
DüsseldorfDer deutsche Aktienmarkt kennt keine Krise. Der Dax hat die Marke von 7.000 Punkten geknackt. Eine gute Nachricht. Das Dumme ist nur: Wer jetzt kaufen will, ist spät dran. Aktien sind nicht mehr ganz billig. Um noch ein Schnäppchen zu erwischen, müssen Anleger mehr riskieren - mit Aktien, die sonst keiner haben will.
Einer, der diese Strategie seit Jahren verfolgt, ist der Investor Max Otte. Er setzt gezielt auf Unternehmen, die bei den Börsianern in Ungnade gefallen sind, oder die sogar kurz vor der Pleite stehen. Die Papiere sind oft schon für Centbeträge zu haben. „Wenn Sie heute eine billige Aktie kaufen, dann ist das Risiko aus meiner Sicht überschaubar", sagt Otte.
Aber, Vorsicht! Wenn die Wette schiefgeht, droht der Totalverlust. Denn an der Börse gilt immer noch das Grundgesetz: Schluss ist erst bei null. Doch selbst das muss noch kein Drama sein – wenn man es geschickt anstellt und starke Nerven hat. Angenommen ein Spekulant verteilt Geld zu gleichen Anteilen auf fünf verschiedene Pennystocks. Selbst wenn er mit vier davon daneben liegt, kann er immer noch im Plus liegen – wenn eine seiner Aktien die Wende schafft und um das sechs- oder siebenfache zulegt.
Heiße Aktien: Das sind die Turnaround-Kandidaten
Air Berlin
Der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn sollte die Fluglinie wieder flott machen. Bislang ohne Erfolg. Mehdorn will 2013 wieder Gewinne einfahren. Eine schwarze Null erwarten Analysten aber erst wieder 2014.
Kursentwicklung 2012: -25,8 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 1
Asian Bamboo
Die Chinesen vertreiben allerhand Bambusprodukte. Seit dem Börsengang in Frankfurt ist die Aktie fast nur gefallen. Schlechtere Bambusernten und steigende Kosten machen dem Unternehmen zu schaffen. Analyst Oliver Schwarz von MM Warburg bescheinigt der Aktie "auf ihrem aktuellen Kursniveau aber beträchtliches Aufwärtspotenzial". Trotz des schwierigen Umfelds sei der operative Cahsflow sehr ordentlich.
Kursentwicklung 2012: -56,4 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 2,6
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,3
Celesio
Der Pharmahändler vollzieht derzeit eine strategische Kehrtwende. Konzentration auf Kerngeschäfte Pharmagroßhandel und Apotheken. Unretable Beteiligen werden verkauft. Die Restrukturierung verursacht hohe Kosten und Abschreibungen. Erste Erfolge lassen sich bereits am Aktienkurs ablesen.
Kursentwicklung 2012: +9,6 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,4
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,9
Commerzbank
Die zweitgrößte deutsche Bank kommt nicht auf die Beine. Die Liste der Probleme ist lang: Schwaches Privatkundengeschäft, faule Kredite, Belastungen durch die Töchter Eurohypo und Deutsche Schiffsbank. Größtes Risiko bleibt die Eskalation der Schuldenkrise. Andererseits wird der Staat die Bank nicht pleitegehen lassen. Systemrelevant. Für Aktionäre eine ganz heiße Wette.
Kursentwicklung 2012: -6,2 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 7,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,3
Facebook
Eben noch hochgejubelt, jetzt die große Enttäuschung. Nach dem Börsengang ist der Kurs des sozialen Netzwerks ordentlich abgeschmirgelt. Gemessen an traditionellen Bewertungskennziffern ist die Aktie trotzdem noch zu teuer. Aber wer weiß, wenn es Facebook hinbekommt, die Erlöse pro Nutzer deutlich zu steigern, könnte noch etwas aus der Aktie werden. Dafür braucht es aber schon viel Fantasie.
Kursentwicklung 2012: -39,4 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 39,6
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 3,7
Gigaset
Nach einem Gewinnknick muss der Hersteller von Schnurlostelefonen sparen. Stellen werden gestrichen. Die Aktie hat allerdings schon stark verloren.
Kursentwicklung 2012: -45 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 1,1
Hewlett Packard
Der deutsche Manager Leo Apotheker hatte kein gutes Händchen. Er wollte HP in eine Softwarefirma umwandeln und das PC-Geschäft abstoßen. Ein teurer Fehler. Jetzt wird beim US-Computerriesen aufgeräumt. Die neue Chefin, Meg Whitman, baut den Konzern um. Man sei im Frühstadium eines Turnarounds, sagt sie. Im vergangenen Quartal lief ein Verlust von fast neun Milliarden Dollar auf.
Kursentwicklung 2012: -34,4 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 4,3
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 1
Nokia
Einst Weltmarktführer für Handys. Wurde zum Krisenfall, weil die Firma den Trend zu Smartphones verpasste. Aktuell in den roten Zahlen. Neue Modelle und eine Kooperation mit Microsoft sollen das Geschäft beleben. Außerdem haben die Finnen hohe Cash-Reserven und Patente zu bieten. Seit einigen Wochen geht es mit dem Kurs wieder nach oben.
Kursentwicklung 2012: -36,2 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 1,2
Nordex
Führender Anbieter von Windenergieanlagen. Aussichten sind besser als bei Solarkonzernen, vor allem in den Schwellenländern. Nordex leidet aber auch unter sinkenden Marktanteilen und Umsätzen. Großaktionäre wie Susanne Klatten, die ein Viertel der Nordex-Anteile hält, bleiben dennoch an Bord.
Kursentwicklung 2012: -22 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,6
Repsol
Der spanische Ölkonzerne musste einen herben Rückschlag verkraften. Mitte April hat Argentinien die Tochter YPF verstaatlicht. Die Tochter trug ein Viertel zum Repsol-Gewinn bei. Sinkende Ölpreise belasten zusätzlich. Ratingagenturen drohen mit Herabstufung. Neue Ölfelder in Südamerika und Afrika sollen das Geschäft wieder ankurbeln.
Kursentwicklung 2012: -37,9 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 9,3
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,7
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Air Berlin
Der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn sollte die Fluglinie wieder flott machen. Bislang ohne Erfolg. Mehdorn will 2013 wieder Gewinne einfahren. Eine schwarze Null erwarten Analysten aber erst wieder 2014.
Kursentwicklung 2012: -25,8 Prozent
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis: 1
Ein Beispiel dafür ist Infineon. Der Chiphersteller war in der Finanzkrise fast pleite. Die Aktie stürzte bis auf 39 Cent ab, flog raus aus dem Dax. Analysten schrieben das Unternehmen ab. Doch das Management bekam gerade noch einmal die Kurve. Harte Sparmaßnahmen, der Verkauf von Firmenteilen und eine Kapitalerhöhung retteten das Überleben in letzter Minute. Für die Aktie ging es wieder steil nach oben, zeitweise über acht Euro - vom Tiefpunkt gerechnet entsprach das einem Plus von mehr als 2.000 Prozent.
Nicht wenige Anleger hoffen, dass Nokia eine ähnliche Geschichte schreiben kann. Der finnische Handyhersteller hatte den Einstieg ins Zeitalter der Smartphones verschlafen. Die Marktanteile des einstigen Weltmarktführers schmolzen dahin, noch dramatischer stürzte die Aktie ab. Vor fünf Jahren kostete sie noch fast 30 Euro, vor drei Jahren waren es knapp zehn Euro, in diesem Jahr fiel sie auf 1,33 Euro. Das Unternehmen war an der Börse nur noch wenige Milliarden wert, obwohl allein die Barreserven gut vier Milliarden Euro betrugen.
Inzwischen haben findige Anleger gemerkt, dass das Unternehmen möglicherweise doch gar nicht so schlecht dasteht. In den vergangenen Wochen ist die Aktie bereits auf 2,70 Euro geklettert. Nun hängt viel davon ab, ob Nokia mit seinen neuen Modellen und durch die Kooperation mit Microsoft wieder Fuß fassen kann.
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