Zusatzrente von der Börse: Das Geheimnis des langfristigen Aktiensparens

Zusatzrente von der Börse: Das Geheimnis des langfristigen Aktiensparens

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von Niklas Hoyer

Wer regelmäßig Aktien kauft und sich so eine spätere Rente finanziert, der kann Risiken massiv senken und effektiv für den Ruhestand vorsorgen. Das zeigt unsere große Auswertung über 55 Jahre.

Zinsen? Viel zu niedrig! Aktien? Viel zu riskant! Wirklich? Im aktuellen Zinsumfeld bleibt auch risikoscheuen Sparern eigentlich nichts anderes übrig, als auch in Aktien zu investieren. Wie sonst soll es noch möglich sein, einigermaßen rentabel fürs Alter vorzusorgen. Modelle, die versuchen, die Risiken der Aktienanlage abzufedern, stoßen daher auf Interesse.
Die guten Nachrichten vorweg: Es gibt spannende Ansätze für das langfristige Aktiensparen mit begrenztem Risiko. Der Blick zurück zeigt aber vor allem, dass sich mit regelmäßigem Sparen sogar eine Rente allein mit Aktien finanzieren lässt, ohne dass Vorsorgesparer bei einem Crash Angst vor einem Ruhestand in Armut haben müssten. So kamen Vorsorgesparer, die erst mit regelmäßigen monatlichen Einzahlungen gespart haben und sich danach jeden Monat gleich hohe Auszahlungen finanziert haben, in der Vergangenheit selbst in den schlechtesten Fällen auf Renditen von über sechs Prozent pro Jahr.

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Professor Oskar Goecke von der Fachhochschule Köln ärgert sich darüber, dass Vorsorgesparer ihr Geld bislang unrentabel anlegen. "Risikobehaftete Aktieninvestments bringen etwa vier Prozent Überrendite", sagt er mit Blick auf die langfristigen, weltweiten Finanzmarktdaten. Er kann trotzdem verstehen, dass viele Sparer sich nicht an Aktien herantrauen. Denn auch wer regelmäßig Geld in Aktien investiert, etwa als Ratensparplan auf einen börsengehandelten Dax-Indexfonds (Dax-ETF), kann Probleme bekommen, wenn er sein Geld nach einem Börsenabsturz braucht.

Wenige Jahre können über die Rendite entscheiden

Selbst dicht aufeinander folgende Sparergenerationen hätten in der Vergangenheit extrem unterschiedliche Anlageergebnisse erzielt, zeigen Goeckes Berechnungen. So wäre ein Sparer mit einem 20-jährigen Sparplan à monatlich 100 Euro bis Ende Februar 2000 auf ein Endguthaben von rund 163.800 Euro gekommen. Das entspricht beeindruckenden 16,7 Prozent Rendite pro Jahr. Sparer, die drei Jahre später angefangen hatten und erst Ende März 2003 die 20 Jahre beendet hatten, hätten hingegen nur 33.500 Euro an Gegenwert im Depot gehabt. Ihnen wären schlappe 3,2 Prozent Rendite geblieben.

Goecke hat deshalb ein Modell entwickelt: den Generationenfonds. Hier sollen Sparer im Kollektiv in Aktien und Anleihen investieren. Neben ihrem individuellen Sparguthaben soll dabei eine kollektive Reserve aufgebaut werden, die kurzfristige Wertschwankungen ausgleichen soll. Wer seinen Sparplan also in schlechten Börsenjahren beendet, bekommt etwas extra. Wer in guten Börsenjahren aussteigt, muss einen Teil der theoretisch erzielten Erträge für schlechtere Zeiten abtreten.

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Risikoreiche Geldanlage im Alter Quelle: Getty Images

Im Durchschnitt würden die kollektiven Ratensparer über zehn, zwanzig und dreißig Jahre so sogar etwas höhere Renditen schaffen als mit normalen Dax-Sparplänen ohne Generationenausgleich. Doch das ist nicht entscheidend. Der große Vorteil wäre, dass negative Ausreißer wegfallen würden. Hätte ein individueller Dax-Ratensparer über zehn Jahre im schlechtesten Fall noch 5,9 Prozent pro Jahr verloren (!), hätte er im Kollektiv wenigstens 5,5 Prozent jährliche Rendite geschafft. Das haben Goeckes Auswertungen vergangener Börsendaten von 1967 bis heute ergeben. Auf der anderen Seite wäre die maximal mögliche Jahresrendite von 23 auf 14 Prozent pro Jahr gefallen.

Wer in Rente geht braucht nicht all sein Geld auf einen Schlag

Goecke will es nicht beim theoretischen Modell belassen. Er hofft, dass sein Modell eines Tages umgesetzt wird. "Vor allem im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge könnte es zum Einsatz kommen", sagt er. Hier könnten dann zum Beispiel Arbeitgeber eine Startreserve ins generationenübergreifende System einspeisen.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Die meisten Vorsorgesparer brauchen ihr Geld zu Rentenbeginn aber nicht auf einen Schlag. Die WirtschaftsWoche hat deshalb berechnet, wie Sparer in der Vergangenheit abgeschnitten hätten, wenn sie erst mit einem Ratensparplan sparen und im Anschluss Monat für Monat die gleiche Summe entnehmen. Ein- und Auszahlungen sollten dabei in heutiger Kaufkraft stets gleich sein. Angesetzt wurden jeweils 1000 Euro in heutiger Kaufkraft. 1960 hätten nach Daten des Statistischen Bundesamtes zum Beispiel schon 379 Euro gereicht, um damit einen Warenkorb zu kaufen, der heute 1000 Euro kosten würde. Die genaue Höhe der Rate (hier die angenommenen, recht hohen 1000 Euro) hat für die Renditeergebnisse keine Bedeutung. Sie würden mit je 100 Euro monatlichen Ein- oder Auszahlungen in heutiger Kaufkraft genauso gelten.

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