Zeugnistag für Europas Banken: Die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest

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Zeugnistag für Europas Banken: Die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest

von Angela Hennersdorf und Mark Fehr

Ein umfassender Stresstest soll Sparern und Steuerzahlern in Europa künftig teure Überraschungen ersparen. Klappt das? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Mehr als zehn Monate lang haben Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) die 128 bedeutendsten Kreditinstitute der Währungsunion nach Altlasten und Kapitallücken durchforstet, davon 24 Banken aus Deutschland.

Am Sonntag werden die Ergebnisse verkündet, wobei für die Banken viel auf dem Spiel steht, denn nicht alle werden bestehen: Die Durchfaller müssen ihre Bilanzen rasch nachbessern, sonst droht ihnen die Abwicklung.

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Im Fokus bei der bislang größten finanziellen Sicherheitsübung aller Zeiten stehen Anlageportfolios, die die Aufseher als besonders riskant oder zu wenig transparent einstufen. Dazu gehören Schiffs-, Immobilien- oder Staatskredite sowie Derivate, also komplizierte Geldwetten auf die Kursentwicklung von Aktien, Rohstoffen oder Währungen.

Sind die Positionen nach Ansicht der EZB zu optimistisch bewertet, müssen die Banken sie nach unten korrigieren. Doch das ist nicht alles: Zusätzlich zum Bilanz-Check unterzieht die Aufsicht ihre Prüflinge auch einem großen Stresstest, bei dem untersucht wird, wie sich die Bilanz in einem Krisenszenario entwickelt. Damit will die EZB marode Banken identifizieren und heraussieben.

Große Aufräumaktion

Sabine Lautenschläger, Ex-Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank und inzwischen EZB-Direktoriumsmitglied sowie Vize-Chefin der neuen Bankenaufsicht, will die „Chance zum Aufräumen“ in den Bankbilanzen nutzen. Tatsächlich ist beim Stresstest nicht nur Strenge, sondern auch Fingerspitzengefühl gefragt.

Ist die EZB zu streng und lässt eine Bank nach der anderen durchrasseln, wären gefährliche Verwerfungen an den Finanzmärkten die Folge. Prüft sie zu lasch, wäre ihr Ruf dahin und das Misstrauen gegenüber den Banken wieder da.

Was den Druck auf die EZB noch verstärkt: Der Stresstest ist auch Bewährungsprobe für die Notenbank in ihrer neuen Zusatzrolle als oberste Aufpasserin. Denn sie übernimmt ab 4. November die zentrale Aufsicht über die wichtigsten Finanzhäuser der Währungsunion. Daher will sich die EZB keine Altlasten aus dem Verantwortungsbereich der bisher zuständigen nationalen Behörden unterjubeln lassen.

Die drei Pfeiler der Bankenaufsicht

  • Bankenaufsicht

    Die zentrale Bankenaufsicht („Single Supervisory Mechanism“/SSM) wird unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) eingerichtet und soll am 4. November 2014 die Arbeit aufnehmen. Die EZB wird künftig die etwa 120 größten und wichtigsten Banken im Euroraum direkt überwachen. Vor dem Start durchleuchten die Aufseher deren Bilanzen und testen die Krisentauglichkeit der Institute.

  • Bankenabwicklung

    Von 2016 an sollen gemeinsame Regeln zur Sanierung und - im Notfall - Schließung von Banken greifen („Single Resolution Mechanism“/SRM). Erklärtes Ziel ist, dass im Fall der Schieflage einer Bank zunächst deren Aktionäre und Sparer herangezogen werden - und nicht mehr allein der Steuerzahler. Alle Länder sollen Notfallfonds aufbauen, die sich aus Abgaben der Banken finanzieren.

  • Einlagensicherung

    Der grenzüberschreitende Schutz der Bankguthaben von Kunden ist noch Zukunftsmusik. Dagegen gibt es starken Widerstand aus vielen Staaten. Gerade die deutschen Sparkassen und Volksbanken befürchten, dass die üppig gefüllten deutschen Töpfe im Fall von Schieflagen von Instituten in anderen Euroländern geschröpft werden.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret lobt den Test schon vor der Veröffentlichung der Resultate: Die Übung sei ein Erfolg, weil die europäischen Banken ihre Bilanzen vorsorglich mit rund 200 Milliarden Euro gestärkt hätten. „Das Bankensystem ist dadurch heute schon sicherer“, behauptet der Bundesbanker. Wirklich? Die WirtschaftsWoche beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest.

1. Wann fällt eine Bank durch?

Die Prüfer der EZB haben zunächst die Qualität der Aktiva-Positionen in den Bilanzen zum Stichtag 31. Dezember 2013 gecheckt. Wo stecken verborgene Risiken, wo müssen Bewertungen von Krediten korrigiert werden? Auf dieser Qualitätsprüfung baut der Stresstest auf, dem zwei Szenarien zugrunde gelegt sind: ein Basisszenario und ein Stressszenario.

Für Ersteres ist die erwartete wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone Grundlage. Im Stressszenario wird ein drei Jahre anhaltender Konjunktureinbruch mit steigender Arbeitslosigkeit, einem Börsencrash und purzelnden Immobilienpreisen simuliert.

Bestanden hat eine Bank, wenn sie im Basisszenario eine Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent aufweist. Diese Latte muss jeweils am Ende der betrachteten Jahre 2014, 2015 und 2016 gehalten werden. Um das Krisenszenario zu überstehen, darf die Kapitalquote bis Ende 2016 nicht unter die Schwelle von 5,5 Prozent sinken. Schafft eine Bank das nicht, ist sie durchgefallen.

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2 Kommentare zu Zeugnistag für Europas Banken: Die zehn wichtigsten Fragen zum Stresstest

  • 5. Wer zahlt, wenn eine Bank abgewickelt wird?
    ----------------------------------------------
    Wie in den Bestimmungen der 'Bankenunion', mit der rückzahlungs-
    freien, präventiven Rekapitalisierung für die 'systemrelevante'
    Bankenbranche, festgehalten, hat der deutsche Steuerzahler da-
    für aufzukommen, da der genannte Rettungstopf noch nicht existiert
    und es mehr als unwahrscheinlich ist, daß eine solcher jemals
    gefüllt werden dürfte, da man sich voll aus dem ESM bedienen
    kann.

  • @Redaktion: Könnten Sie auch von dem türkischen "Forschungsschiff" Barbarossa berichten, welches sich derzeit in nationale zypriotische Gewässer und damit innerhalb europäischem Hoheitsgebiet nahe der Gasprobebohrungen in Begleitung türkischer Fregatten aufhält?

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