US-Autokredite: Nächstes Ziel Finanzkrise

US-Autokredite: Nächstes Ziel Finanzkrise

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von Frank Doll, Melanie Bergermann, Matthias Hohensee und Martin Seiwert

Immer mehr Amerikaner können ihr Auto nicht abbezahlen. Ihre Kredite wurden verbrieft und weitergereicht, vergleichbar den Subprime-Krediten für Immobilien vor 2007. Wiederholt sich die Finanzkrise?

Santa Cruz, Kalifornien. Am Morgen hat Carlas himmelblauer Saab SE, Baujahr 1995, endgültig seinen Geist aufgegeben. Nichts rührt sich mehr. Schlechter hätte der Zeitpunkt nicht sein können. Am nächsten Tag hat die Malerin einen Termin in einer Galerie, die an ihren Landschaftsbildern interessiert ist. Sie braucht dringend einen neuen Wagen. Ihr Wunschauto ist ein Golf GTI. Im Internet hat sie ein gebrauchtes Modell für knapp 14 000 Dollar bei einem lokalen Händler gefunden. Der schickt prompt einen Fahrer vorbei. Eine Stunde später sitzt die Künstlerin nervös vor einer freundlichen Beraterin. Da sie noch am Anfang ihrer Karriere steht und einen Studienkredit abzahlt, ist ihr „Credit Score“, ein Index für Kreditwürdigkeit, schlecht. Ihr Traum vom neuen Auto platzt deshalb aber noch längst nicht. „Wir schauen mal“, sagt die Verkäuferin und tippt auf der Tastatur herum. Ein Kredit über fünf Jahre ist möglich, ohne Anzahlung, allerdings mit 19 Prozent effektivem Jahreszins. Die monatliche Rate: knapp 400 Dollar.

Verkaufte Pkw in den USA von 2005 bis 2016

  • 2005

    7.66 Millionen

    Quelle: Statista

  • 2006

    7,76 Millionen

  • 2007

    7,56 Millionen

  • 2008

    6,77 Millionen

  • 2009

    5,4 Millionen

  • 2010

    5,64 Millionen

  • 2011

    6,09 Millionen

  • 2012

    7,24 Millionen

  • 2013

    7,59 Millionen

  • 2014

    7,69 Millionen

  • 2015

    7,52 Millionen

  • 2016

    6,87 Millionen

Kunden wie Carla stehen bei Händlern, die Neu- oder Gebrauchtwagen im Paket mit einer Finanzierung verkaufen, hoch im Kurs. Doch eigentlich können sie sich die Kredite nicht leisten, und das stört zunehmend einige US-Bundesstaaten. „Die Praktiken sind fast identisch mit dem, was wir bei den Immobilienkrediten vor einigen Jahren gesehen haben“, sagt Maura Healey, Generalstaatsanwältin von Massachusetts. Weil sie „unfaire und unbezahlbare“ Kredite vergeben hatte, willigte Santander Consumer USA, eine auf Autofinanzierungen an bonitätsschwache Kunden spezialisierte Tochter der spanischen Großbank Santander, unlängst in einen Vergleich mit den Staaten Massachusetts und Delaware ein und zahlte 26 Millionen Dollar Strafe.

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Investoren setzen auf trügerische Sicherheit

Doch die US-Autokredite sind mehr als eine Gefahr für überforderte Kunden. Sie sind längst zum Systemrisiko geworden. Nach Statistiken der Federal Reserve Bank of St. Louis hatten Amerikaner im ersten Quartal 2017 Autokredite über 1120 Milliarden Dollar zu bedienen – 40 Prozent mehr als Ende 2007, vor der großen Finanzkrise.

Zwar bleiben die Autokredite damit eine Nummer kleiner als der rund neun Billionen Dollar schwere US-Hypothekenmarkt. Doch die geringere Aufmerksamkeit haben Autofinanzierer anscheinend schamlos ausgenutzt: Ein Drittel ihrer Schuldner stammt aus dem ausfallbedrohten Subprime-Fahrerlager. Und sie haben – wie bei den Immobilienkrediten vor der Finanzkrise – Forderungen gebündelt und über strukturierte Wertpapiere an Investoren verkauft. Die kauften sie freudig, als hätten sie vergessen, dass solche Asset Backed Securities (ABS) Auslöser der Finanzkrise waren. ABS versprechen eben viel mehr Rendite als Staatsanleihen oder solide Unternehmensanleihen. Das Emissionsvolumen verbriefter Autokredite ist seit Mitte 2011 kontinuierlich gestiegen. Im Dezember 2016 wurden Auto-ABS für rund zwölf Milliarden Dollar am Markt untergebracht – ähnlich viel wie kurz vor der Finanzkrise. Im Subprime-Segment gelten 32,5 Prozent als „deep subprime“, haben Analysten von Morgan Stanley ermittelt. Unter „deep subprime“ fallen Schuldner, die ihren Kredit ohne Lottogewinn kaum vertragsgemäß bedienen können. 2010 lag dieser Wert noch bei 5,1 Prozent. Der Markt für Autokredite sei überreizt, warnte Jamie Dimon, Chef der Investmentbank JP Morgan, schon im vergangenen Jahr. „Irgendjemand wird einen Schaden erleiden.“

In der Finanzkrise trafen Verluste aus Immobilien-ABS auch deutsche Anleger – über heimische Geldmarkt- und Rentenfonds. „Stupid german money“ floss nicht nur von Banken, sondern auch von Fonds in die vermeintlich sicheren Verbriefungen. Heute dürfen Geldmarktfonds nur mit sehr kleinem Geld in Subprime-Kredite investieren. Branchenprimus Deutsche Asset Management zum Beispiel teilt mit, dass er in Geldmarktfonds auf Autoverbriefungen verzichte und Rentenfonds diese allenfalls nach intensiver Prüfung mit maximal einem Prozent Fondsanteil aufnehmen würden.

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