Stiftung Warentest: Bausparer zahlen oft zu viel

Stiftung Warentest: Bausparer zahlen oft zu viel

Die Kreditzinsen für Bausparer sind so niedrig wie nie. Doch das hilft nicht, wenn Kunden durch schlechte Beratung in die falsche Richtung gelenkt werden. Die Stiftung Warentest machte den Praxis-Check.

Bausparkassen im Praxistest: Die Stiftung Warentest hat die 20 deutschen Bausparkassen einer genauen Prüfung unterzogen. Dazu suchten Testkunden mit einem einfachen Modellfall jeweils sieben Geschäftsstellen aller Bausparkassen auf. Der Testfall sah dabei wie folgt aus: Der Testkunde (ledig, Netto­Einkommen von 2200 Euro) will in zehn Jahren eine Immobilie finanzieren und bis dahin 400 Euro im Monat sparen. 15.000 Euro hat er schon auf einem Tagesgeldkonto.

Um die Finanzierung mit alternativen Bankangeboten vergleichen zu können, haben die Tester angenommen, dass der Sparer sein Geld in einen Banksparplan mit einer jährlichen Rendite von 1,50 Prozent anlegt und die Immobilie in zehn Jahren mit dem Guthaben und einem Bankdarlehen zu einem effektiven Jahreszins von 5,25 Prozent finanziert.

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Das Ergebnis: Kunden von Bausparkassen müssen durch Beratungsfehler und schlechte Angebote oft Tausende Euro zu viel zahlen oder ihren Immobilienkauf um Jahre verschieben. Nur drei der 20 Bausparkassen überzeugten im Test.

Sparen und eine Immobilie finanzieren – ein Bausparvertrag kombiniert beides. Bausparer sparen erst einmal Eigenkapital an und sichern sich so ein günstiges Darlehen für später. Wenn die Bausparkasse die Vertragssumme nach etwa acht oder zehn Jahren auszahlt, steht dem Bausparer für die Eigenheimfinanzierung meist mehr als das Doppelte dessen zur Verfügung, was er angespart hat. Ein Bausparvertrag lohnt sich daher für alle, die mittel- bis langfristig eine Immobilie kaufen, bauen oder renovieren möchten und sich dabei gegen steigende Zinsen absichern wollen. Wichtig ist laut Stiftung Warentest dabei, dass der Vertrag auf die individuellen Ziele der Bausparer abgestimmt wird.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

  • Der miese Service der Bausparkassen

    Wenn Ihre Kundendaten kaum erfasst werden, Ihr Bausparwunsch unberücksichtigt bleibt, die Finanzierungskosten unnötig hoch sind, Informationen in der Angebotsbroschüre fehlen und beim Beratergespräch auf Diskretion kein Wert gelegt wird, dann sind Sie mit Sicherheit bei einer Bausparkasse, die durch den Test von „Finanztest“ gefallen ist. Nachfolgend finden Sie die schlechtesten Bausparkassen Deutschlands.

  • Platz 7

    Deutsche Ring
    Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (4,5)
    Qualität des Angebots: Ausreichend (3,6)
    Kundeninformation: Ausreichend (3,6)
    Begleitumstände: Sehr gut (0,9)
    Gesamtnote: Ausreichend (3,6)

    Stand: Januar 2015

  • Platz 6

    Bausparkasse Mainz
    Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,3)
    Qualität des Angebots: Befriedigend (3,4)
    Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
    Begleitumstände: Befriedigend (2,9)
    Gesamtnote: Ausreichend (3,9)

  • Platz 5

    BHW
    Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
    Qualität des Angebots: Ausreichend (4,0)
    Kundeninformation: Mangelhaft (5,1)
    Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
    Gesamtnote: Ausreichend (4,2)

  • Platz 4

    LBS West
    Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
    Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,6)
    Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
    Begleitumstände: Gut (1,8)
    Gesamtnote: Mangelhaft (4,6)

  • Platz 3

    Aachener
    Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,5)
    Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,9)
    Kundeninformation: Befriedigend (3,4)
    Begleitumstände: Befriedigend (2,6)
    Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

  • Platz 2

    Deutsche Bank Bauspar
    Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,7)
    Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,5)
    Kundeninformation: Sehr gut (1,5)
    Begleitumstände: Gut (1,8)
    Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

  • Platz 1

    LBS Rheinland-Pfalz
    Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,6)
    Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,4)
    Kundeninformation: Mangelhaft (4,9)
    Begleitumstände: Sehr gut (1,4)
    Gesamtnote: Mangelhaft (5,4)

Genau daran scheiterte der Praxistest. In vielen Fällen war die Bausparsumme mitunter so groß, dass die Kunden ihr Geld erst nach 15 oder 20 Jahren statt wie gewünscht nach zehn Jahren bekommen hätten. Einen Testkunden traf es besonders hart, er hätte nach zehn Jahren nicht einmal ein Drittel seines Mindestguthabens erreicht.

Daher kamen die meisten Bausparkassen nicht über ein "befriedigend" oder "ausreichend" in der Wertung hinaus. Vier Anbieter wurden sogar als "mangelhaft" bewertet. Durchgefallen sind die Aachener und die Deutsche Bank Bauspar sowie die beiden Landesbausparkassen (LBS) West und Rheinland-Pfalz.

Auffällig waren auch die hohen Raten für die Rückzahlung des Bauspardarlehens, unnötig hohe Sparsummen und niedrige Darlehen. Viele der Testkunden wurden jedoch so schlecht über die Angebote der Bausparkassen informiert, dass sie zu Hause kaum eine Möglichkeit hatten, den Vorschlag zu prüfen oder mit anderen Angeboten zu vergleichen. In einem Fall überreichte die Bausparkasse dem Testkunden sogar nur einen Schmierzettel mit geschätzten Angaben zum angebotenen Vertrag.

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Neben schlechter Beratung bekamen die Testkunden von Stiftung Warentest auch so manches kuriose Angebot: So wollte ein Berater partout einen bestimmten Tarif verkaufen. Dieser Tarif eignete sich jedoch nur zum Sparen auf Anschaffungen wie Möbel oder Ähnliches, die Bausparsumme war auf 10.000 Euro begrenzt. Dass der Sparer eine Immobilie kaufen und dafür 400 Euro im Monat sparen wollte, passte gar nicht ins Konzept des Beraters. „Mehr als 64 Euro im Monat geht nicht“, beschied er dem verdutzten Kunden schlicht.

Doch so durchwachsen der Test auch ausgefallen ist – Bausparen an sich ist und bleibt eine gute Idee für Sparer, die in Zukunft eine Immobilie bauen oder kaufen wollen. Und drei Bausparkassen, die mit "gut" bewertet wurden, zeigen, dass es auch anders geht.

Der Verband der Privaten Bausparkassen reagiert prompt auf die Ergebnisse des Praxistests: Er will möglichen Versäumnissen bei Kundenberatungen auf den Grund gehen. In einzelnen Beratungen seien offenbar Fehler gemacht worden. „Dies gilt es jetzt genauer zu analysieren“, erklärte Verbandssprecher Alexander Nothaft am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Für ein abschließendes Urteil sei es deshalb noch zu früh. „Danach werden wir überlegen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.“ Zuerst sei das natürlich die Aufgabe der Institute, bei denen Mängel aufgetreten seien. „Ziel ist es selbstverständlich, durchgängig nicht nur eine hohe Produktqualität, sondern auch eine hohe Beratungsqualität zu gewährleisten“, betonte Nothaft.

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