Vor Zinsentscheidung der US-Notenbank: Die Geldpolitik steht vor dem monetären Endspiel

GastbeitragVor Zinsentscheidung der US-Notenbank: Die Geldpolitik steht vor dem monetären Endspiel

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Die zunehmend fragile Weltwirtschaft, aber auch das lange Zögern von US-Notenbankchefin Yellen haben die Zinsanhebung faktisch obsolet gemacht.

Die Zinswende vor Jahresende - sie ist obsolet. Denn die US-Notenbank Fed hat das Zeitfenster für eine Anhebung der Leitzinsen de facto verstreichen lassen. Ohne Vertrauen in die Notenbanken droht ein ungemütliches 2016.

Das Szenario für den Jahresendspurt an den Märkten ist alles andere als rosig: Die globalen wirtschaftlichen Trends entwickeln sich abwärts, die Risiken in Schwellenländern nehmen weiter zu, und die US-Konjunktur trübt sich zunehmend ein. In einer solchen Situation schauen alle auf die großen Notenbanken – welchen Kurs die europäische, amerikanische und die japanische Zentralbank einschlagen, hat enorme Bedeutung für die Weltwirtschaft und die Kapitalmärkte. An diesem Mittwochabend gibt die US-Notenbank nach zweitägiger Sitzung ihre weitere Geldpolitik bekannt.

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Gerade erst hat die EZB klar gemacht, dass die bisherigen Maßnahmen - extreme Niedrigzinsen und massiver Ankauf von Wertpapieren- weiter ausgedehnt oder verlängert werden könnten.

Zum Autor

  • Heinz-Werner Rapp

    Dr. Heinz-Werner Rapp ist seit 1995 in unterschiedlichen Positionen bei FERI tätig und wurde 2006 in den Vorstand der FERI AG berufen. Er ist außerdem Mitglied in verschiedenen Aufsichts- und Verwaltungsräten. Als Chief Investment Officer verantwortet er die gesamten Anlageaktivitäten der FERI Gruppe. Schwerpunkte liegen dabei in der Entwicklung langfristiger Anlagestrategien und innovativer Anlagekonzepte sowie von „Asset Protection“-Strukturen.

Fed hat zu lange gezögert

Das Ziel der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, durch eine noch so marginale Zinsanhebung den Ausstieg aus einer extremen Geldpolitik einzuleiten, war im Grunde richtig und lobenswert. Die zunehmend fragile Weltwirtschaft, aber auch das lange Zögern von Fed-Chefin Yellen haben diesen Schritt nun jedoch faktisch obsolet gemacht.

Was jetzt noch als Maßnahme bleibt, sind weitere expansive QE-Programme. Oder – noch radikaler - die Schaffung von "Helicopter Money", also das Drucken von Geld auch für private Haushalte. Diese Vorstellung gleicht einem monetären Endspiel, das ambivalente Folgen hätte: Wenn die globalen Finanzmärkte noch stärker als bisher von der "Politik der monetären Verwässerung" getrieben werden, könnten sie zwar zunächst reflexhaft steigen. Verlieren sie aber an einem gewissen Punkt den Glauben an die Wirkungsmacht der Notenbanken, drohen Vertrauenskrisen und ein möglicher Absturz.

Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter FERI Quelle: Presse

Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter FERI

Bild: Presse

Geplatzte Hoffnung erfordert weitere Lockerung

Fakt ist: In den USA ist die Hoffnung, dass die Notenbanken durch Reflationierung einen Aufschwung erzwingen können, bereits geplatzt. Der Grund für eine Beibehaltung der Null-Zins-Politik liegt hier nämlich nicht in erster Linie in der anhaltenden Wirtschaftsschwäche Chinas und auch nicht in der begründeten Angst vor neuen Turbulenzen in den Schwellenländern. Vielmehr sind es die derzeitige Verfassung der US-Wirtschaft selbst und die absehbaren konjunkturellen Perspektiven, die eher eine weitere Lockerung der Geldpolitik als eine erste Straffung nahelegen.

PremiumMarc Faber "Die Fed macht mich depressiv"

Marc Faber ist gegen eine Zinserhöhung der US-Notenbank und hält ihre Politik für "Wahnsinn". Der Börsenguru rät zur Langfristanlage in Schwellenländer-Aktien, Immobilien und Gold.

Marc Faber in seiner Lieblingskneipe „Linda’s“ in Chiang Mai (Thailand). Quelle: Taylor Weidmann für WirtschaftsWoche

In den vergangenen Wochen sind nahezu sämtliche Konjunkturindikatoren aus den USA negativ ausgefallen: Die Industrieproduktion ging zwei Monate in Folge zurück, die Kapazitätsauslastung ebenfalls, obwohl letztere ohnehin deutlich unterhalb der langjährigen Durchschnitts liegt. Die Auftragseingänge lassen für die kommenden Monate keine Besserung erwarten. Die Exporte sind wegen des starken Dollars seit längerem rückläufig. Zuletzt überraschten auch die Einzelhandelsumsätze negativ. Lediglich die Autoverkäufe steigen weiter an, aber die Daten zeigen auch, dass sich der Umfang der Kreditfinanzierungen in den vergangenen Jahren um mehr als 50 Prozent erhöht hat und ein erheblicher Teil dieser Kredite Subprime-Qualität hat. Es überrascht kaum, dass auch der Beschäftigungsaufbau in den Monaten August und September deutlich schwächer ausfiel als zuvor.

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