Zinsen: Gefangen in der Dispofalle

Zinsen: Gefangen in der Dispofalle

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Wer sein Girokonto überzieht, zahlt oftmals bei Dispozinsen kräftig drauf.

von Andreas Toller

Schätzungsweise jeder vierte Bankkunde überzieht sein Konto im Laufe eines Jahres. Die Banken verlangen unverhältnismäßig hohe Zinsen. Was Verbraucher im Fall einer Kontoüberziehung wissen sollten, was sie im Notfall tun können.

Mal wieder im Minus mit dem Konto? Gerade zum Jahresbeginn kann das leicht passieren. Kaum sind die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke und Winterurlaub abgebucht, landen im Januar zahlreiche Rechnungen für Versicherungen, Strom- und Heizkosten und allerlei weitere Jahresausgaben im Haus. Da rutscht ein Girokonto ohne großen Puffer leicht ins Minus.

Steht ein Konto in den roten Zahlen, kann sich die Bank freuen. Denn anders als für Guthaben auf dem Girokonto, für das die Banken aktuell kaum mehr als ein Viertelprozent Verzinsung bieten, liegt der Zinssatz für die Bankschulden häufig im zweistelligen Prozentbereich. „Für die Banken ist das schön, denn es handelt sich für sie um ein reines Mengengeschäft“, sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanz Zentrum. Der Verein sieht sich als unabhängige Plattform für innovative Projekte im Finanzsektor. „Im allgemeinen ist das Geschäft mit der Kontoüberziehung hoch profitabel – mit geringen Risiken und Schwankungen“, so der emeritierte Professor.

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Was die Kreditinstitute freut, wird für den in Geldnot geratenen Kunden aber leicht zur Schuldenfalle, das Minus auf dem Kontoauszug schnell eine teure Angelegenheit. Dem Verbraucherportal biallo.de zufolge, verlangen die Banken für den eingeräumten Dispositionskredit derzeit 10,97 Prozent Zinsen. Zwar ist er damit seit Ausbruch der Finanzkrise in den vergangenen sechs Jahren von damals knapp 12,9 Prozent langsam gesunken. Der Rückgang fällt allerdings deutlich geringer aus, als beispielsweise die Guthabenzinsen auf Tagesgeldkonten. Die sind nach Analysen der FMH Finanzberatung (fmh.de) im gleichen Zeitraum von rund 3,4 Prozent auf heute nur noch 0,7 Prozent gesunken. Der Abstand zum Guthabenzins ist damit gestiegen.

Richtig teuer wird, wenn das Konto über den Disporahmen hinaus überzogen wird. Dann werden Überziehungszinsen fällig. Die liegen derzeit bei durchschnittlich 15,5 Prozent. 2008 erreichten sie in der Spitze 17,6 Prozent und liegen somit 2,1 Prozentpunkte niedriger als vor sechs Jahren. Die Kosten für einen Ratenkredit sind im gleichen Zeitraum von 9,24 auf 5,86 Prozent gesunken – ein Rückgang von immerhin 3,38 Prozentpunkten. Kurz: Der Ratenkredit hat sich viel stärker verbilligt, als der Dispo- und Überziehungskredit.

In Deutschland verfügen etwa 80 Prozent der Haushalte über einen Dispositionskredit. Überwiegend beträgt dieser zwei bis drei Haushaltsnettoeinkommen und wird von knapp dreißig Prozent der Haushalte auch genutzt – trotz der hohen Zinsbelastung.

„Die Spanne zwischen Dispo- und Überziehungskredit ist unakzeptabel hoch. Das ist ein kräftiges Zulangen der Banken“, konstatiert auch Gerke. „Bei dieser Spanne dürften zehn Prozent der Kredite ausfallen, ohne dass die Profitabilität des Geschäfts gefährdet wäre. So viele Schuldner fallen aber bei weitem nicht aus.“ Tatsächlich schätzen die Wirtschaftsforscher von ZEW und iff nach einer Untersuchung von 2012 im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums die Ausfallquote auf lediglich 0,3 Prozent. Bei herkömmlichen Ratenkrediten erreicht sie hingegen einen Wert von 2,5 Prozent. Obwohl also die Risiken für die Kreditinstitute bei Ratenkrediten fast zehnmal so hoch sind, haben sich Ratenkredite um knapp 37 Prozent verbilligt, während Dispokredit nur um 15 Prozent günstiger wurden und Überziehungskredite sogar nur um zwölf Prozent im Preis sanken.

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