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Kommentar Tabubruch: Bundesbank empfiehlt Gold

von Frank Doll

Jens Weidmann versucht sich als Anlageberater: Während die US-Notenbank Fed die nächste Gelddruck-Runde andeutet, gibt die Deutsche Bundesbank eine Kaufempfehlung ab für Gold.

1980

Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung.

Goldpreis am Ende des Jahres:

589,8 US-Dollar
392,4 Euro
119.823,1 Yen
246,7 Pfund
1.047,8 Schweizer Franken

Bild: ap

Nicht mal der Hinweis von Charles Evans auf eine vierte Runde quantitativer Lockerung (QE4) der US-Notenbank Fed konnte zuletzt die Börsen stimulieren. Der Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago empfahl, die Fed solle über Januar 2013 hinaus weiter langlaufende US-Anleihen im Volumen von mindestens 45 Milliarden Dollar pro Monat kaufen. Hintergrund: Im Januar endet Operation Twist.

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Große Dinge kündigen sich an

Im Rahmen dieses Programms kauft die Fed seit September 2011 langlaufende US-Staatsanleihen, sterilisiert die Käufe aber weitgehend durch den Verkauf von Schuldpapieren der US-Regierung mit einer Restlaufzeit von weniger als drei Jahren, die sie in ihrem Bestand hält. Doch weil der Bestand kurzlaufender Staatstitel immer geringer geworden ist, lässt man es einfach und Operation Twist geht nahtlos in QE 4 über. Doch die Aktienmärkte wirken müde und ausgereizt. Wichtige Indizes und Aktien haben charttechnische Widerstände erreicht.

huGO-BildID: 20964666 ARCHIV - 500 Kilogramm in 94 Silberbarren stapelt am 25.02.2010 eine Mitarbeiterin des Archäologie Museums in Herne für eine Ausstellung. Der Preis für Silber hat den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Am Freitag (18.02.2011) kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls mit 31,95 Dollar auf den höchsten Stand seit März 1980. Foto: Roland Weihrauch dpa (zu dpa 0436 vom 18.02.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
huGO-BildID: 20964666 ARCHIV - 500 Kilogramm in 94 Silberbarren stapelt am 25.02.2010 eine Mitarbeiterin des Archäologie Museums in Herne für eine Ausstellung. Der Preis für Silber hat den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Am Freitag (18.02.2011) kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls mit 31,95 Dollar auf den höchsten Stand seit März 1980. Foto: Roland Weihrauch dpa (zu dpa 0436 vom 18.02.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Möglicherweise kündigen sich gar große Dinge im Dollar und damit auch an den Anleihe- und Aktienmärkten an. So ist die Kurserholung des Dollar-Index seit Mitte September auffallend verhalten ausgefallen, wie auch schon die Dollarhausse seit Mitte 2011wesentlich schwächer ausgefallen ist als jene von 2008 und 2010. So gesehen ist eine Dollarkrise jetzt jederzeit möglich. Nach dem Schwächeanfall am vergangenen Donnerstag spricht im Dollar-Index jetzt einiges für einen weiteren Rückgang. Eine anhaltende Dollarschwäche würde den US-Anleihemarkt in einem charttechnisch ungünstigen Moment erwischen. Die Erholung im Dollar seit Mitte September korrespondiert mit der Erholung amerikanischer Staatsanleihen. Dollar und Bonds haben am Donnerstag gleichzeitig ein charttechnisches Verkaufssignal gegeben. Daraus folgt: Dollarschwäche gleich Bondschwäche.

Unterschreiten die Bondkurse ihre Tiefpunkte vom September, wäre der 30-jährige Bullenmarkt tatsächlich zu Ende. Jede weitere Dollarschwäche wäre dann gleichbedeutend mit einer weiteren Absetzbewegung des Auslandes aus US-Bonds und dann vermutlich auch aus US-Aktien. Die Fed könnte also am Ende mit zu vielen Bällen jongliert haben. Fällt einer, fielen auch die anderen. Der Oktober könnte seinem Ruf als Crash-Monat wieder gerecht werden.

Dazu passt die Kaufempfehlung für Gold von Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Ihn wird Bundeskanzlerin Angela Merkel inzwischen wohl für einen politischen Amokläufer halten. In einer Rede mit dem Titel “Money Creation and Responsibility” bezeichnete Weidmann Gold als zeitlosen Klassiker in seiner Funktion als Tausch-, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel - also als gutes Geld. Diese Aussagen sind ein unglaublicher Tabubruch für einen Bundesbanker. Die Deutsche Bundesbank arbeitet offenbar an ihrer eigenen Legende für die Zeit nach dem Euro. Schließlich fiele ihr beim Aufbau einer neuen Währung die Hauptrolle zu. Die derzeitig in der Verantwortung stehende politische Klasse Deutschlands dürfte bis dahin allerdings komplett diskreditiert sein.

Bombenstimmung in Europa

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In Österreich zeichnen sich diese Konturen schon ab. Nach Terminator Arnold Schwarzenegger, der es bis an die Spitze des Sonnenstaates Kalifornien schaffte, steigt jetzt der Milliarden schwere Unternehmer Frank Stronach in seiner österreichischen Heimat in die politische Arena. Stronachs Anti-Europa-Partei stößt auf breite Zustimmung unter einfach strukturierten männlichen Österreichern. Stronach (“Entweder ist Merkel so dumm oder sie spielt bei den Banken mit”) garantiert zumindest ähnlichen Unterhaltungswert wie der italienische Sonnenkönig Silvio Berlusconi, dessen Comeback übrigens ziemlich sicher ist. Sollten die beiden Populisten also bald gemeinsam bei den EU-Gipfeln mitmischen, dann wäre auf alle Fälle für Stimmung unterm europäischen Dach gesorgt.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.10.2012, 15:05 UhrBuerger

    Das wäre ja so schön, wenn "wir" handeln könnten wie ein souveränes Volk. Schäuble hat aber in den letzten 12 Monaten in 2 öffentlichen Reden betont, daß Deutschland seit 1945 nicht mehr souverän ist. Die Wiedervereinigung und der 2+4 Vertrag klappten nur so schnell, weil Kohl dem EURO zustimmte, der Versailles II für Deutschland war, das hat Mitterand selber bestätigt. Der EURO ist das Ausplünderungsinstrument für die Reparationszahlungen.

    Als Schröder mit Hartz IV den Spieß rumgedreht hat und Deutschlands Oligarchen und die selbsternannte Oberschicht noch vom Reparationsinstrument EURO profitiert hat, mußte Goldman-Sachs Draghi die Eurobonds, den ESM etc. einführen, damit die Reparationszahlungen und die Ausplünderung endlich funktioniert.

    Die ganze Kohle geht via Griechenland und PIGS Staaten zu den Siegermächten, die City of London und die Wallstreet sind die Verteilzentren der Reparationszahlungen.

    Es glaubt doch keiner mehr an den Schmu, daß Merkel dem Deutschen Volke dienen würde oder das Bundesverfassungsgericht. Sie genauso wie Steinbrück als Türöffner für die ausländischen "Investoren", Heuschrecken, Ausplünderer sind nur die Vasallen, die Statthalter der Besatzer. Sie bereichern sich selber auf Kosten des Deutschen Volkes.

    Da die Besatzer noch Tausende von Truppen auf unserem Boden stehen haben, um uns zu knechten, und da selbst die strohdumme Polizei (siehe Stuttgart 21) die eigene Bevölkerung zusammenknüppelt, die sich der Plünderung entgegensetzt, hilft nur noch eines: passiver Widerstand.

    Macht's mal wie die Italiener und die Griechen und die Spanier: Siesta, mal 2h Mittagspause, take it easy. Nur den deutschen Hamster im Rad können die Besatzer plündern und sich damit ein Leben in Saus und Braus erlauben. Wenn die Kuh keine Milch mehr gibt, ist Schicht im Schacht.

    Übrigens: daher wurde die Schuldenbremse gesetzlich verankert, denn Deutschland hätte ja auf die Idee kommen können, sich a la Weimar 1923 mit Gelddrucken der Schulden zu erledigen.

  • 06.10.2012, 13:13 UhrLeser

    Sehr geehrter Herr Doll,
    es amüsiert immer wieder, mitzuerleben, wie einige Journalisten und andere Intellektuelle an prominenter Stelle ihre angebliche Bildung vor sich hertragen und ganz nebenbei noch geringschätzig über Menschen anderer Meinung und deren Bildungsniveau sprechen.
    Ursächlich dafür mag sein, daß in vielen Studiengängen ohne harte Fächer man jede beliebige Meinung vertreten kann, solange man meint, diese irgendwie wortreich ("komplex struktieriert") begründen zu können. Wäre es nicht vielleicht auch möglich, daß man sich mit erfolgreichem Studienabschluß, Herr Doll, letztlich den gesunden Menschenverstand erfolgreich abtrainiert hat?
    Herrn Stronach und seinen Befürwortern aber den Gebrauch desselben anzulasten, grenzt schon an Realsatire...

    Si tacuisses, Herr Doll...

  • 05.10.2012, 23:45 Uhranonym.und.gefrustet

    Das "entweder oder" in Bezug auf unseren regierenden Hosenanzug scheint mir nicht so ganz treffend.Ich persölich würde sagen Frau Merkel ist beides. Dumm und naiv auf jeden Fall. Und gerade deshalb spielt sie- so wie die meisten der uns regiernden Schwerst-
    verbrecher- bei den Banken mit.

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