Steve Ellis zu BRIC-Anleihen : "Der Ausverkauf der Schwellenländer bietet Chancen"

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InterviewSteve Ellis zu BRIC-Anleihen : "Der Ausverkauf der Schwellenländer bietet Chancen"

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Fidelity Fondsmanager Steve Ellis ist unter anderem verantwortlich für den 1,1 Milliarden Euro schweren Fidelity Emerging Markets Debt-Fonds, der überwiegend in Staatsanleihen von Schwellenländern investiert. Fidelity Worldwide Investment managt 67 Milliarden Dollar in Anleihen, davon 4,3 Milliarden in Schwellenländeranleihen.

von Heike Schwerdtfeger

Fehlendes Wirtschaftswachstum und steigende Renditen in den USA werden den Schwellenländern zum Verhängnis. Aber in der aktuellen Krise werden auch Versäumnisse offensichtlich, die das billige Geld der Notenbanken lange verdeckt hat.

WirtschaftsWoche: Mr. Ellis, in Krisen ist durch die Auslandsabhängigkeit vieler Schwellenländer das Muster immer gleich: Investoren verkaufen die Anleihen, die Kurse sinken rasant und die Währungen stürzen ab. Im Juni war es so weit. Der lange befürchtete Ausverkauf ließ die Kurse einbrechen. Was war jetzt der Auslöser für den Crash?

Ellis: Für die Schwellenländer-Anleihen wurden die gestiegenen US-Renditen sowie das schwache Wirtschaftswachstum zum Problem. Ende 2012 wurden die Produktionskapazitäten noch überall ausgebaut, weil alle auf eine stärkere Nachfrage aus den USA und Europa hofften, die aber nicht einsetzte.

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Investments in Schwellenländer wie China sind zuletzt deutlich unter Druck geraten. Quelle: dpa

Erstens fehlte damit das Wachstumsmoment. Wenn das Wachstum überzeugt, entwickeln sich die Schwellenmärkte immer gut. Die Erwartungen der Marktteilnehmer an das Wachstum wurden mit schwachen Einkaufsmanagerindizes in vielen Ländern unterboten und auch die Investitionen sind global gesunken. Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China leiden unter dem schwachen Wachstum. Vor allem in Lateinamerika ist es in Brasilien und Mexiko schwach. Bislang war aber Mexiko ein Markt, in den viele Investoren wollten, weil der Reformprozess lief und die Währung günstig war. Jetzt aber ist das Wachstum den Investoren nicht stark genug. Rohstoffpreise sind gesunken und darunter leidet Lateinamerika stärker, während asiatische Importeure profitieren. Da das chinesische Wachstum schwach ist, hat das natürlich auch Auswirkungen vor allem auf Rohstoffe wie Kupfer.

Zweitens hat die US-Notenbank ein Ende ihrer expansiven Geldpolitik angedeutet und damit würde dem Markt das billige Geld entzogen, von dem die Schwellenmärkte lange profitierten. Jetzt sind die Aussichten für die Wirtschaft in den USA oder auch Europa besser als in Schwellenmärkten und Investoren weichen dann lieber in diese Märkte aus, die weniger riskant erscheinen.

WiWo Global Brasilien

Warum zählen plötzlich die Argumente nicht mehr, mit denen die Begeisterung für die Schwellenmärkte lange angeheizt wurde, etwa deren geringere Verschuldung im Vergleich zu Industrieländern oder die bessere demografische Situation und hohes Wirtschaftswachstum?

Die Renditeaufschläge der Schwellenländeranleihen, die in Dollar notieren, waren zeitweise bis auf 1,5 Prozentpunkte zu US-Staatsanleihen abgeschmolzen. Jetzt sind sie auf 3,3 Prozentpunkte gestiegen und das Risiko der Investments wird wieder besser honoriert. Die fundamentalen Verbesserungen in vielen Staaten gegenüber vorherigen Krisen existiert nach wie vor, aber Europa und die USA entwickeln sich auch und bieten wie im Fall der USA wieder attraktivere Renditen. Es waren die Notenbankgelder, die unbeabsichtigte Konsequenzen hatten und in den Schwellenländern zu nicht gerechtfertigten Asset-Preisen führten.

Länder wie Brasilien oder Indonesien haben das billige Geld nicht mehr gut investiert und beispielsweise den Ausbau der Infrastruktur verschlafen. Es scheint etwas Schwellenländerspezifisches zu sein, aber es ist doch überall so, dass jetzt wieder Fundamentaldaten stärker zählen. Und deshalb ist klar, dass die Risikoaufschläge der Emerging Markets eher wieder bei 400 Basispunkten, also vier Prozentpunkten-Aufschlag, liegen sollten, als bei 200 Punkten.

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