Superzyklus am Ende: Trübe Aussichten für Rohstoffinvestments

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Superzyklus am Ende: Trübe Aussichten für Rohstoffinvestments

von Andreas Toller

Viele Rohstoffpreise sind im Sinkflug. Das liegt auch an der schwächelnden Weltkonjunktur und dem starken Dollar. Doch Förderländer und Unternehmen haben auch selbst dafür gesorgt.

Autofahrer und Ölverheizer dürfen für den Winter optimistisch sein. Einiges spricht dafür, dass die Öl- und Benzinpreise weiter fallen. Nach exzessiven Preissteigerungen während der Finanzkrise und der damit einhergehenden Konjunktureinbrüche weltweit hatte sich der Ölpreis noch nahezu verdoppelt und seitdem das Niveau über 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) unter Schwankungen verteidigt. Nun aber scheint der Abwärtssog zu stark. Und die Rohstoffpreise könnten noch länger fallen.

Der Preis für Öl ist an den Rohstoffmärkten vor allem seit Sommer massiv gefallen. Bei der Leichtölsorte WTI betrug das Minus 15 Prozent, bei der schweren Nordseevariante Brent war es ein Rückgang um 20 Prozent. Die schwächeren Konjunkturprognosen – etwa seitens des Internationalen Währungsfonds – drückten den Ölpreis nach unten, so die Rohstoffexperten der Commerzbank.

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Aus Sicht des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch ist sogar ein Abrutschen des Brent-Preises unter 90 Dollar gut möglich. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. Die Experten der US-Ratingagentur Fitch halten gar Preise von 80 Dollar für denkbar. "Es sieht so aus, als ob der Abwärtstrend noch nicht zu Ende ist", sagt auch Rohstoff-Experte Robin Bieber vom Erdöl-Broker PVM Oil Associates.

So funktioniert der Rohstoffhandel

  • Future-Contracts

    Bei einem Future-Contract kauft der Investor Rohstoffe nicht an regulären Märkten zu aktuellen Preisen sondern handelt auf Terminmärkten wie der deutsch-schweizerischen EUREX, der Chicago Mercantile Exchange (CME) zu der die Chicago Board of Trade (CBoT) gehört oder der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Hier wird der jeweilige Rohstoff zu einem Termin in der Zukunft gekauft. Der Investor bestellt beispielsweise im Februar Kakao, der im Juli geliefert werden soll.

  • Spot-Preis

    Spot-Geschäfte mit ihren kurzen Erfüllungsfristen sind das Pendant zu den Terminmärkten. Zwischen Bestellung und Lieferung liegen maximal zwei Börsentage. Der Spot-Preis ist dementsprechend der Preis, den Händler kurzfristig für den jeweiligen Rohstoff zahlen beziehungsweise erzielen. Bei Kassa-Preis dagegenhandelt es sich um den aktuellen Preis von Finanztiteln.

  • Cost of Carry

    Die Costs of Carry bei Rohstoffen setzen sich beispielsweise aus Lager- und Speditionskosten zusammen. Der Wert eines Future-Kontrakts besteht aus dem Kassa-Preis, also dem bei Vertragsabschluss herrschendem aktuellen Kakaopreis, und den Costs of Carry. Deshalb liegen die Future-Preise bei Termingeschäften anfangs meist über den Kassa-Preisen. Wenn ein Investor im März Kakao für Dezember bestellt, entstehen schließlich Lagerkosten für neun Monate. Er zahlt also den aktuellen Preis plus die Lager- und Speditionskosten. Der Händler kann die Lagerkosten aber über die neun Monate hinweg abschreiben - je näher der Liefertermin rückt, desto stärker nähert sich der Future-Preis dementsprechend wieder dem Kassa-Preis an.

  • Nearby–Future

    Der Nearby-Future ist der Rohstoff-Kontrakt mit der kürzesten Fälligkeit. Das Gegenteil, also der Future-Kontrakt mit der längsten Laufzeit, heißt dagegen Most-Distant-Futures-Contract.

  • Rollen

    Wer direkt in Rohstoffe investieren will, kauft statt einer Aktie oder eines Zertifikats einen Future-Kontrakt mit einer bestimmten Laufzeit und einem Erfüllungszeitpunkt. Der Erfüllungszeitpunkt ist nichts anderes als der Liefertermin. Das heißt, wer ein Kakao-Future mit einer Laufzeit bis Juli 2013 kauft, bekäme im Juli 2013 auch die gekaufte Menge Kakao geliefert.

    Ursprünglich ging es bei Warentermingeschäften schließlich um den Kauf physischer Rohstoffe. Mittlerweile sind viele der Kontrakte Spekulationsgeschäfte. Wer nur Geld verdienen und nicht auf zig Tonnen Kakao sitzen möchte, muss also vor Ende der Laufzeit seinen Kontrakt verkaufen und einen neuen mit einem späteren Liefertermin kaufen. Dieser Vorgang nennt sich rollen.

  • Rollrendite

    Beim Rollen können Anleger sowohl Gewinne als auch Verluste machen: Wer seinen alten Kontrakt günstig verkauft und den neuen Kontrakt teuer kauft, erwirtschaftet eine negative Rollrendite, macht also Rollverluste. Verkauft er dagegen teuer und kauft billig, fällt die Rollrendite positiv aus, er macht Rollgewinne.

  • Contango

    Bei einer Contango-Situation ist der Spot-Preis geringer als der ausgemachte Preis bei Fälligkeit des Future-Kontrakts. Wenn ein Anleger seinen Vertrag in so einer Situation weiterverkauft und in einen Most-Distant-Futures-Contract investiert, kann er Gewinne abgreifen. Wer dagegen bei niedrigem Spot-Preis und hohem Terminpreis seine Kontrakte abstößt und Kontrakte mit nächstmöglicher Lieferzeit kauft (Nearby-Futures) riskiert Verluste.

    Das Gegenteil von Contango ist eine Backwardation.

  • Backwardation

    Bei der Bachkwardation-Situation liegt der Preis der Future-Kontrakte unter denen am Kassamarkt. Der Anleger verkauft also vor Liefertermin seinen Kontrakt bei aktuell hohem Preis und kann günstig einen den Nearby-Future erstehen. Er verbucht also Rollgewinne.

Nachfrage sinkt, Angebot steigt

Dass die Konjunkturaussichten dahinter stecken, ist aber nur die halbe Wahrheit. Zwar steht und fällt die Ölnachfrage mit der weltweiten Konjunktur. Auch sorgt die starke US-Konjunktur seit dem Sommer für einen steigenden Dollarkurs. Das macht Rohstoffe generell für viele Abnehmerländer teurer, da sie zumeist in der US-Währung gehandelt werden.

Aber dass die Krisen und Kriege im Nahen Osten – dem weltweit wichtigsten Fördergebiet für Erdöl – nicht für steigende Ölpreise sorgen, ist Indiz dafür, dass der wichtige Rohstoff derzeit alles andere als knapp ist. Im Gegenteil: Öl gibt es zurzeit im Überfluss.

Die Rohstoffpreise bewegen sich auf breiter Front abwärts. Der Grund: In den vergangenen Jahren ist die Produktionsmenge für Rohstoffe für Öl, Kupfer, Stahl oder Edelmetalle gestiegen. Die Eisenerzproduktion zum Beispiel hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdreifacht. Das Angebot ist bei vielen Rohstoffen deutlich gewachsen.

Gleichzeitig war die Entwicklung der Nachfrage verhaltener oder sogar rückläufig. Beispielswiese fielen die Wachstumsraten in China zuletzt wie schon in den Jahren zuvor niedriger aus, als viele Experten erwartet hatten. Weil das Land nach Schätzungen 40 Prozent der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbraucht, hat Chinas Wachstumsprognose unmittelbaren Einfluss auf die Rohstoffpreise.

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