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Teure Kontoüberziehung: Banken mauern bei den Dispozinsen

von Laura-Patricia Montorio

Trotz Niedrigzinsphase und billigem Geld der Notenbank schlagen die Geldhäuser bei Dispokrediten übermäßig zu. Die Mehrheit der Banken will ihre überhöhten Konditionen nicht einmal veröffentlichen.

Banco Santander (Spanien)

Bilanzsumme: 1293 Milliarden Euro

Marktkapitalisierung: 56 Milliarden Euro

Bild: REUTERS

15,32 Prozent kassiert die teuerste Bank für ihren Dispokredit – von solch einem saftigen Zinsniveau können Sparer momentan nur träumen. Das liegt am niedrigen Zinssatz von 0,75 Prozent, zu dem die Europäische Zentralbank Geld an die europäischen Banken verleiht, um die Euro-Krise mit günstigem Geld zu bekämpfen. Der Nachteil der Konjunkturspritze: die Niedrigzinsphase frisst den Sparern ihr Erspartes weg. Der Zins, den sie für ihr Geld bekommen, liegt oft unter der Inflationsrate. Da möchte man meinen, dass es wenigstens billiger für Verbraucher geworden sei, an günstige Kredite zu kommen. Das mag teilweise stimmen. Beim Dispokredit, den Bankkunden in Anspruch nehmen, sobald sie ihr Girokonto überziehen, kann von Niedrigzins jedoch keine Rede sein. Die Banken schlagen trotz der günstigen Konditionen, mit denen sie sich selbst versorgen können, beim Dispokredit unverhältnismäßig zu.

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Banken schlagen bei Dispokredit zu 

Das ist das Ergebnis einer Studie von Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation verglich die Dispokreditkonditionen deutscher Kreditinstitute: sie fragte dafür bei 1.566 Banken an, nur 357 Geldinstitute antworteten unmittelbar und veröffentlichten ihren Dispozinssatz. Von weiteren 588 Banken konnte die Stiftung Warentest den Zinssatz nur durch Recherche im Internet, vor Ort in der Filiale oder durch telefonisches Nachfassen ermitteln. 621 Banken verweigerten die Auskunft völlig, die Stiftung Warentest konnte in diesen Fällen den Dispokreditzins nicht ermitteln.

Die Banken mit den niedrigsten Dispozinsen

  • Platz 10

    Die Nassauische Sparkasse fordert Dispozinsen in Höhe von 7,30 Prozent. (Quelle: Stiftung Warentest, 16.10.2012)

  • Platz 9

    Bei Bank für Kirche und Diakonie, einer Genossenschaftsbank, liegen die Dispozinsen bei 7,25 Prozent.

  • Platz 8

    Die Sparkasse Rhein-Haardt verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,11 Prozent.

  • Platz 7

    Die VR-Bank Uckermark-Randow verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,00 Prozent.

  • Platz 5

    Bei der Direktbank DAB Bank liegen die Dispozinsen ebenfalls bei 6,95 Prozent.

  • Platz 5

    Wie die DAB Bank verlangt auch die Volksbank Saaletal 6,95 Prozent, nennt ihre Konditionen für Dispokredite jedoch nicht im Internet.

  • Platz 4

    Bei der günstigsten Sparkasse im Vergleich, der Sparkasse Mittelmosel-Eifel Mosel Hunsrück muss der Kunde Dispozinsen in Höhe von 6,75 Prozent zahlen.

  • Platz 3

    Die PSD Bank Rhein-Neckar verlangt Dispozinsen in Höhe von 5,99 Prozent. Das drittgünstigste Angebot im Vergleich.

  • Platz 2

    Bei der Deutschen Skatbank, der günstigsten Direktbank im Vergleich, zahlen Kunden für ihren Dispokredit nur 5,25 Prozent Zinsen.

  • Platz 1

    Die niedrigsten Dispozinsen hat die Stiftung Warentest in diesem Jahr bei der VR-Bank Uckermarkt-Randow gefunden. Dort zahlen Kunden mit einem Giro Komfort Plus Konto nur 4,50 Prozent auf ihre Dispokredit. Mit einem anderen Konto ist die Genossenschaftsbank auch schon auf Platz sieben vertreten.

Im Durchschnitt lag der Zinssatz für den Dispokredit bei den 945 Geldhäusern, die ihre Konditionen veröffentlichten, bei 11,76 Prozent. Wenn ein Bankkunde sein Girokonto also um 1.000 Euro überzieht, muss er dafür 117,60 Euro Zinsen an seine Bank zurückzahlen. Die Banken haben ihren Zinssatz gegenüber dem Durchschnittswert 2011 zwar um 0,63 Prozentpunkte gesenkt. Dagegen hat sich der Marktzins aber von 1,5 auf 0,75 Prozent halbiert. Beim Dispokredit fand demnach keine Angleichung des Zinsniveaus statt, wie es etwa bei Geldanlagen oder der Bankenfinanzierung der Fall ist.

Die Stiftung Warentest hält den durchschnittlichen Dispokreditzinssatz bei den momentan günstigen Markbedingungen für überhöht. Stephanie Pallasch, Projektleiterin „Geldanlage, Altersvorsorge, Kredit und Steuern“, sagt: „Bei dem aktuellen Zinsniveau sollte der Zinssatz für Dispokredite deutlich unter zehn Prozent liegen.“

Was Banken für eine Konto-Überziehung verlangen

  • Umfragen

    Finanztest und die FMH-Finanzberatung aus Frankfurt haben bei den Banken die Dispo-Zinsen erfragt oder ermittelt.

  • Ergebnis von Finanztest

    "Der Durchschnittszins von 11,76 Prozent liegt zwar gut einen halben Prozentpunkt unter der Vorjahresuntersuchung, aber immer noch zu hoch. Denn die Zinsen, zu denen sich die Banken Geld leihen können, sind stärker gesunken als die Zinsen, zu denen die Kunden ihr Konto überziehen dürfen."

  • Ergebnis von FMH-Finanzberatung

    "Die Dispozinsen sanken zum Quartalsende im Schnitt nur um 0,28 Prozentpunkte."

  • Margen

    Die Banken verdienen heute an Überziehungen deutlich mehr als früher. Vergleicht man zum Beispiel einen Schnitt der Dispo-Zinsen mit dem Referenzzins, dem Euribor für drei Monate, so ergeben sich in den vergangenen vier Jahren im Schnitt Gewinnmargen von über 10 Prozentpunkten. Vor der Jahrtausendwende waren es dagegen mal sieben Prozentpunkte oder weniger, ermittelte die FMH-Finanzberatung.

  • Die günstigsten Banken

    Deutsche Skatbank, DAB bank AG, PSD Bank Westfalen-Lippe eG, VR-Bank Uckermark-Randow

    Quelle: FMH Finanzberatung, Finanztest

  • Mehr als 12,4 Prozent

    Sparkasse Leipzig, Frankfurter Sparkasse, Berliner Volksbank, Berliner Bank, Deutsche Bank AG

  • Mehr als 12,5 Prozent

    Sparkasse Hannover, Mainzer Volksbank, Wiesbadener Volksbank, Santander Bank

  • Mehr als 13 Prozent

    Commerzbank: 13,24 Prozent, Sparkasse Langen-Seligenstadt: 13,5 Prozent

  • Mehr als 13,5 Prozent

    Volksbank Stendall, Volksbank Eisenberg, Sparkasse Göttingen, Stadtsparkasse Hameln

  • Mehr als 14 Prozent

    VR-Bank Aalen, Sparkasse Elbe-Elster, Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich, Targobank

  • Spitzenwerte

    Manche Überziehungen über das vereinbarte Soll hinaus werden von den Banken geduldet. Sie verlangen dafür jedoch höhere Zinsen. In der Spitze ermittelte die FMH Finanzberatung für geduldete Überziehungen Werte von bis zu 18,75 Prozent.

Auch im europäischen Vergleich sind die Konditionen der deutschen Banken übermäßig teuer: In den Niederlanden lag der Dispokreditzins im Mai durchschnittlich bei 6,69 Prozent, in Österreich sogar nur bei 5,52 Prozent.

Die Banken können die hohen Zinsen auch nicht durch das Ausfallrisiko rechtfertigen. Dieses liegt bei nur 0,2 Prozent, wie eine Studie des Verbraucherschutzministeriums ermittelte. Die Auskunft zum Ausfallrisiko kam von den Banken selbst.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2012, 15:57 Uhrpedro

    Habe bei meiner Sparkasse über 20 % bezahlt und bin in die Erpressbarkeit geraten und wurde erpresst.
    Meine Wut über diese Zeit ist unbeschreiblich groß und vergeht vermutlich nie. Sämtliche Kinder, Enkel, Verwandte und Bekannte in großer Zahl sind gewarnt und haben größtenteils dieser Finanzgruppe den Rücken gekehrt.
    Meine Lehre daraus nach 60 Jahren Kunde sein......vertraue nie einem Bänker, denn der Teufel sitzt immer mit am Tisch.
    Verzichte auf Zinsen und verlogene Sprüche gehe in Urlaub oder einen Trinken. Alles ist besser als ein Kontakt zu diesen Brüdern.

  • 17.10.2012, 07:27 Uhrxyz

    meines Wissens ist der Zinssatz in den Niederlanden per Gesetz gedeckelt. Es ist den Banken gar nicht erlaubt höhere Zinssätze zu verlangen. Da gibt es eine festgelegte Grenze und die darf nicht überschritten werden.

    es wäre absolut simpel das auch in DE einzuführen. Selbst Genossenschaftsbanken verlangen hier 12-13% und sind damit wohl noch die "Billigsten".

  • 16.10.2012, 19:46 UhrGeJN

    In Zeiten als wir noch Bankkaufleute waren denen das Wohlergehen des Arbeitgebers (Banken) sowie den Kunden am Herzen lag, gab es eine einfache Formel zur Festlegung geordneter (vorher mit der Bank abgesprochenen) Überziehungen: Geldeinsatz (= Refinanzierungskosten z.B. Sparzins) plus 4%. Diese Vorgehensweise würde heute einen Sollzins von 4,5-5% rechtfertigen. Ungeordnete aber geduldete Überziehungen kosteten zzgl. 4,5%.
    Beunruhigend ist die Tatsache, dass unsere Bundesverbrauchsministerin auf schriftliche Anfrage/ Hinweis nur mit ausweichenden Floskeln antwortet.
    Es ist zu befürchten, dass die Bundesregierung diese Vorgehensweise der Banken gut heisst, da die Steuern aus den höheren Gewinnen "sprudeln" bzw. die Geschäftsbanken ihre Schieflagen aufgrund Aufkäufen von Staatsschuldverschreibungen "elegant" auf dem Rücken der sparsamen Bürger "ausbügeln" können

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