Umkämpfter Gasmarkt: Warum Gaskunden jetzt wechseln sollten

Umkämpfter Gasmarkt: Warum Gaskunden jetzt wechseln sollten

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Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass die Gaspreise zum Beginn der Heizperiode wieder anziehen: Die Tarife alternativer Versorger sollten schon jetzt intensiv geprüft werden

von Andreas Toller

Ein Großteil der Gasversorger plant Preiserhöhungen für Endverbraucher. Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Grund. Verbraucher sollten die gewissenhafte Suche nach dem günstigsten Versorger aufnehmen.

In der vorigen Woche gab es in der Essener Konzernzentrale von E.On Ruhrgas etwas zu feiern. „E.On spart Milliarden durch billigeres Gas aus Russland“ lautete die Schlagzeile, der Aktienkurs von E.On und RWE kletterte sofort nach oben. Der Hintergrund: E.On war es gelungen, bei seinem russischen Gaslieferanten Gazprom Preissenkungen durchzusetzen, RWE verhandelt noch. Rückwirkend ab dem vierten Quartal 2010 sollen die niedrigeren Preise gelten. E.On erwartet dadurch einen positiven Effekt auf das Halbjahresergebnis von etwa einer Milliarde Euro.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen forderte E.On umgehend auf, die niedrigeren Einkaufspreise auch durch Preissenkungen an die Gaskunden weiterzureichen. „Nach den Vorschriften zur Gasgrundversorgung müssen Preisvorteile weitergegeben werden. Das haben auch verschiedene Entscheidungen des Bundesgerichtshofs zu Preisanpassungsklauseln in Verträgen mit Gassonderkunden deutlich gemacht“, sagt Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. „Leider finden Versorger immer wieder Argumente, um sich den Vorgaben zu entziehen.“ Gegen RWE läuft noch ein Verfahren der Verbraucherschützer vor dem Europäischen Gerichtshof. Zur hausinternen Preispolitik wollte E.On keinen Kommentar abgeben.

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Verbraucher werden enttäuscht

Verbraucher, die nach der Meldung auf niedrigere Gaspreise hoffen, könnten enttäuscht werden. Denn E.On schrieb im Gasgeschäft zuletzt hohe Verluste. Grund dafür waren die langfristigen Verträge mit Gazprom, in denen noch Preise deutlich über dem derzeitigen Marktdurchschnitt vereinbart waren. Die Großkunden von E.On Ruhrgas – vor allem Stadtwerke und regionale Versorger – waren jedoch den Meldungen zufolge nicht bereit, mehr als den zwischenzeitlich gesunkenen Marktpreis zu bezahlen. Gazprom koppelt den Gaspreis an den Ölpreis - und der ist seit April deutlich gefallen. Aber die Verträge laufen lange, die neuen bis 2036. Insofern ist nicht damit zu rechnen, dass Stadtwerke weitere Preisvorteile erhalten, sondern die Ersparnisse primär dafür sorgen, dass E.Ons Gasgeschäft wieder wettbewerbsfähig wird.

Strombörse Energiepreis-Poker zulasten der Verbraucher

Die Energiewende führt dazu, dass die Strompreise künftig stärker schwanken. Die Strombörse wird attraktiver für Spekulanten, Erzeuger müssen mehr ausgeben, um sich abzusichern. Bezahlen werden das die Stromkunden.

Kartenspiel mit Symbolen zur Energiewende Quelle: dpa/Montage

Im Gegenteil: Verbraucher müssen sich vielmehr darauf einstellen, dass die Gaspreise zum Beginn der Heizperiode wieder anziehen. Das Energie-Vergleichsportal Verivox hat bereits vor steigenden Gaspreisen gewarnt. „Bislang haben im laufenden Jahr 45 Gasversorger Preiserhöhungen umgesetzt oder angekündigt.“, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Unter anderem hat RWE bereits erhöht, ein paar Wochen später hat E.On die Preise für Kunden in Nordrhein-Westfalen um 6,5 Prozent angehoben.

Gasversorger: Preisspiegel für alle Bundesländer

  • Erklärung

    Im Folgenden ein Preisspiegel für die Gasversorgung in den einzelnen Bundesländern. Die Angaben beziehen sich auf Preise für Haushaltskunden bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Erdgas bei einer Heizleistung von 13 kW (Heizkesselleistung) Im Vergleich die günstigsten Angebote der örtlichen Grundversorger und der überregionalen Versorger. Angebote, die nur begrenzt verfügbar sind, wurden nicht berücksichtigt. Alle Angaben in Euro inklusive Mehrwertsteuer.

    Stand: 09.07.2012
    Quelle: www.verivox.de

  • Baden-Württemberg

    Grundversorgungstarif: 1482 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1319 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 961 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 966 Euro

    Mögliche Ersparnis: 521 Euro

  • Bayern

    Grundversorgungstarif: 1419 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1289 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 975 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 971 Euro

    Mögliche Ersparnis: 448 Euro

  • Berlin

    Grundversorgungstarif: 1495 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1413 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 916 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 916 Euro

    Mögliche Ersparnis: 579 Euro

  • Brandenburg

    Grundversorgungstarif: 1522 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1369 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 909 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 909 Euro

    Mögliche Ersparnis: 613 Euro

  • Bremen

    Grundversorgungstarif: 1409 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1265 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 926 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 926 Euro

    Mögliche Ersparnis: 483 Euro

  • Hamburg

    Grundversorgungstarif: 1404 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1225 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 899 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 899 Euro

    Mögliche Ersparnis: 505 Euro

  • Hessen

    Grundversorgungstarif: 1524 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1318 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 952 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 961 Euro

    Mögliche Ersparnis: 572 Euro

  • Mecklenburg-Vorpommern

    Grundversorgungstarif: 1525 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1377 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 1029 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 1030 Euro

    Mögliche Ersparnis: 572 Euro

  • Niedersachsen

    Grundversorgungstarif: 1410 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1298 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 911 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 911 Euro

    Mögliche Ersparnis: 499 Euro

  • Nordrhein-Westfalen

    Grundversorgungstarif: 1481 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1310 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 972 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 972 Euro

    Mögliche Ersparnis: 509 Euro

  • Rheinland-Pfalz

    Grundversorgungstarif: 1545 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1355 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 982 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 995 Euro

    Mögliche Ersparnis: 563 Euro

  • Saarland

    Grundversorgungstarif: 1663 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1505 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 1031 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 1033 Euro

    Mögliche Ersparnis: 632 Euro

  • Sachsen

    Grundversorgungstarif: 1597 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1318 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 999 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 1000 Euro

    Mögliche Ersparnis: 598 Euro

  • Sachsen-Anhalt

    Grundversorgungstarif: 1560 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1403 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 1012 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 1013 Euro

    Mögliche Ersparnis: 548 Euro

  • Schleswig-Holstein

    Grundversorgungstarif: 1423 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1285 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 967 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 972 Euro

    Mögliche Ersparnis: 456 Euro

  • Thüringen

    Grundversorgungstarif: 1611 Euro
    Günstigster Tarif des örtlichen Versorgers: 1313 Euro
    Günstigster verfügbarer Tarif: 978 Euro
    Günstigster klimaneutraler/Öko-Tarif: 980 Euro

    Mögliche Ersparnis: 633 Euro

Zwar sind 45 von deutschlandweit rund 850 Gasversorgern noch nicht viel, aber setzt sich der Trend fest, werden sich die Preiserhöhungen im gesamten Bundesgebiet fortsetzen. 25 Versorger haben ihre Preise bereits zum Juli erhöht, 20 Gesellschaften Aufschläge für August oder September angekündigt. Die durchschnittliche Preiserhöhung liegt bei 6,2 Prozent. Für einen betroffenen Durchschnittshaushalt, der im Jahr 20.000 Kilowattstunden (kWh) verbraucht – in Kubikmetern sind das etwas weniger als 2000 – kommt somit eine Mehrbelastung von 83 Euro zu.

„Die Tatsache, dass bereits viele Gasversorger Preiserhöhungen für das zweite Halbjahr umgesetzt oder angekündigt haben, spricht für eher steigende Gaspreise im Spätsommer und Herbst – rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode. Vor der kalten Jahreszeit steigen die Gaspreise schon traditionell im einstelligen Prozentbereich“, sagt Reese.

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