Zinsloses Risiko: Sicherheit der Bankeinlagen ist eine Illusion

KommentarZinsloses Risiko: Sicherheit der Bankeinlagen ist eine Illusion

Die Sicherheit der Bankeinlagen der Bürger in Europa ist eine Illusion. Mit dem Tabubruch der EU-Rettungsdilettanten in Zypern hat sich die Gefahr von Bank-Runs in Europa dramatisch erhöht. Über kurz oder lang werden vor allem Edelmetalle von dem einsetzenden Vertrauensverlust in Gelddruckprogramme und Rettungsakrobatik profitieren.

Die Zwangsabwicklung eines aus EU-Sicht „falschen zypriotischen Geschäftsmodells“ und dessen Pleitebanken bestimmte seit Mitte März die Schlagzeilen. Obwohl es im Fall des system(un)relevanten Zyperns im Vergleich zu den bereits auf dem europäischen Rettungsroulette-Tisch liegenden Billionensummen „nur“ um „Peanuts“ - ein paar Milliarden Euro - ging, endete das zypriotische Drama mit einem wegweisenden Tabubruch in der Euro-Zone. Erstmals wurde in Europa das gesamte Bankensystem eines Landes geschlossen [„Bankeinlagen sind eine sensible Sache, da muss man schnell handeln, daher macht man es am Wochenende.“ (Wolfgang Schäuble)] und Kapitalverkehrskontrollen etabliert.

Großbanken werden zwangsabgewickelt, wobei auf Druck der Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) Kontoguthaben, die über einen „großzügig“ gewährten „Eigentums-Freibetrag“ von 100.000 Euro hinausgingen, ohne jegliche demokratische Abstimmung - im Stile einer afrikanischen Bananenrepublik - zu einem großen Teil konfisziert wurden! Während die Euro-Retter eilig versicherten, dass es sich bei Zypern um einen Einzelfall handeln würde, und natürlich niemand die Absicht habe das Enteignungsmodell auf die anderen europäischen Pleitebanken zu übertragen, befand Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, dass der Fall Zypern durchaus als Blaupause für andere Staaten (besser Banken) in der Not dienen könne!

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Zypern-Rettung Das Zypern-Desaster lehrt: Lieber Aktien als Tagesgeld

Dank Zypern ist die Euro-Krise zurück – und belastet die Börse. Die Sorge: Bankleinlagen sind trotz Staatsgarantie nicht absolut sicher. Aktien werden so im Vergleich zu Tages- oder Festgeld attraktiver.

Protestplakat. Quelle: AP

Da der gesamte europäische Bankensektor mit einer Bilanzsumme von 32,9 Billionen Euro (circa 300 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der 27 EU-Staaten) noch immer als völlig überdimensioniert und hoffnungslos überschuldet angesehen werden muss, ist spätestens jetzt klar geworden, dass die Sicherheit der Bankeinlagen der Bürger in Europa eine nicht mehr länger aufrechtzuerhaltende Illusion ist. Mit dem Tabubruch der EU-Rettungsdilettanten in Zypern hat sich aber auch obendrein die Gefahr von pleite beschleunigenden Bank-Runs in Europa, insbesondere in der Peripherie dramatisch erhöht. Denn welchen rationalen Grund gibt es für die Kontoinhaber Europas jetzt noch mit ihren auf 4,3 Billionen Euro bezifferten Sichteinlagen auch nur einen Tag länger im zinslosen Risiko bei einer „Brüsseler Hausbank“ zu verharren, statt sich den „gedruckten Eigentumsschutz“ in Form von Bargeld sofort ausliefern zu lassen.

Wenn die Bank Pleite geht

  • Europäische Regelung

    Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100 000 Euro pro Anleger.

  • Deutschland

    Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

  • Alternative Regelungen

    Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

  • Risiken

    Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

  • Auf Nummer Sicher

    Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Ein weiterer Vorteil: Der Schriftverkehr mit den Behörden erfolgt im Entschädigungsfall auf Deutsch.

Obwohl die Umstellung der Wirtschaft Zyperns auf das richtige - kein! - Geschäftsmodell die Marktteilnehmer zu Recht beschäftigte, wurden die wesentlich größeren Probleme an den Märkten unverändert komplett ausgeblendet. So herrscht im mit nunmehr 2,02 Billionen Euro rekordverschuldeten europäischen Schulden-Schwergewicht Italien und einer seit sechs Quartalen in Folge im Fall befindlichen Wirtschaft auch fünf Wochen nach der Wahl noch immer politischer Stillstand. Da, so der an der Regierungsbildung gescheiterte Wahlsieger Pier Luigi Bersani, „derzeit nur ein Verrückter dieses Land regieren würde wollen“, könnten Neuwahlen nötig werden. Davon würden aber wahrscheinlich die „Falschen“, Grillos Fünf- Sterne-Partei und der sich in einem Umfragehoch befindliche Silvio Berlusconi, am meisten profitieren, so dass sich hier für Europa und den Euro ein Erdbeben andeuten könnte.

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