Vorläufige Insolvenz: Prokon-Anleger brauchen jetzt starke Nerven

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Vorläufige Insolvenz: Prokon-Anleger brauchen jetzt starke Nerven

von Saskia Littmann

Während Anleger vorerst kaum etwas tun können, will Prokon-Chef Rodbertus einzelne Windparks verkaufen. Auch Interessenten gibt es bereits.

Der Ökotraum vom sinnvollen Investment in regenerative Energien bei gleichzeitig hohen Renditen ist im Fall Prokon erstmal vorbei. Am Mittwoch meldete der Itzehoer Windparkbetreiber beim dortigen Amtsgericht vorläufige Insolvenz an, über 75.000 Anleger zittern um ihr Geld. Die meisten von ihnen sind Kleinanleger, insgesamt haben sie rund 1,4 Milliarden Euro in Form von sogenannten Genussrechten in Prokon investiert.

Die Unsicherheit unter den Anlegern ist groß, sie stellen sich die Frage, wie es jetzt mit Prokon weitergeht und was sie tun können, um ihr Geld zu retten ist. Einfach ist das nicht zu beantworten, denn im Gegensatz zu bisherigen Pleiten am grauen Kapitalmarkt – Unternehmen wie die Frankfurter Immobiliengruppe S&K oder der Fondsanbieter Wölbern – hat Prokon sich fast ausschließlich über Genussrechte finanziert. „Mir ist keine Insolvenz in der Größenordnung bekannt, bei der sich das Unternehmen hauptsächlich über Genussrechte finanziert hat“, sagt Stephan Nikschick, Insolvenzrechtler der Frankfurter Kanzlei FPS. Prokon hat sich zu über 95 Prozent über diese Anlageform finanziert, lediglich fünf Prozent des gesamten Kapitals bestand aus Bankkrediten. Auch aufgrund dieser Besonderheit müsse der zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufene Dietmar Penzlin zunächst klären, ob es sich überhaupt um eine Insolvenz handle, so Nikschick.

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Insolvenz angemeldet Der Traum der Prokon-Anleger ist zerplatzt

Die Befürchtungen der Anleger sind wahr geworden, Prokon musste Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter will den Geschäftsbetrieb zunächst fortführen. Was als nächstes passiert und welche Rechte Anleger haben.

Das Logo des Itzehoer Unternehmens. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

So sieht das auch Prokon selbst. Das Unternehmen teilt auf seiner Webseite mit, dass der Insolvenzantrag keineswegs das Aus für Prokon bedeute. „Der Antrag muss zunächst auf seine Zulässigkeit geprüft werden, was einige Monate in Anspruch nehmen wird“, so das Unternehmen. Außerdem erklärt der Windparkbetreiber, er wolle parallel „unter Einbeziehung der Anregungen unserer Genussrechtsinhaber das Geschäftsmodell anpassen“. Auch Insolvenzverwalter Penzlin hatte bereits am Mittwoch erklärt, den Geschäftsbetrieb fortsetzen zu wollen und in einem Gutachten zu klären, ob ein Insolvenzgrund vorliegt. „Außerdem ist im Rahmen der vorläufigen Insolvenz zu prüfen, ob die Insolvenzmasse ausreicht, um die Verfahrenskosten zu decken“, sagt Marc Gericke, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Göddecke.

Die Frage, das Insolvenzverfahren eröffnet wird, ist auch für die Zukunft der Anlegergelder entscheidend. Gründe für eine Insolvenz wären einerseits die Zahlungsunfähigkeit Prokons oder eine Überschuldung. Prokon-Chef Carsten Rodbertus kündigte am Donnerstag an, er wolle ein Gutachten über die Zahlungsfähigkeit seines Unternehmens einholen. Auch Christoph Niering, der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbandes IVD, warnt vor verfrühter Panik unter den Anlegern. „Der vorläufige Insolvenzverwalter wird zunächst zu klären haben, um welche Art von Forderungen es sich bei den verschiedenen Arten von Genussscheinen handelt“, erklärt Niering. Fraglich und mitentscheidend für die Zulässigkeit der Insolvenz ist insbesondere, ob die Genussscheine dem Eigen- oder dem Fremdkapital des Unternehmens zuzurechnen sind.

Genussrechte sind eine hybride Finanzierungsform und liegen zwischen Aktien und Anleihen. Rechtlich gesehen können sie sowohl zum Eigen- als auch zum Fremdkapital gezählt werden.

„Diese Finanzierungsinstrumente sind sehr biegsam, da kommt es entscheidend auf die konkreten Genussrechtsbedingungen an“, sagt Nikschick. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat dafür konkrete Kriterien aufgestellt. Demnach dürfen Genussscheine nur als Eigenkapital bilanziert werden, wenn Anleger das Kapital für einen langfristigen Zeitraum von mindestens fünf Jahren an Prokon verliehen haben.

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