US-Notenbank-Chefin: Yellen hält Zinswende im Dezember für möglich

US-Notenbank-Chefin: Yellen hält Zinswende im Dezember für möglich

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen kann sich eine Zinswende noch im Dezember 2015 vorstellen. Die Wirtschaft laufe gut. Höhere Zinsen seien daher gerechtfertigt, falls die Datenlage es hergebe, sagte Yellen am Mittwoch.

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen bereitet den Boden für eine Zinswende noch in diesem Jahr. Eine Anhebung im Dezember sei durchaus im Bereich des Möglichen, betonte sie am Mittwoch vor einem Kongressausschuss. Die Wirtschaft laufe gut. Höhere Zinsen seien daher gerechtfertigt, falls die Datenlage es hergebe. Laut Yellen ist zwar noch nichts entschieden. Dennoch werteten viele Anleger die Äußerungen der Fed-Chefin als ihren bislang deutlichsten Hinweis, dass die erste geldpolitische Straffung seit fast zehn Jahren vor der Tür steht. Die US-Notenbank kommt am 15./16. Dezember zu ihrer nächsten Sitzung zusammen.

Der Euro rutschte während der Anhörung auf ein Drei-Monats-Tief von 1,0845 Dollar. "Die Spekulationen auf eine Zinserhöhung im Dezember wurden tendenziell forciert", sagte ein Börsianer. Die Wall Street weitete ihre Verluste nach den Äußerungen Yellens aus. Im Oktober beließ die Fed den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld noch bei null bis 0,25 Prozent. Eine Entscheidung über eine Erhöhung steht zum Jahresende jedoch fest auf der Agenda, wie die Notenbank bereits damals mitteilte.

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Das sagen Experten zum Fed-Zinsentscheid

  • Marcel Fratzscher, Präsident des DIW-Instituts

    "Die Entscheidung der US-Notenbank ist enttäuschend und nicht konsequent. Die Fed hat sich vom großen Druck der Finanzmärkte beeindrucken lassen. Eine Nullzinspolitik ist nicht mehr angebracht, da die US-Volkswirtschaft nicht mehr in der Krise ist. Wachstum, Beschäftigung und Inflationserwartungen deuten alle auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in den USA hin.
    Auch bei einer ersten Zinserhöhung wäre die Geldpolitik der USA noch immer extrem expansiv gewesen. Jede geldpolitische Entscheidung enthält Risiken. Die Risiken einer zu frühen Zinserhöhung und negativer Effekte für Schwellenländer steht das größere Risiko für die Finanzstabilität gegenüber. Die US-Notenbank muss in den kommenden zwei Jahren die Zinsen nachhaltig anheben, um nicht den gleichen Fehler der 2000er-Jahre, in der eine Zinserhöhung zu lange herausgezögert wurde, zu wiederholen.
    Die größte Gefahr für die Finanzmärkte ist nicht eine Zinserhöhung der US-Notenbank, sondern eine anhaltende Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der USA. Die Entscheidung der US-Notenbank diese Woche hat die Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs nicht reduziert, sondern weiter erhöht."

  • Liana Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken

    "Die amerikanische Notenbank verzögert die Zinserhöhung und spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit. Obwohl die Fed eines ihrer erklärten Ziele, die Vollbeschäftigung, nahezu erreicht hat, traut sie es der US-Konjunktur noch nicht zu, eine erste Zinserhöhung zu verkraften. An den Märkten verlängert die Fed durch ihr Zögern die Unsicherheit über die lang erwartete Zinswende in den USA.

    Von einer Zinserhöhung für Europa ist auch die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit entfernt. Vor einem ersten Zinsschritt - frühestens im Jahr 2017 - muss zunächst das Anleihen-Kaufprogramm enden. Ob dies bereits, wie zunächst angedeutet, im Herbst 2016 der Fall ist, erscheint heute unwahrscheinlich. Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns somit noch länger begleiten."

  • Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef

    "Wir wünschen uns Zeiten, in der auch Zinserhöhungen möglich sind. Eine US-Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber gefährlich gewesen, weil wir vielen globalen Krisenherden ausgesetzt sind - von China bis Brasilien. Viele Schwellenländer befinden sich in einer Konjunkturkrise. Mit einer US-Zinserhöhung wäre der Kapitalabfluss aus diesen Schwellenländern noch größer als ohnehin schon.
    Die robuste Konjunktur und der verbesserte Arbeitsmarkt in den USA legen nahe, dass die Zinswende nicht außer Reichweite ist. Nach wie vor ist der Preisdruck über Lohnerhöhungen aber recht gering, so dass Eile nicht geboten ist. Irgendwann wird und muss die Zeit des billigen Geldes auch enden."

  • Bob Michele, JP Morgan Asset Management

    "Ich bin alles andere als überrascht. Es hätte mich schockiert, wenn die Fed ihre Zinsen angehoben hätte. Denn der Markt wäre darauf alles andere als vorbereitet gewesen."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Seit zwei Jahren prognostizieren Analysten weltweit den Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA - und immer wieder wird dieser verschoben. Klar rechnen auch wir irgendwann mit einem Zinsschritt. Aber wir glauben nicht, dass damit auch tatsächlich langfristig eine Schubkraft für die Kapitalmärkte verbunden wäre. Denn eine Erhöhung würde ohnehin nur im minimalen Bereich erfolgen - das würde dann sicher auch für die weiteren Folgeschritte in den kommenden Monaten gelten.
    Eine andere Taktik kann sich die USA auch gar nicht erlauben. Sie ist im Prinzip gefangen in ihrer eigenen Zinsstarre - denn eine tatsächliche Wende in der Politik des billigen Geldes könnte die Erholung am US-Immobilienmarkt ins Wanken bringen. Außerdem würde bei steigenden US-Zinsen und gleichzeitig einem Null-Zins-Kurs in der restlichen Welt der US-Dollar sehr stark an Wert gewinnen. Zwei Konsequenzen wären dann naheliegend: Zum einen brächen die US-Exporte weg; zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen. Wir sind der Überzeugung, dass die US-Notenbank nicht bereit ist, diese Risiken einzugehen."

  • Brian Rehling, Wells Fargo

    "In unseren Augen ist das die richtige Entscheidung. Die Inflationsdaten stützen derzeit noch keine Zinserhöhung. Auch die globalen Turbulenzen sprechen für diese Entscheidung.

    Ein bisschen enttäuscht bin ich über die Hinweise auf die Zukunft. Ich hatte mit etwas mehr Andeutungen auf den Zeitpunkt für einen Zinsschritt erhofft. Es gab aber nicht sehr viele Signale."

  • Andreas Bley, Chefvolkswirt Deutsche Volks- und Raiffeisenbanken

    "Leider hat die Fed die lange überfällige Leitzinserhöhung noch einmal herausgeschoben. Die Konjunktur hat sich in den USA weitgehend normalisiert. Dazu passt kein Leitzins nahe null. Die Fed sollte im Dezember den Mut haben, den Leitzins anzuheben, auch wenn die Teuerung dann noch auf einem niedrigen Niveau verharrt. Der Preisanstieg dürfte wieder zunehmen, wenn die Energiepreise allmählich wieder anziehen. Auch im Euro-Raum dürfte sich die Inflation im kommenden Jahr wieder normalisieren und die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. Für Sorgen vor einer Deflation besteht daher trotz des niedrigen Preisanstiegs kein Anlass."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

    "In der Fed ist man sich unsicher, wie stark die Inflation tatsächlich steigen wird. Diese Unsicherheit wird sich in den kommenden Monaten nicht unbedingt legen. Der Wille zur Zinserhöhung ist zwar nach wie vor da, aber er kann in den nächsten Monaten durchaus schwinden. Auch wenn der Leitzins in den nächsten Monaten steigt - der Zinserhöhungspfad wird wahrscheinlich flach ausfallen, denn einen zu starken Dollar kann die Fed nicht wollen."

Sie hatte mit ihrer Nullzinspolitik in den vergangenen Jahren mit dafür gesorgt, dass die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord eilen konnten. Mit einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik müssen sich die Märkte darauf einstellen, dass die Wirtschaft auch ohne größere Hilfestellung der Fed auskommen muss. Zuletzt hat sich die US-Konjunktur abgekühlt. Sie legte im Sommer aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 1,5 Prozent zu, nachdem es im Frühjahr noch 3,9 Prozent waren. Doch Experten sehen darin kein Schwächezeichen: Denn der Konsum, der rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, zog weiter an.

Yellen ist seit Monaten darum bemüht, den Märkten überzogene Ängste vor einer Zinserhöhung zu nehmen. Im September entschied sich die Fed wohl auch aus Rücksicht auf Investoren, den Schritt noch nicht zu wagen. Denn das Börsenbeben in China im Sommer hatte auch an den großen Finanzplätzen der Welt von New York bis London Erschütterungen ausgelöst.

Nach dem Nachlassen dieser Turbulenzen rückt nun die anhaltende Erholung am US-Arbeitsmarkt wieder stärker in den Fokus. Die amerikanischen Firmen stellten im Oktober 182.000 neue Mitarbeiter ein, wie der private Arbeitsvermittler ADP in seiner monatlichen Umfrage herausfand.

Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 180.000 gerechnet. Die Daten gelten als gutes Omen für die am Freitag anstehenden amtlichen Arbeitsmarktdaten für Privatwirtschaft und Staat. Ökonomen rechnen auch hier mit einem Stellen-Plus von 180.000.

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US-Notenbankdirektorin Lael Brainard zeigte sich auf einer Konferenz in Frankfurt beeindruckt vom Stellenaufbau in der US-Wirtschaft: "Die Erholung am Arbeitsmarkt ist extrem stabil." Leider stiegen die Löhne jedoch nicht entsprechend, sagte Brainard. Die Gehälter gelten als Gradmesser dafür, dass der Aufschwung tatsächlich bei den Bürgern ankommt. Mit steigenden Löhnen dürfte auch die Inflation stärker anziehen, die nach dem Geschmack der Fed derzeit noch zu niedrig ist. Neben der Förderung von Vollbeschäftigung soll die US-Notenbank auch für stabile Preise sorgen. Laut Yellen wird der Aufschwung voraussichtlich mittelfristig dafür sorgen, dass die Fed ihr Inflationsziel von zwei Prozent wieder erreichen kann.

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