Vermögensschutz: Setzen Sie auf Gold!

22. Dezember 2012, aktualisiert 22. Dezember 2012, 12:54 Uhr
Zu Weihnachten berichten die Goldhändler von guten Geschäften. Quelle: dpaBild vergrößern
Zu Weihnachten berichten die Goldhändler von guten Geschäften. Quelle: dpa
von Frank Doll Quelle: Handelsblatt Online

Nichts glänzt auf dem Gabentisch so schön wie echtes Gold. Trotz stark steigender Preise können Goldgeschenke auch jetzt noch ein lohnendes Anlagegeschäft sein. Warum Anleger bei Gold noch zugreifen sollten.

Weiß wird Weihnachten in diesem Jahr eher nicht – die Meteorologen machen den Deutschen wenig Hoffnung auf Schnee zum Fest. Eher schon golden. Die Goldhändler berichten von guten Geschäften und machen kräftig Werbung für Krügerrand und Barren. „Goldene Geschenke: So wird Weihnachten für Sammler und Anleger zum Fest“, lockt das Handelshaus Pro Aurum. Westgold verspricht, Bestellungen mit Zahlungseingang bis zum 18. Dezember noch vor Weihnachten zuzustellen. Ein Goldhändler verweist gar darauf, dass die drei Weisen aus dem Morgenland auch Gold verschenkt haben, und ein Wettbewerber bietet Ein-Gramm-Barren an, in einer „attraktiven Geschenkbox, Motiv Weihnachtsbaum, mit Zertifikat“.

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Ein-Gramm-Barren zu verschenken, dies vorneweg, macht wenig Sinn – die Nebenkosten beim Kauf sind viel zu hoch. Davon abgesehen: Wäre eine solide Anlagemünze wie der Krügerrand oder ein 100-Gramm-Barren ein Geschenk von bleibendem Wert? Oder droht demnächst ein Crash, nachdem sich der Goldpreis seit Anfang 2000 fast versiebenfacht hat? Für den bekannten Investor Marc Faber, der schon seit der Jahrtausendwende zu Gold rät, ist die Antwort klar. In seinem Haus in Thailand habe er auf der Toilette ein Bild von US-Notenbankchef Ben Bernanke hängen. „Jedes Mal, wenn ich an einen Goldverkauf denke, schaue ich es mir an und weiß es besser.“ Soll heißen: Faber glaubt nicht, dass die Notenbanken den einmal eingeschlagenen Weg des Gelddruckens jemals wieder verlassen werden.

Sei dieser Weg einmal beschritten, dann müsse die Dosis der Geldinfusionen immer weiter erhöht werden, sagt Faber. So wie zuletzt am Mittwoch, als Bernanke ankündigte, die US-Notenbank Fed werde ab Januar mit frisch gedrucktem Geld jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Hypothekenpapiere kaufen, um Konjunktur und Arbeitsmarkt zu stützen.


Marc Faber setzt weiter auf Gold

Und so setzt Faber weiter auf Gold: „Intelligente Menschen sehen schon, dass, wenn man die Geldmenge erhöht, eine Papierwährung gegenüber einer Währung, die nicht erhöht werden kann, verliert.“ Nach dieser Lesart sind die Deutschen intelligent: Laut einer Studie der Berliner Steinbeis-Hochschule besitzt jeder erwachsene Bundesbürger im Schnitt 3,76 Unzen (117 Gramm) des Edelmetalls, mit einem Marktwert von fast 5000 Euro. In der Summe sind das 257 Millionen Unzen im Wert von von 334 Milliarden Euro. Dazu kommen noch mit Gold besicherte Wertpapiere über knapp 50 Milliarden Euro. Gold hat damit einen Anteil von fast acht Prozent am liquiden Vermögen der Deutschen – ein internationaler Spitzenwert.

Die Deutschen wissen: Gold lässt sich nicht per Federstrich vermehren. Pro Jahr wächst die gesamte jemals geförderte Goldmenge nur um etwa eineinhalb Prozent. Der Produktion von Papiergeld dagegen sind keine Grenzen gesetzt. Der Wert von Gold wird in Papierwährungen angegeben. Die Schlussfolgerung daraus ist einfach: Sollte die Papiergeldmenge weiter erhöht werden, müsste auch der in Papierwährungen ausgedrückte Preis des Goldes weiter steigen. Andererseits: Der Goldpreis ist eben schon mächtig gestiegen, seit dem Jahr 2000 im Schnitt um jährlich 15 Prozent. Und an Gewinnmitnahmen, so eine alte Börsenregel, ist noch niemand gestorben.

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs haben an diese Regel gerade erinnert. Sie halten es für wahrscheinlich, dass die seit zwölf Jahren andauernde Goldhausse 2013 in ihre Endphase eintreten wird. Zu einer Verkaufsempfehlung für Gold konnten die Goldman-Analysten sich vergangene Woche zwar nicht durchringen, aber große Steigerungen erwarten sie nicht mehr: In drei Monaten sehen sie Gold bei 1825, in sechs Monaten bei 1805 und 2014 bei 1750 Dollar pro Unze – immerhin, alles noch oberhalb des aktuellen Preises von 1700 Dollar.


Keine Erhöhung der Zinsen

Der wichtigste Auslöser für eine allmähliche Abkehr der Anleger vom Gold seien steigende Realzinsen als Folge eines stärkeren Wirtschaftswachstums in den USA. Weil Anleger dann real, also nach Abzug der Inflation, wieder mit Kapitalanlagen verdienen, verliere die unverzinste Goldanlage an Attraktivität. Sollte es Ende 2013 zu keiner weiteren Ausweitung der US-Notenbankbilanz durch Anleihekäufe mehr kommen, dann könnte es 2014 gar stärker abwärts gehen mit dem Goldpreis, glaubt Goldman Sachs.

Offen lassen die Goldmänner, wie die Realzinsen eigentlich spürbar steigen sollen. Die Zentralbanken, wenn sie keinen Zusammenbruch von überschuldeten Staaten und Banken riskieren wollen, können es sich nicht erlauben, die Zinsen zu erhöhen. Im Gegenteil. Sie müssen die Marktzinsen mit unkonventionellen geldpolitischen Mitteln – wie eben dem Ankauf von Anleihen – weiter niedrig halten, damit sich Staaten weiter finanzieren können.

„Es gibt keinen anderen Ausweg mehr als Geld drucken, um Banken und Regierungen zu finanzieren, das System am Leben zu erhalten und einen systemischen Kollaps zu verhindern“, sagt der Schweizer Finanzexperte Felix Zulauf.

Hinzu kommt: Erreichen Bernanke & Co. ihr Ziel, und die Wirtschaft zieht tatsächlich an, steigt das Inflationsrisiko. Das wiederum sollte zusätzliche Goldnachfrage auslösen. Selbst dann, wenn die offiziell gemeldeten Inflationsraten moderat blieben, werden Zinssparer nach Abzug von Inflation und Steuern fast überall auf der Welt wohl weiter draufzahlen. Das sollte den Renditeverzicht für Goldanleger, die keine Zinsen bekommen, auch in Zukunft erträglich halten.

Aber auch bei steigenden Realzinsen müssten Anleger nicht zwingend ihr Gold verkaufen. Der Zinsanstieg könnte schließlich signalisieren, dass Bonität und Zahlungsfähigkeit von Schuldnern den Bach heruntergehen. Auf dem Papier bieten griechische Staatsanleihen die höchsten Realzinsen in Europa. Viel Spaß damit!

Selbst beim Sparbuch oder bei Bundesanleihen tragen Anleger ein Kreditrisiko – nur bei Gold nicht. Ein Barren kennt keinen Zahlungsausfall, er schrumpft auch nicht, so wie der Rückzahlungsbetrag einer griechischen Staatsanleihe.

Gerade dieser Eigenschaften wegen könnten konservative Anleger, die bisher viele Staatsanleihen gehalten haben, zunehmend in Gold investieren. „Das ganze Konzept der risikofreien Anlage ist ins Wanken geraten“, sagt Tobias Merath. Wenn die Bonität von Staaten infrage gestellt werde, sei Gold erste Wahl, so der Leiter des Rohstoffresearchs bei Credit Suisse in Zürich. Gut möglich also, dass Stiftungen, Versicherungen und Pensionskassen künftig mehr Gold nachfragen.


Nachholbedarf der Profi-Investoren

Gold ist kein Randthema mehr, es wird viel darüber gesprochen und geschrieben. Umso erstaunlicher ist es, dass laut einer Übersicht der Deutschen Bank nur ein Prozent des weltweit professionell verwalteten Finanzanlagevermögens in Gold steckt. In Anleihen stecken 49 Prozent, in Aktien 37 Prozent, in Geldmarktanlagen neun Prozent und in Private Equity und Hedgefonds vier Prozent.

Bei reichen Privatinvestoren sieht das schon anders aus: Je größer das Vermögen, umso höher ist der Goldanteil, berichtet ein Mitarbeiter aus dem Private Wealth Management einer US-Großbank über das Anlageverhalten der Superreichen. „Da kaufen Leute, die sind Milliardäre.“ Sollten mehr Anleger auf die Idee kommen, einen Teil ihres Vermögens in Gold umzuschichten, dürfte der Preis neue Höhen markieren. Weil der Goldmarkt relativ klein ist, reichen dazu wenige Milliarden Dollar zusätzlicher Nachfrage.

Auf jeden Fall aber bietet physisches Gold, auf das Anleger direkt zugreifen können, stets eine Liquiditätsreserve außerhalb des Finanzsystems. „Physisch bedeutet, dass ich immer zu meinem Safe gehen, meine Barren und Münzen rausnehmen und am Markt verkaufen kann, wenn ich das muss“, erklärt Zulauf.

Auf die Notfallreserve zurückgreifen könnten Anleger beispielsweise, wenn der Zugriff auf Konten, Depots und Bargeld versperrt sein sollte – etwa bei einem Crash der Computersysteme, einem Zusammenbruch der eigenen Bank oder beim Übergang zu einer neuen Währung. So gesehen liegt die Bedeutung von Gold weniger in seinem Preis als in seinem Besitz. Wer einen Teil seines Geldes in Gold anlegen will, sollte es deshalb physisch besitzen und möglichst dort aufbewahren, wo es am wenigsten wahrscheinlich ist, dass es ihm weggenommen wird.

Fast jede Bank gibt inzwischen Goldpreisprognosen ab. Aber wie viel Gold eigentlich kosten müsste und ob es gerade teuer oder billig ist, lässt sich kaum mit den Formeln der Finanzanalyse berechnen. Das hängt vielmehr ab vom persönlichen Blickwinkel. Für Durchschnittsamerikaner etwa, deren Einkommen mit dem Anstieg des Goldpreises nicht Schritt gehalten haben, ist Gold sicher teuer geworden.

Krisenmetall

In Indien dagegen stiegen die Löhne beinahe ebenso stark wie der Goldpreis, in China gar noch stärker. Dort ist Gold für viele Menschen heute erschwinglicher als früher. Zulauf: „Historisch wanderte Gold immer aus Regionen ab, in denen der Wohlstand abnimmt, dorthin, wo der Wohlstand wächst.“ Tatsächlich waren in den vergangenen Jahren Asiaten, vor allem Chinesen und Inder, die großen Käufer. Die Argumentation von Goldman Sachs, Wirtschaftswachstum sei eher negativ für die Goldnachfrage, überzeugt an dieser Stelle nicht. Das Gegenteil gilt: Für die neuen Käufer in den asiatischen Schwellenländern ist Gold eher Wohlstands- als Krisenmetall.

In guten Zeiten wird gekauft, um es in schlechten Zeiten, etwa in einer persönlichen Notlage, versilbern zu können. Zu beobachten ist dies gerade in Südeuropa, wo Menschen aus finanzieller Not Omas olle Klunker einschmelzen lassen.

Umgekehrt gilt: Wenn in den wichtigsten Nachfrageländern China und Indien, auf die zusammen die Hälfte der globalen Goldnachfrage entfällt, die Wirtschaft abflaut, dann spürt das auch der Goldmarkt. So wie im Verlauf dieses Jahres: In den ersten neun Monaten 2012 wurden nach Angaben des World Gold Council (WGC), der Lobbyorganisation führender Goldproduzenten, weltweit 102 Millionen Unzen nachgefragt – sieben Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Gesamtjahr wird die Goldnachfrage erstmals seit 2009 unter der des Vorjahrs liegen.

In Indien brach die Goldnachfrage gar um fast ein Viertel ein. Zwar lag der Goldpreis in Dollar deutlich unter seinem im September 2011 erreichten Rekord bei 1923 Dollar pro Unze. Normalerweise greifen die indischen Schmuckhändler zu, wenn der Preis gefallen ist – sie wollen sich eindecken, bevor er wieder steigt.


Für Inder bleibt Gold teuer

Nur: In indischer Rupie gerechnet, ist der Goldpreis 2012 nicht gefallen, sondern auf neue Rekordstände geklettert. Die Schmuckhändler warteten deshalb ab, zumal die Landbevölkerung, auf die gut zwei Drittel der Goldnachfrage in Indien entfällt, auch unter einer schwachen Monsunsaison mit geringeren Ernteerträgen zu leiden hatte. Gedämpft wurde die indische Nachfrage zusätzlich durch eine massive Erhöhung der Steuern auf Goldimporte. Die Steuererhöhung wurde, nach heftigen Protesten der indischen Schmuckhändler, von der Regierung wieder kassiert.

Auch in China, das gerade Indien als weltgrößtes Nachfrageland ablöst, ging die Goldnachfrage wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums zeitweise zurück. Inzwischen belebt sich in beiden Ländern die Goldnachfrage wieder. In Indien wurde im dritten Quartal wieder mehr Gold abgesetzt als im Vorjahr. In China scheinen die Stimulierungsmaßnahmen der Regierung zu greifen. Die Wirtschaft stabilisiert sich, die Löhne steigen weiter. Zudem steht im Januar das chinesische Neujahrsfest bevor, zu dem traditionell Gold verschenkt wird.

Die Rezession in Europa hinterließ ebenfalls ihre Spuren. So fiel die Nachfrage nach Barren und Münzen zu Investitionszwecken (Investmentnachfrage) weltweit in den ersten neun Monaten um ein Fünftel. Die Hälfte des Rückgangs ging auf das Konto Europas. Diese Schwäche konnte von den mit physischem Gold gedeckten Goldfonds nicht ausgeglichen werden.

Unter dem Strich fiel die Investmentnachfrage deshalb weltweit nach neun Monaten um neun Prozent. Allerdings bleiben in dieser Statistik die zunehmend außerbörslich abgewickelten Goldkäufe unberücksichtigt. Rechnet man diese Geschäfte mit ein, dann ist die Investmentnachfrage tatsächlich weiter gestiegen, sagt Eugen Weinberg: „Die steigende Nachfrage nach außerbörslichen Goldgeschäften kann ein Indiz dafür sein, dass mehr und mehr Investoren ihre Goldkäufe anonym abwickeln wollen“, schätzt der Leiter des Rohstoffresearchs der Commerzbank.


Beliebte Goldfonds

Doch auch bei der dokumentierten Investmentnachfrage lässt sich wieder eine anziehende Dynamik beobachten. Deutlich abzulesen ist das an den zunehmenden Beständen der Goldfonds. Diese erhöhten sich allein seit August um rund zehn Prozent auf inzwischen 84,5 Millionen Unzen.

Ob Deflation oder Inflation, in einer überschuldeten Welt enden beide Wege in der Pleite. Der Leidensweg wird nur verlängert, wenn Notenbanken als große Käufer und Staatsfinanzierer einspringen und ihre Bilanzen ausweiten, wie es in Amerika, Europa und Japan passiert. Wann dieses Spiel endet, weiß niemand, auch schlaue Köpfe wie Zulauf nicht: „Ich weiß nur, dass es eines Tages Währungsreformen geben wird. Um auf die vorbereitet zu sein, sollte jeder etwas Gold besitzen.“ Diesen Rat beherzigen auch immer mehr Notenbanken. Möglicherweise findet die Welt ja irgendwann zu einer Währungsordnung zurück, in der Gold wieder eine zentrale Rolle einnimmt.

Gerade Schwellenländer scheinen sich darauf vorzubereiten: Nachdem die Notenbanken aus China, Indien, Mexiko und Russland in den vergangenen Jahren damit begonnen haben, ihre Währungsreserven verstärkt auch in Gold anzulegen, sahen sich die Notenbanken von Brasilien und Südkorea offenbar unter Zugzwang: Die brasilianische Zentralbank kaufte im Oktober über eine halbe Million Unzen des Währungsmetalls, die Bank von Korea zog im November nach und stockte ihre Reserven um 20 Prozent auf 2,71 Millionen Unzen auf.

Die Goldkäufe der Schwellenländer sind ein Misstrauensvotum gegen die großen Reservewährungen. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff wähnt ihr Land in einem „Währungskrieg“ mit dem Westen, weil dieser die Welt mit einem „Tsunami“ billigen Geldes überschwemme. Und China löst sich in bilateralen Handelsabkommen, wie zuletzt mit Südkorea, allmählich vom Dollar. Länder, die ihre Goldreserven erhöhen, sind zudem oft jene, die keinen freien Wechselkurs zulassen. Sie verkaufen permanent ihre Heimatwährung gegen Dollar, Euro, Pfund oder Yen, halten diese Reserven aber in den jeweiligen Staatsanleihen und bauen sich so ein Kreditrisiko auf. Um das zu reduzieren, kaufen sie Gold.


Goldnachfrage steigt

Aktuell halten Notenbanken ein Achtel ihrer Währungsreserven in Gold. Russland und Indien haben ihre Quoten in diese Richtung erhöht. Wollten China, Brasilien und Südkorea auch dorthin, müssten sie gut 300 Millionen Unzen kaufen – das entspricht 3,5 Jahresproduktionen der Goldminen. Während sich China aus der heimischen Produktion bedienen könnte – und dies vermutlich auch schon macht, ohne Details zu veröffentlichen –, müssten die meisten anderen Länder am freien Markt kaufen.

Hinzu kommt: Die internationale Bankenlobby und die von den Notenbanken getragene Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fordern, neben Bareinlagen und Staatsanleihen künftig auch Gold in den Katalog erstklassigen Kernkapitals der Banken aufzunehmen. Wenn dies passiert, könnte dies auch zu einer höheren Goldnachfrage der Banken führen.

In einer Goldhausse legt der Wert von Goldminen laut einer alten Faustregel stärker zu als der von physischem Gold. Minen sollten vom steigenden Goldpreis doppelt profitieren: Sie erlösen mehr aus Goldverkäufen, und ihre Goldreserven sind mehr wert. Doch nur in der ersten Phase der aktuellen Hausse konnten Minenaktien stärker zulegen als der Unzenpreis. Von 2003 an war es für Anleger dagegen lukrativer, die überirdische Goldvariante zu wählen.

Dafür gesorgt haben zum Teil die mit physischem Gold besicherten Fonds, die 2003 erstmals auftauchten. Das von den Fonds gehaltene Gold hat einen Marktwert von fast 144 Milliarden Dollar. Das entspricht gut 60 Prozent der Marktkapitalisierung der 30 im Aktienindex Philadelphia Gold & Silver enthaltenen großen Minenaktien. Die Goldfonds zogen Anlegergelder an, die sonst eher in den Minensektor geflossen wären.

Gemessen an historischen Bewertungsrelationen, seien Goldminen an der Börse heute bewertet, als stünde der Goldpreis bei 900 und nicht bei über 1700 Dollar pro Unze, predigen Goldaktien-Bullen. Nur: Sind die Minenaktien tatsächlich so billig und die Anleger so ignorant, weil sie das seit Jahren nicht erkennen?


Goldminen leiden unter Kosteninflation

Keineswegs, sagt Joachim Berlenbach. Der promovierte Geologe, Minenanalyst und Fondsmanager analysiert mit seinem Team bei der Schweizer Earth Resource Investment Group regelmäßig die Bilanzen von 13 führenden Goldproduzenten. Die Ergebnisse zerlegen den Mythos von den billigen Goldaktien: Laut Berlenbach leiden die Minen unter einer dramatischen Kosteninflation. Zwischen 2000 und 2012 sind die Gesamtkosten pro geförderter Unze Gold um durchschnittlich 15,5 Prozent pro Jahr gestiegen, noch schneller als der Goldpreis selbst, auf zuletzt fast 1500 Dollar pro Unze. Für viele Produzenten liegt die Gewinnschwelle bereits weit über dieser Marke. Die Kosteninflation hebelt so den positiven Effekt eines steigenden Goldpreises aus. „Für die gleiche Menge Gold muss immer mehr Gestein immer aufwendiger aus dem Boden geholt werden“, erklärt Berlenbach. Im Schnitt steckt heute nur noch etwa ein Gramm Gold in einer Tonne abgebauten Gesteins. Vor 60 Jahren waren es noch mehr als sechs Gramm. Zudem werden neue Goldfunde immer seltener. 2002 wurde letztmals mehr neues Gold entdeckt, als abgebaut wurde.

Selbst bei einer in Zukunft abgeschwächten Kosteninflation von zehn Prozent pro Jahr, stiegen die Kosten pro Unze bis 2016 auf mehr als 2100 Dollar. Sollte diese Inflation gar in dem bisherigen Tempo weitergehen, müsste der Goldpreis bis 2016 auf 2700 Dollar pro Unze steigen, damit Minen rentabel arbeiten können. Bei einem Goldpreis unterhalb der Renditeschwelle wirkt der Marktmechanismus: Viele Minen müssten ihre Produktion einstellen. Dann aber würde Gold knapper, und sein Preis müsste wieder steigen. So gesehen bildet die Renditeschwelle eine Untergrenze für den Goldpreis.

Die Chancen, dass der zum Fest verschenkte Krügerrand ein Geschenk von bleibendem Wert bleibt, stehen also gut.

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