Währungen: Wie lange der Euro noch stark bleibt

Währungen: Wie lange der Euro noch stark bleibt

von Saskia Littmann

Überall wird vom Aufschwung der USA geredet, die US-Notenbank Fed reduziert ihre Wertpapierkäufe. Trotzdem zeigt sich Europas Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar überraschend stark. Ein dauerhaftes Phänomen?

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Wie stark ist Europas Wirtschaft wirklich?

Europa und die USA liegen im Wettstreit. Während zunächst die USA die Nase klar vorne hatten, ist es jetzt das alte Europa, das langsam aber sicher aufholt. Und dabei geht es nicht um ein Skirennen bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi, sondern um den Weg zurück zur ökonomischen Stärke. Seit Monaten gibt es einen Disput unter Ökonomen, welcher Kontinent sich als erster von den Spätfolgen der Krise erholt und hohe Wachstumsraten verkündet.

Zunächst sah alles nach einem Start-Ziel-Sieg der USA aus. Auch Lutz-Peter Wilke, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Blackrock, bezeichnete die USA Anfang des Jahres im Interview mit WirtschaftsWoche Online als ein mögliches „Rennpferd der Weltwirtschaft“. „Das Wachstum könnte deutlich stärker ausfallen als 2013“, sagte Wilke.

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Noch deutlicher wurde der als Euro-Zonen-Kritiker bekannte Ökonom Barry Eichengreen in einem Interview mit "Spiegel Online". Er sah „alle Zeichen auf grün“ für die USA. Dass der Boom unter anderem mit der ultra-expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed erkauft ist, war dem Wissenschaftler egal. Für Europa dagegen sah er schwarz. Es bestehe sogar die Gefahr, dass in diesem Jahr in Europa alles in die Luft fliege, so Eichengreen. Insbesondere warnte er vor einer Blase bei europäischen Staatsanleihen.

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Die Wachstumsraten in Ländern wie Mexiko oder China sind zuletzt deutlich geschrumpft. Anlageexperten wie Felix Zulauf, Bill Gross oder Marc Faber erklären, wie sie die Lage in den Schwellenländern einschätzen.

Quelle: Brad Trent

Doch offenbar haben Investoren dem Ökonomen nicht so genau zugehört. Die zeigen im Moment nämlich ein erhöhtes Interesse an Europa und dem Euro. Allein im letzten Monat hat die Gemeinschaftswährung um rund anderthalb Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt – ein Euro ist mittlerweile 1,37 Dollar wert. Und nicht nur der Euro lockt Investoren an, auch Staatsanleihen europäischer Länder gelten mittlerweile fast wieder als Kassenschlager.

Das zeigt unter anderem ein Kuriosum dieser Woche. Denn erstmals seit fast anderthalb Jahren fand der Bund nicht genug Interessenten für die zehnjährigen Staatsanleihen Deutschlands. Dabei war die Bundesrepublik bis vor kurzem noch weltweit beliebt und gefragt als sicherer Hafen. Eigentlich wollte die zuständige Finanzagentur mit der Versteigerung am Mittwoch fünf Milliarden Euro einnehmen, am Ende kamen aber nur gut 4,3 Milliarden Euro zusammen. Spannend ist vor allem der Grund für die ausbleibenden Käufer.

Während die Finanzagentur von der „Marktsituation im unmittelbaren Umfeld“ sprach, die sich ausgewirkt hätte, brachten es andere Beobachter klarer auf den Punkt. „Das Renditeniveau ist derzeit einfach zu niedrig, um Anleger für das Papier begeistern zu können“, sagte Matthias Melms von der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Laut Melms gehen Anleger statt dessen wieder mehr Risiko ein – und kaufen Anleihen von Peripheriestaaten wie Italien oder Spanien. „Die Euro-Krisenländer haben Fortschritte gemacht, was Investoren lockt“, konstatiert Melms.

Selbst die Anleihen gebeutelter Krisenländer sind also wieder gefragt. Portugal konnte sich zuletzt mit Hilfe kurzfristiger Anleihen günstig refinanzieren, die Renditen spanischer Bonds lagen am Donnerstag bei 3,6 Prozent und damit auf Vorkrisenniveau – auf dem Höhepunkt der Krise hatten sie dagegen bei über 7,5 Prozent gelegen.

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