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Strategie: Inflation: Anleger müssen flexibel bleiben

von Andreas Toller

Kommt die befürchtete hohe Inflation oder nicht? Der bekannte Vermögensverwalter Bert Flossbach sagt ja, der erfolgreiche Anleihemanager Harald Preißler sagt nein. Ihre Argumente, ihre Szenarien und ihre Empfehlungen für Privatanleger..

Vermögensverwalter Bert Flossbach (links) rechnet fest mit Inflation, Anleihemanager Harald Preißler gibt Entwarnung Quelle: dpa/Montage
Vermögensverwalter Bert Flossbach (links) rechnet fest mit Inflation, Anleihemanager Harald Preißler gibt Entwarnung Quelle: dpa/Montage

Hyperinflation. Das Wort verfolgt uns seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 und den darauf folgenden Bankenrettungen, schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, Zinssenkungen und Geldschwemmen der Notenbanken – und weckt Erinnerungen an die 20er Jahre. Das Drohszenario galoppierender Inflation treibt Sparer und Anleger in Sachwerte wie Immobilien, krisenfeste Anlage wie Gold oder zur Flucht aus dem Euroraum. Dabei sind die offiziellen Inflationsraten gerade jetzt beruhigend niedrig: In den USA 1,7 Prozent, in Deutschland 1,7 Prozent, in der gesamten Euro-Zone bei 2,4 Prozent und selbst EU-weit bei nur 2,6 Prozent. Von hohen Inflationsraten kann also keine Rede sein.

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Die Gretchenfrage für die Sparer und Vermögenden lautet dennoch: Bleibt es dabei oder kommt es in den nächsten Jahren zu einem signifikanten Anstieg der Inflation. WirtschaftsWoche Online hat zwei erfolgreiche Vermögensverwalter gefragt, womit sie rechnen und was sie daraus für ihre Kunden ableiten. Die Positionen unterscheiden sich deutlich. Nicht aber die Konsequenzen, die sie für das Vermögensmanagement daraus ziehen.

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Aus Sicht von Harald Preißler, Chefvolkswirt beim Anleihemanager Bantleon, ist es unwahrscheinlich, dass es bald zu einen Anstieg der Inflation kommt. „Die Behauptung, dass immer mehr Geld in den Markt gepumpt, ist falsch. Denn mit der Finanzkrise sind die Geldmengenwachstumsraten zusammengebrochen.“ Im Durchschnitt seien die Geldmengen seit Herbst 2008 nur um 2,4 Prozent gewachsen - davor waren es rund 7,5 Prozent pro Jahr. „Mit dem Geld der Notenbanken stopfen wir lediglich Löcher und blähen den Markt nicht auf. Tatsächlich musste die Liquiditätsversorgung durch die Maßnahmen der Notenbanken gestützt werden, weil sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen“, sagt er. Preißler verweist darauf, dass die viel zitierte Geldmenge M3 bereits konsolidiert ist und so nur betrachtet, was netto im Bankensystem und durch die EZB an neuem Geld entstanden ist. „Und danach ist die Geldschöpfung per Saldo nur knapp über der Nulllinie. Wir haben gerade das volkswirtschaftliche Minimum an Liquidität, von aufblähen kann da keine Rede sein.“ Die Grundvoraussetzung für steigende Inflationsraten fehle also.

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Bert Flossbach vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sieht das anders. „Inflation – angelehnt an das lateinische inflare, also aufblähen – bedeutet ja zunächst einmal ein Aufblähen der Geldmenge. Was sich aufgebläht hat, sind die Geldeinlagen der Banken bei der Zentralbank, beim Bargeld hat sich wenig getan. Über die aufgeblähte Zentralbankbilanz haben wir die theoretische Basis für die Geldschöpfung der Banken geschaffen, die sich dann ihrerseits über die Kreditvergabe in einem Anschwellen der Geldmenge niederschlägt. Noch ist da wenig passiert. Die Inflationsgefahr ist auch nicht konkret, aber die Basis dafür ist geschaffen. Und wenn wir eine Inflation bekommen, dann ist sie sicher – salopp formuliert – eine Inflation, die auf Vertrauensdeflation basiert. Dass der Rückgang des Vertrauens zur Inflation führt, sehen wir jetzt bereits etwa auf dem Immobilienmarkt. In allen besseren Gegenden Deutschlands explodieren die Preise für Immobilien.“

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2012, 23:22 Uhrazaziel

    Zitat: “Wir haben das Problem, dass die Finanzmärkte so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, dass das ganze Kapital gar nicht in der Realwirtschaft ankommt, sondern im Finanzmarkt von einer Anlage zur nächsten wandert und dort eine Blase nach der anderen entsteht“, so Preißler.

    Herr Preissler liegt hier richtig: Wenn den Anlegern kein Zinsertrag geboten wird, der ueber der Inflationsrate liegt, wandert die Anlage von Markt zu markt und es entstehen Blasen. Eine dieser Blasen ist die Rohstoffblase und hier irrt Herr Preissler. Selbst bei sinkender Nachfrage muss ein Unternehmer seine Rohstoffkosten weitergeben koennen. Kann er das nicht, stellt er die Produktion ein. Sinkendes Produktangebot fuehrt bei gleichbleibender Geldmenge zu Inflation. Man nennt es Stagflation, wenn Preise bei sinkender Nachfrage und Produktion steigen. Zu beobachten war das in Zimbabwe.

  • 20.07.2012, 15:13 Uhrallesverloren

    Die Inflation der Vermögenswerte ist heute schon erkennbar. Bei Häusern und Wohnungen liegt sie im Durchschnitt bei 4%/Jahr.

    Der steuerfreie Wertzuwachs eines selbstbewohnten, 120qm grossen, 300.000 € teuren Hauses/Wohnung liegt somit bei ca. 12.000 €/Jahr. Das ist etwa so viel wie die Zinsen (2,5%) und Abschreibungen (1,5%) des Hauses kosten. Damit wohnt der Selbstnutzer kostenlos.

    Bei 10 €/qm/Monat Kaltmiete zahlt der Mieter ca. 14.400 € Miete im Jahr.

    Diese vereinfachte Rechnung verdeutlicht, warum es weiterhin einen grossen Inflationsdruck bei Häuser und Wohnungen geben wird, natürlich nur sofern die Zinsen niedrig bleiben werden.

    Kein grosses Land der Welt kann es sich heute leisten, langfristig hohe Zinsen zu zahlen. Überall werden im Gegenteil die Zinsen politisch gegen Null gedrückt. Das kann m.E. auch 10-20 Jahre lang dauern, siehe Japan.

    Daher ist die Vermögens-Inflation, hier am Beispiel Haus/Wohnung dargestellt, mittelfristig unausweichlich.

    Langfristig wird dies aber auch die Preise für die Einkommen erhöhen, die diese Sachwerte kaufen wollen.

  • 20.07.2012, 14:34 Uhrrs-depot.de

    Wirtschaftsprognosen und insbesondere Voraussagen zu Finanzmärkten sind bedeutungslos, weil sich die Marktindikatoren auf ein Gleichgewichtsniveau entsprechend der aktuellen Einschätzung aller Marktteilnehmer einstellen.
    Was bleibt sind nur Trendfolgemodelle, wofür man nicht die Zukunft vorhersehen muss, sondern einer Entwicklung folgt.

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