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Unterbewertete Aktien: Perlentaucher an der Börse

von Jörg Hackhausen Quelle: Handelsblatt Online

Die Aktienmärkte haben in diesem Jahr schon kräftig zugelegt. Trotzdem gibt es weltweit immer noch jede Menge unterbewertete Aktien. Wir verraten, wer Ihnen bei der Suche hilft und welche Papiere infrage kommen.

15. Platz

Die Commerzbank-Aktie liegt wie Blei in vielen Depots. Viel Freude hatten die Aktionäre in den vergangenen Monaten und Jahren nicht mit den Papieren. Auch die Kursgewinne der vergangenen Wochen ändern daran wenig. Trotzdem oder gerade deshalb gehört die Commerzbank zu den beliebtesten Basiswerten der Zertifikate-Anleger. Mit einem Volumen von 13,5 Millionen Euro wurden an der Stuttgarter Börse Commerzbank Faktor 4x Short DAXF Indizes ge- und verkauft. Das reicht für Platz 15 der beliebtesten Basiswerte, die im September an der Stuttgarter Börse gehandelt wurden.

Quelle: Börse Stuttgart

Bild: dpa

Die Meinung, die Börse sei wie ein Kasino, ist weit verbreitet. Selbst viele, die dort spekulieren, meinen das. Zumindest benehmen sie sich so. Sicher, nicht immer geht es rational zu. Aber das heißt noch nicht, dass alles nur Zockerei ist. Gerade in Zeiten, in denen der Markt in die eine oder andere Richtung übertreibt, lässt sich der Grundstein für künftige Gewinne legen. Der intelligente Investor wittert dann seine Chance – und geht auf die Jagd nach Schnäppchen.

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Obwohl die meisten Aktienmärkte in diesem Jahr schon kräftig zugelegt haben – der Dax um 21 Prozent –, gibt es weltweit immer noch jede Menge unterbewertete Aktien. Man muss sie nur finden.

Wie das geht, kann keiner besser erklären als dieser Mann: Benjamin Graham. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Fondsmanager ist zwar schon ein paar Jährchen tot, er hat von 1894 bis 1976 gelebt. Doch haben seine Lehren nichts an Bedeutung verloren. Graham ist der Erfinder des sogenannten „Value Investing“ (Value, zu Deutsch: Wert). Sein 1949 erschienenes Buch „The Intelligent Investor“ handelt davon, wie man Unternehmen ausfindig macht, die weniger kosten, als es dem wahren Wert entspricht. Es gilt bis heute als Standardwerk.

Gegen Kerviels fünf Milliarden nimmt sich der Verlust, den Kweku Adoboli der Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 eingebracht hat, fast mickrig aus: 2,3 Milliarden Dollar sollen seine Handelsgeschäfte die UBS gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn, der dieser Tage beginnt, plädiert Adoboli auf nicht schuldig.

Bild: REUTERS

Value Investing gehört zu den erfolgreichsten Anlagestrategien überhaupt. Trotzdem ist die Zahl ihrer Anhänger überschaubar. Die Strategie ist etwas für Leute, die keine Angst davor haben, gegen den Strom zu schwimmen. „Als Value Investor zu agieren, bedeutet üblicherweise, abseits der Menge zu stehen, konventionelle ‚Weisheiten‘ in Zweifel zu ziehen und sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen“, erklärt Christian Kahler von der DZ Bank. Die Genossenschaftsbank hat ein eigenes Team für Value Investing gegründet.

Value bringt es vor allem dann, wenn es an den Märkten turbulent zugeht; weniger gut funktioniert der Ansatz, wenn die Märkte auf breiter Front zulegen. Dann verliert man mit Value zwar nicht, aber man gewinnt mit anderen Methoden mehr.

10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Was heißt das für die aktuelle Lage? Angefeuert vom billigen Geld der Notenbanken sind die Kurse bereits kräftig gestiegen. Gut möglich, dass der Dax noch etwas mehr zulegen kann und die Marke von 8.000 Punkten erreicht. Aber mit jedem Punkt, den der Index höher klettert, wird die Luft dünner. Dass die Aktienmärkte vor einer jahrelangen Rally stehen, ist jedenfalls angesichts der Schuldenkrise eher unwahrscheinlich. Die hochverschuldeten Staaten werden auf Jahre hinaus nur ein niedrigeres Wirtschaftswachstum aufweisen. Damit dürften auch die Gewinne der Unternehmen geringer als in der Vergangenheit wachsen. Und damit schwindet auch die Aussicht auf üppige Kursgewinne.

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