Währungskrieg: Flucht aus den Weichwährungen

Währungskrieg: Flucht aus den Weichwährungen

von Andreas Toller

Der US-Dollar fällt, der Euro verzeichnet ein Zwischenhoch und Japan will den Yen schwächen. Die Währungsrisiken nehmen zu. Womit Anleger rechnen sollten und was sie tun können. 

Es ist ein stiller Krieg. Es fließt kein Blut, es bleiben keine Bombenkrater. Diesen Krieg spüren die Menschen – wenn überhaupt – nur ganz allmählich, er schreitet nur langsam voran. Gemeint ist der „Währungskrieg“, vor dem in den vergangenen Tagen vielfach bekannte Persönlichkeiten der Wirtschaftswelt eindringlich warnten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann ebenso wie der Anleihe-König Bill Gross und Starinvestor George Soros. Auch der Internationale Währungsfonds warnt vor einem Währungskrieg.

Japan hat die Finanzwelt aufgeschreckt. Wegen der sich abzeichnenden Geldschwemme hat der Yen im Vergleich zum Euro seit November mehr als 15 Prozent an Wert verloren. Nervös wurden die selbst ernannten oder politisch legitimierten Wächter der Preisstabilität, als die neue japanische Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe ankündigte, die Geldpolitik deutlich zu lockern und etwa durch massive Aufkäufe von Staatanleihen in Dollar und Euro viele Milliarden Yen in die Wirtschaft zu pumpen. Abe nannte sogar ein Inflationsziel von 2,0 Prozent - und übt damit Druck auf die Notenbank aus, die bislang ein Inflationsziel von nur einem Prozent verfolgt hat. Mehr noch, Abe droht sogar damit, das Notenbankgesetz zu ändern, sollte das Institut seiner Politik nicht folgen. Die beugt sich den politischen Interessen. „Jetzt gibt es eine gute Chance, die Deflation zu beenden“, sagte der Vizegouverneur der Bank of Japan Hirohide Yamaguchi. Derart offen hat sich noch keine Industrienation dazu bekannt, die Schwächung der Landeswährung zu verfolgen. Historisch gesehen ist der Yen gegenüber dem Dollar allerdings noch immer hoch bewertet.

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Die Befürchtung der Finanzexperten: Länder, die Vorteile aus einer Abwertung ihrer Währung ziehen, könnten dem Beispiel Japans folgen und damit einen fatalen Abwertungswettlauf lostreten. Denn unweigerlich würde das auch die Importe der Länder verteuern. Als es in den 30er-Jahren zu einem Abwertungswettlauf kam, brachen weltweit die Handelsbeziehungen zusammen und erholten sich erst nach 20 Jahren wieder. Als Kandidaten für einen neuen Abwertungswettlauf gelten die schuldengeplagten und unter Konjunkturschwäche leidenden USA, Großbritannien und die Euro-Zone. „Die alten Hartwährungen sind die neuen Weichwährungen“, sagt Michael Ott, Devisenexperte bei der Commerzbank. Dabei sei der US-Dollar die Schlüsselwährung. Der expansiven Geldpolitik der Amerikaner schließt sich nun auch Japan an.

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Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Der Begriff „Währungskrieg“ ist insofern irreführend, weil nicht einzelne Währungen gegeneinander kämpfen und schon gar nicht die stärkere am Ende gewinnt. Es geht vielmehr darum, dass die großen Wirtschaftsnationen ihre Konjunktur ankurbeln wollen, indem sie die eigene Währung schwächen oder Fremdwährungen stärken. Das würde der Exportwirtschaft helfen, weil die heimischen Erzeugnisse für ausländische Käufer günstiger werden. Gewinner ist letztlich die Nation, die aus der Schwächung der eigenen Währung die größten Wettbewerbsvorteile zieht.

Was für die internationalen Handelsbeziehungen dramatische Züge annehmen kann, könnte Anlegern, deren Geld den Währungsraum nicht verlässt, scheinbar egal sein. Aber sie haben ein anderes Problem: Schon jetzt verlieren sie aufgrund der niedrigen Zinsen bei festverzinslichen Anlagen nach Abzug der Inflation bares Geld. Und gerade der Inflationsrate droht in einem Abwertungswettlauf ein dramatischer Anstieg. Ohnehin sind sich die Experten einig, dass langfristig ein deutlicher Anstieg der Inflation droht.

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