Wald-Investments: "Zweifelhafte Kundengewinnung beherrscht den Markt"

InterviewWald-Investments: "Zweifelhafte Kundengewinnung beherrscht den Markt"

Bild vergrößern

Harry Assenmacher, Geschäftsführer von ForestFinance, einer Gesellschaft, die Investitionen in neu gepflanzte Wälder anbietet

von Andreas Toller

Harry Assenmacher, Gründer von ForestFinance, beschäftigt sich seit 1995 mit ökologischen Forstprojekten, die auch für Anleger taugen - und ärgert sich über viel Unseriösität in seiner Branche.

WirtschaftsWoche: Herr Assenmacher, im Internet findet sich haufenweise Werbung mit Renditeversprechen von zwölf oder 13 Prozent pro Jahr bei einem Investment in Holz. Geht das tatsächlich?

Harry Assenmacher: Die beworbenen Renditen werden vielfach mit oberflächlichen Argumenten beworben. Zudem wird der Eindruck erweckt, dass die hohen Renditen ganz einfach zu erzielen wären. Es ist aber nicht so einfach, einen Wald oder eine Plantage zu bewirtschaften. Das erfordert sehr viel Know-how und Erfahrung. Angefangen von der Auswahl der Fläche und den Bedingungen im jeweiligen Land, bis hin zur Art und Qualität der Setzlinge, vom eigentlichen Forstmanagement und der Pflege mal abgesehen. Dagegen ist ein Solarfonds, der den immer gleichen Herstellungsprozess wiederholt, richtig einfach – und das Ergebnis ist einfach zu berechnen. Bei einem Waldinvestment spielen sehr viele Faktoren eine Rolle.

Anzeige

In den Werbemaßnahmen klingt es weder kompliziert noch unlogisch. Was stimmt da nicht?

Hier werden zum Teil sehr vereinfachte Investmentgeschichten gemalt. Jeder Einzelfaktor in diesen Geschichten ist für sich genommen nicht falsch, aber in der Summe ergibt sich ein falsches Bild. Da werden Statistiken bemüht, nach denen soundso viel Teakbäume auf einem Hektar Wald wachsen können, die dann eine gewisse Kubikmeterzahl Teak ergeben, multipliziert mit einem Teakholzpreis von irgendeinem regionalen Markt ergibt sich dann eine bestimmte, hohe Rendite. Aber das ist Theorie und entspricht nicht der Realität in der Forst- und Waldwirtschaft.

Fallstricke beim Investment in Wald oder Ackerland

  • Beschränkungen

    Wer als Privatanleger in Wald oder Ackerland investieren will, muss dies in der Regel indirekt tun. Da bieten sich etwa Aktien von Unternehmen an, die Holz verarbeiten oder Weizen oder Mais anbauen. Denn der Kauf von Ländereien oder forstwirtschaftlichen Nutzflächen kommt meist nur für Großinvestoren infrage.

  • Anlagehorizont

    Private Anleger agieren meist weniger langfristig als große Vermögenseinrichtungen. Großinvestoren oder Gesellschaften kommt es nicht selten weniger auf kräftige Wertsteigerungen an, sondern vielmehr auf den Erhalt und die Streuung des Vermögens.

  • Der Unterschied

    Zwischen Acker- und Forstland gibt es unter anlagetaktischen Aspekten einen wesentlichen Unterschied. Während die Aussaat agrarischer Rohstoffe bereits nach relativ kurzer Zeit von etwa einem Jahr Erträge bringt, vergehen von der Anpflanzung neuer Bäume bis zu ihrer wirtschaftlichen Nutzung nicht selten mehr als 20 Jahre.

  • Illiquide Anlagen

    Anleger müssen zudem beachten, dass Äcker und Wälder als Direktinvestments illiquide und vergleichsweise schwer handelbare Vermögenswerte darstellen. An ihr Geld kommen sie also auf lange Zeit nicht heran. Am liquidesten sind Aktien von Agrar- und Forstunternehmen.

  • Ökologie

    „Wir empfehlen Investoren, in diese Anlageklassen fünf bis zehn Prozent ihres freien Anlagekapitals zu stecken“, rät Harry Assenmacher von der ForestFinance Group, einem Anbieter dieser Anlagen aus Bonn. Dabei sollten Investoren darauf achten, dass die Waldflächen nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden.


Und wie sieht die Realität aus?

Wir prognostizieren für unsere Wälder Renditen von null bis zu etwa zehn Prozent Rendite – je nach Waldgebiet. Zehn Prozent sind tatsächlich möglich, aber auch das Maximum mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit. Wir halten sechs Prozent Rendite im Durchschnitt für die weitaus realistischere Prognose – und für eine ordentliche Rendite. Man darf das nicht mit Zinsrenditen von Staatsanleihen vergleichen. Hier haben sie es mit der Erzeugung einer Handelsware zu tun, die einem natürlichen biologischen Herstellungsprozess mit deutlichen Schwankungen unterliegt.

10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Stimmen denn die Prognosen, dass der Holzpreis langfristig steigen wird?

Es ist schon richtig, dass der Holzbedarf unter anderem mit der Zunahme der Weltbevölkerung zunimmt, die Anbauflächen eher abnehmen und deshalb langfristig die Preise für Holz steigen sollten. Aber bei diesem Argument wird gern unterschlagen, dass mehr als 80 Prozent der weltweit produzierten Holzmenge immer noch Brennholz ist. Auch da liegt die Tücke im Detail. In den Werbeversprechen gibt es viele Aussagen, die einzeln betrachtet zutreffen im Kontext dann aber einfach falsch sind. Es gibt zum Beispiel auch nicht nur einen Preis für eine Holzart. Der Festmeter Teak kann mal 200 Dollar kosten, und ein anderes mal 2000 Dollar. Das hängt einerseits von der Holzqualität und andererseits auch sehr stark von lokalen und regionalen Märkten ab.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Wir verkaufen beispielsweise das Teakholz aus einem Waldstück in Panama quasi am Straßenrand direkt an asiatische Holzhändler. Die zahlen uns einen Preis, der sogar 15 Prozent über unseren Prognosen liegt. Hintergrund: In Asien wird viel mehr Teak benötigt, als die bereits abgeholzten heimischen Teakwälder noch hergeben. Aber das ist eine lokale Momentaufnahme und muss schon 500 Kilometer weiter nicht mehr zutreffen, weil dieser Aufkäufer dort nicht arbeitet.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%