Viermonatiger Selbstversuch: Mein Leben als Rohstoffzocker

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Viermonatiger Selbstversuch: Mein Leben als Rohstoffzocker

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Nervenkitzel pur: Auch mit kleinem Einsatz können Anleger bereits Wetten am Rohstoffmarkt platzieren. Spekulationen auf den Kaffee- oder Kakaopreis haben jedoch so ihre Tücken

von Martin Gerth

Wer an Kaffee, Kupfer oder Aluminium verdienen will, braucht starke Nerven und ein gehöriges Quantum Glück. Ein viermonatiger Selbstversuch auf den Spuren von Rohstoffspekulanten wie "Schokofinger".

Jamaica Blue Mountain oder Costa Rica Tarrazu? Die Tafel der kleinen Kaffeerösterei in Düsseldorf überfordert mich. Dutzende Sorten mit exotischen Namen stehen zur Auswahl – fair gehandelt, versteht sich. Ein Rentner drängelt bereits von hinten. Ich entscheide mich für konventionelle Espresso-Bohnen, 22 Euro das Kilo. Der hohe Preis schreckt mich nicht. Je teurer Kaffee, desto besser, weil ich mitverdiene. Können Sie auch, als Rohstoffspekulant.

Bei mir fing das vor etwa vier Monaten an. Nur über Hedgefonds und Spekulanten zu schreiben war mir zu wenig. Ich wollte selbst den Nervenkitzel spüren, wenigstens für kurze Zeit mal so sein wie der britische Finanzjongleur Anthony Ward. Der Hedgefondsmanager, Spitzname „Schokofinger“, hat vor einigen Jahren mit dreistelligen Millionenbeträgen auf steigende Kakaopreise an der Börse spekuliert.

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Anders als die Händler mit den bunten Jacken in Chicago kann ich nicht direkt an der Terminbörse spekulieren. Ich brauche Vehikel aus der Produktküche der Banken: Zertifikate, Indexfonds, Optionsscheine.

Spielregeln des Selbstversuchs

Ich kaufe Faktorzertifikate. Die sind leicht zu kapieren: Der Basiswert, etwa der Börsenpreis für Kupfer, wird mit einem Faktor gehebelt: Wenn bei Faktor vier der Kupferpreis um fünf Prozent steigt, legt das Zertifikat 20 Prozent zu. Gebühren, die Commerzbank kassiert 0,75 Prozent pro Jahr, schmälern den Gewinn. Auch der Spread kostet, ein Aufschlag auf den Kaufpreis, den ich beim Verkauf nicht zurückbekomme. Ein hoher Hebel in Form eines Faktors vier oder sechs bedeutet zwar mehr Risiko, steigert aber eben auch die Gewinnchance. Ich will ja schnell rein und schnell wieder raus, und das mit möglichst hohem Gewinn. Damit sich durch den Hebel mein Kapital nicht in Luft auflöst, gebe ich mir Spielregeln:

  • Verliert ein Papier über zehn Prozent, fliegt es aus dem Portfolio. Einmal habe ich mich nicht daran gehalten, wollte mit einer Kaffeewette schlauer als der Markt sein. Statt auszusteigen, habe ich nachgekauft – und bin mit bis zu minus 23 Prozent auf die Nase gefallen (siehe Grafik).
  • Um den Überblick zu behalten, will ich nicht mehr als fünf Wetten gleichzeitig abschließen. Daran habe ich mich gehalten.
  • Das Limit von insgesamt 2500 Euro wird nicht überschritten.

Kurzfristige Wetten lohnen sich nur, wenn ein Rohstoff entweder extrem teuer oder extrem billig ist. Im ersten Fall spekuliert man auf steigende (Long), im zweiten auf fallende Preise (Short).

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Rohstoffe im Sinkflug: Minen und Konzerne schreiben rote Zahlen, an den Terminbörsen fallen die Preise für Metalle und Agrargüter. Wie risikofreudige Anleger dennoch Wetten mit Potenzial finden.

Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Stellt sich die Frage: Wann ist ein Rohstoff teuer oder billig? Seit sich Kaffee zum Lifestyle-Produkt entwickelt hat, ist die Preisspanne enorm. Das Kilo bei Aldi kostet 6,99 Euro. Kaffeespezialisten verlangen für ein Kilo Kopi Luwak, dessen Bohnen zuvor durch den Magen einer Schleichkatze gegangen sind, 240 Euro. Der Preis im Einzelhandel hilft mir also wenig bei der Einschätzung. Ist auch logisch. Transportkosten, Verpacken, Marketing, Handelsspanne: Nichts davon steckt im Börsenpreis.

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