auch den jeweiligen Index um 1,26 Prozent schlagen.

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