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Was schützt vor Inflation?: Der große Sachwertecheck

von Christian Panster, Jörg Hackhausen und Katharina Schneider Quelle: Handelsblatt Online

Die deutschen Sparer fürchten sich vor Inflation. Aber was hilft wirklich gegen Geldentwertung - das Häuschen im Grünen, Gold, Aktien oder Luxusartikel? Handelsblatt Online hat die Sachwerte unter die Lupe genommen.

Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993

Währung: Manat

Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage

Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore

Bild: AP

Die Deutschen fürchten sich vor der Inflation. Diese Angst ist weit älter als der Euro. Sie reicht bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, in die Weimarer Republik. Damals lief die Inflation völlig aus dem Ruder. Die Kriegsschulden lasteten schwer auf Deutschland. Um diese zu finanzieren, warfen die Notenbanker die Druckerpresse an und druckten hemmungslos Mark.

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In der Folge kletterten die Inflationsraten kräftig. Zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923 betrug die Teuerung 50 Prozent – pro Woche wohlgemerkt. In den Bäckereien wurde Brot mit Schubkarren voller Geldscheine bezahlt. Was am Abend eine Million Reichsmark kostete, war tags darauf schon in Milliarden ausgepreist. Die Deutschen mussten mit ansehen, wie ihre Ersparnisse quasi über Nacht entwertet wurden.

Inflation Geldpolitik

Die deutsche Hyperinflation von 1923 zeigt, wie eine unheilige Allianz von Staat und Notenbank das Geldwesen zerrütten kann.

Inflation: Milliarden fürs Brot

Aus Angst flüchteten sie in Sachwerte, kauften Anteile an Unternehmen etwa. Im selben Zeitraum kletterte der damalige Aktienindex von 2062 auf unglaubliche 171.300.000.000 Punkte. Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises (1881 bis 1973) sollte dieses Phänomen wenig später als „Katastrophenhausse“ beschreiben. Sie wird befeuert von der Angst der Anleger, ihr Geld könne an Wert verlieren.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

  • Deutscher Aktienindex (Dax)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

  • Dow Jones

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

  • EuroStoxx 50

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

  • Nikkei

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

  • Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

  • MSCI Emerging Markets

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

  • Gold

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

  • Silber

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

  • Öl

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

  • Weizen

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

  • Kaffee

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

  • Staatsanleihen (Rexp)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

  • Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

    Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

  • Sparbuch

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.092 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

  • Tagesgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.192 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

  • Festgeld

    Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.239 Euro*

    *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Von Mises gilt als radikaler Liberaler und wichtiger Vertreter der Österreichischen Schule. Auch wenn die Zeitzeugen mittlerweile fast alle verstorben sind, die Inflationsangst hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Nation eingefressen.

Und mit dem Wissen, was vor beinahe 100 Jahren geschah, schauen die Deutschen in diesen Tagen nach Frankfurt, zur Europäischen Zentralbank.  Im Sommer hatte der Chef des Institutes, der Italiener Mario Draghi, gesagt, man werde den Euro retten – um jeden Preis.

Die Bevölkerung im Jemen fordert, ihren ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh zur Rechenschaft zu ziehen - für die getöteten Bürger während der Jasmin-Revolution. Das Land verzeichnet derweil eine Inflation in Höhe von 17,61 Prozent.

Quelle: IWF, Angaben in Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat

Bild: dpa

Und der Preis ist hoch. Um die Schuldenkrise in Europa zu lindern, verleugnen die Notenbanker gar ihr oberstes Gebot, nämlich für einen stabilen Geldwert innerhalb des Währungsraumes zu sorgen. Draghi wird stattdessen Anleihen von hochverschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien kaufen, er wird also die Notenpresse anwerfen, um die Refinanzierungskosten der Schuldner künstlich zu drücken, damit die ihre Verbindlichkeiten begleichen können. So zumindest die Hoffnung.

Die Strategie der laxen Geldpolitik ist vermutlich ohne Alternativen, aber sie ist auch brandgefährlich. Denn die Währungshüter nehmen massive Risiken auf die eigenen Bücher und blähen ihre Bilanz auf. Die von den großen Zentralbanken gehaltenen Aktiva haben sich nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 rund 18 Billionen Dollar. Tendenz rasant steigend.

Inflation Steigen die Preise – oder steigen sie nicht?

Die Deutschen fürchten um den Wert ihres Geldes. Dabei sind die Preise noch sehr stabil. Sind die Ängste überhaupt berechtigt? Zehn Fragen und Antworten zur Inflation.

Inflation: Steigen die Preise – oder steigen sie nicht?

Das große Problem dieser Strategie sind die Nebenwirkungen. Denn die hemmungslose Ausweitung der Geldmenge ist die wichtigste Zutat für eine ausgeprägte Inflation. Sollte die Konjunktur in Europa mittelfristig wieder anspringen, drohen die Teuerungsraten aus dem Ruder zu laufen.

Davor fürchten sich die Deutschen – und suchen auch diesmal nach Alternativen zu ihrem Papiergeld. Handelsblatt Online hat einmal genauer geschaut, welche Sachwerte tatsächlich als Inflationsschutz taugen – und von was Sparer besser die Finger lassen sollten. Frei nach Danny Kaye, dem amerikanischen Schauspieler, der einst sagte, dass Geld allein nicht glücklich mache. „Es gehören auch noch Gold, Aktien und Grundstücke dazu.“

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