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Wegen niedrigen Renditen: Große Umverteilung - die Mär vom Ende der Anleihe

von Saskia Littmann

Raus aus Anleihen, rein in Aktien - einige sehen bereits die große Rotation und fürchten einen Crash an den Bondmärkten. Für Anleger mit kühlem Kopf bieten gerade Unternehmensanleihen trotzdem interessante Chancen.

Bargeld

In Krisenzeiten ist es sinnvoll, das Portemonnaie voll zu haben. Möglicherweise werden ec-Karten zur Bezahlung nicht akzeptiert, und Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus. Sehr Vorsichtige horten das für vier Wochen nötige Bargeld im heimischen Safe. Nach einer Bankpleite müssen die EU-weit vorgeschriebenen gesetzlichen Einlagensicherungstöpfe einspringen. Sie sollen Guthaben von Girokonten, Tagesgeldern und Sparbüchern bis zur Höhe von 100.000 Euro nach maximal 20 Arbeitstagen wieder bereitstellen. Diese Zeit ist zu überbrücken.

Graue Flamme = Sicher bei Bankpleite, fünf rote Flammen = hohes Risiko

Bild: Sebastian_Wolf

An den Finanzmärkten tummeln sich im Moment zwei Extreme. Während viele Aktienanalysten von der großen Dax-Party reden, warnen die ersten Anleihe-Experten bereits vor einem Crash an den Anleihemärkten.

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Grund ist das Rendite-Dilemma. Um in der anhaltenden Niedrigzinsphase überhaupt eine Rendite zu erzielen, müssen Investoren mehr Risiko eingehen. Denn die als sicherer Hafen allseits beliebten Staatsanleihen von Ländern wie Deutschland, den USA oder Dänemark bringen längst nur noch Mini-Renditen. Bei Bunds mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind es aktuell gerade einmal 1,6 Prozent. Abzüglich der Inflation machen Anleger sogar ein Negativ-Geschäft.

Wer also Verluste umschiffen will, muss zwangsläufig rein in risikoreichere Investments – entweder Aktien oder riskantere Anleihen. Das trifft vor allem institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen, die traditionell einen großen Teil ihres Kapitals in Form von Anleihen halten.

Einige Finanzmarktbeobachter sprechen daher schon von der Großen Rotation – der Bewegung weg von den Anleihen hin zu mehr Aktien. Andere sehen nicht nur die große Umschichtung in den Depots, sondern verweisen sogar bereits auf den letzten großen Anleihe-Crash 1994. Damals kam es in Folge einer drastischen Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank Fed zu einem regelrechten Ausverkauf am Bondmarkt. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen legten innerhalb von nur neun Monaten um mehr als zwei Prozentpunkte zu. Insbesondere Bauherren waren davon betroffen, denn die Kredite für Immobilien verteuerten sich entsprechend.

Doch eine derartige Zinswende wie die der Fed 1994 ist kurzfristig weder in Europa noch in den USA in Sicht. Hat die große Rotation trotzdem begonnen? Sollten auch Privatanleger sich einen Ruck geben und den vermeintlich sicheren Anleihe-Hafen gegen das Auf und Ab der Börsen eintauschen?

Anleihe-Guru Bill Gross, Chef des weltgrößten Fondsanbieters Pimco, sieht bisher wenig Anzeichen für eine Rotation zwischen Anleihe- und Aktienmarkt. Die Umschichtungen, die es gegeben habe, resultierten eher aus den übervollen Geldmärkten, schrieb Gross auf dem Twitter-Account des Investmenthauses. Ähnlich sieht das Horst Soulier, Leiter Makro- und Strategieresearch der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wir können im Moment keine Anzeichen für die große Umschichtung entdecken“, sagt Soulier.

"Sowohl für Aktien- als auch Bondsmärkte ist genügend Liquidität und Nachfrage vorhanden", sagt Soulier. Allerdings gebe es aufgrund der schwierigen Suche nach Rendite seit Mitte 2012 den Trend, sukzessive in risikoreichere Anlageklassen zu investieren - und dazu gehörten eben auch Aktien.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 06.02.2013, 13:27 UhrSteuermichl

    Ihre Empfehlung in Ehren, aber bei einem beabsichtigten Renditehorizont von 3.0% in ital. oder span. Anleihen investieren zu müssen, ist doch ein gewaltiges Risiko, das wiegt doch keine 3% Rendite auf. Nehmen wir mal an Berlusconi kommt am 25. Februar an die Macht und Rajoy tritt wegen der Korruptionsaffäre zurück, das sind die 3% erstmal Kursverlust. Ganz gleich, ob Staats- oder Unternehmensanleihen aus diesen Ländern. Wollen Sie dann zuwarten, ob und wann Draghi (selbst belastet mit Monte Paschi) die Renditen wieder glattbügelt ? Für 3% Rendite (p.a.!) treibt es Ihnen bei jeder Eurozonen-Nachricht die Schweissperlen auf die Stirn. Doch damit erreichen Sie ja gerade, wenn es gutgeht, einen Inflationsausgleich ! Schwitzen für ein Nullsummenspiel, der Sparer als Bringesel des Grosskapitals.

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