Stelter strategisch: Wenn die Börse kippt, gibt es kein Versteck

kolumneStelter strategisch: Wenn die Börse kippt, gibt es kein Versteck

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Der Dax steht bereits unter Druck. Aber kommt es zur Korrektur an den überhitzten Börsen, dürfte eine Kursminus von zehn Prozent nicht ausreichen.

Kolumne von Daniel Stelter

Wer denkt, nach einem langen Aufstieg an den Finanzmärkten kommt eine Phase der Stabilität, der irrt. Spekulation auf Kredit und fehlende Liquidität erhöhen das Risiko eines abrupten Einbruchs. Zeit, Risiko abzubauen.

Ein Markt erreicht die Crashzone, sobald die Finanzierungskosten den Wertzuwachs des auf Kredit gekauften Vermögenswertes übersteigen. Der Wertzuwachs ist dabei neben dem laufenden Ertrag wie Dividenden vor allem der Kursgewinn.

Die Finanzierungskosten sind neben den fälligen Zinsen auch die Veränderung von Wechselkursen. Hat man sich in Yen verschuldet, um deutsche Aktien zu kaufen, kommt man unter Druck sobald die Aktien fallen oder aber die Zinsen steigen und der Yen relativ zum Euro aufwertet. Ohne Kauf auf Kredit wären Blasen an den Finanzmärkten unmöglich. Erst das zu billige Geld erlaubt die Spekulation und legt damit die Grundlage für Exzess und nachfolgenden Katzenjammer.

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, aktuell hat Stelter eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ veröffentlicht. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Dabei kommt es zu einem verheerenden Verstärkungseffekt. Zunächst erkennen nur wenige die lohnende Spekulation. Kredite werden vorsichtig nachgefragt, die Finanzpreise beginnen langsam zu steigen. Dann merken es auch andere Investoren, die von dem „Momentum“, also der positiven Kursentwicklung, angelockt werden. Die Überzeugung wächst, dass es sich um eine risikoarme Spekulation handelt, die Bereitschaft mit Schulden zu arbeiten nimmt weiter zu. Zugleich beginnt man den Anstieg rational zu begründen.

Neue Technologien untermauern den Anstieg oder wie heute die „Alternativlosigkeit“ der Anlage in Aktien. Immer mehr springen auf den fahrenden Zug, die Kurse steigen und zu guter Letzt wird auch die breite Öffentlichkeit angelockt. Die Spätphase der Aufwärtsbewegung beginnt und diese kann, wie in den Jahren 1999/2000 gut zu beobachten, zu einer letzten rasanten Beschleunigung führen. Solange bis alle die, die investiert sein wollen, es auch sind. Die Preise hören auf zu steigen. Erste Kursrückgänge treten ein. Die Investoren werden nervös, die ersten Kredite werden fällig. Dies ist der Moment in dem es bricht. Nicht langsam und geordnet beginnt der Abstieg sondern abrupt, chaotisch und brutal.

Die Investoren haben sich in eine Sackgasse manövriert und wollen und müssen nun alle durch denselben Ausgang wieder hinaus. Je weiter die Investoren in die Sackgasse gegangen sind und je enger der Ausgang, desto brutaler und chaotischer wird der Einbruch an den Märkten.

Stelter strategisch Am Börsengipfel wird die Luft dünn

Wachsende Staatsschulden, die Zinsen nahe null und die Börsenkurse klettern scheinbar endlos. Anlagestratege Daniel Stelter blickt in seiner neuen Kolumne hinter die Kulissen der Kapitalmärkte - und warnt vor der Wende.

Finanzmarktexperte Daniel Stelter schreibt jede Woche die Kolumne "Stelter strategisch" für WirtschaftsWoche Online

Schon weit gegangen

Wie weit sind wir schon in die Sackgasse gegangen? Immerhin befinden wir uns im Jahre sechs des Kursaufschwunges, maßgeblich getrieben von der Politik des billigen Geldes. Der Treibstoff für eine Börsenhausse ist da und wird uns wohl noch nicht sobald ausgehen. Gefahr droht unter diesem Blickwinkel nur in den USA, sollte die Fed tatsächlich die Zinsen erhöhen -was angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung keineswegs so sicher ist, wie die Marktakteure denken.

Im aktuellen "Global Asset Price Monitor" hat die Ratingagentur Moody’s die globalen Märkte auf Indizien einer Überhitzung untersucht. Dabei wird die Bewertung an den Märkten mit dem zehnjährigen Durchschnitt verglichen. Während die Experten für den globalen Aktienmarkt Entwarnung geben – dieser notiert ziemlich genau auf dem Durchschnittswert – sehen sie bei den Staatsanleihen auf globaler Ebene deutliche Überhitzungstendenzen.

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