Gerold Linzbach im Interview: "Sehr zuversichtlich"

Gerold Linzbach im Interview: "Sehr zuversichtlich"

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Symrise-Chef Gerold Linzbach

Gerold Linzbach, Chef von Symrise, findet den Aktienkursverfall des Duftstoffherstellers überzogen. Selbst eine Rezession biete neue Chancen.

WirtschaftsWoche: Herr Linzbach, Symrise ist Spezialist für künstliche Geschmacks- und Duftstoffe. Geht bei vielen Verbrauchern die Tendenz nicht hin zu natürlichen Produkten – bei Kosmetika wie bei Nahrungsmitteln?

Linzbach: Dieser Trend stimmt, und er kommt uns sogar entgegen. Dass wir nur künstliche Aromastoffe herstellen, ist ein Klischee. Im Geschäftsbereich Nahrungsmittel liegt der Anteil an Substanzen, die wir aus natürlichen Rohstoffen gewinnen, bei bis zu 80 Prozent.

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Aber natürliche Rohstoffe werden teurer.

Wir kaufen über 10.000 verschiedene Rohstoffe ein. Dabei lässt sich keine generelle Aufwärtstendenz feststellen. Zudem steuern wir dagegen, vor allem durch eigene Preiserhöhungen.

Lassen sich diese denn durchsetzen? Zu Ihren Kunden gehören mächtige Konzerne wie Nestlé, Henkel, Dior oder Procter & Gamble.

Da haben wir allerdings einen Vorteil: Einerseits sind unsere Produkte für unsere Kunden ziemlich wichtig. Andererseits macht ihr Kostenbeitrag oft nur ein Prozent des Herstellungspreises aus. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir die angekündigten selektiven Preiserhöhungen von rund zehn Prozent durchsetzen werden.

In Shanghai hat Symrise vor Kurzem ein neues Kreativcenter eröffnet. Ist das sinnvoll? Auch in China flaut der Boom ab.

Das Wachstum kommt hier nicht nur aus dem allgemeinen Wirtschaftstrend. Vielmehr gibt es immer mehr Menschen, die einen höheren Wohlstand erreichen und damit überhaupt erst Produkte mit unseren Aroma- und Duftstoffen kaufen.

Gilt das auch für technisch anspruchsvolle Produkte? Hier könnte die Finanzkrise weltweit zu einer Ernüchterung führen.

Wir sind auch froh, dass wir nicht so sehr auf den hochpreisigen Luxusbereich setzen. Hier ist das Geschäft weniger vorhersagbar geworden. Wir hingegen müssen an unserem Produktmix nichts ändern.

Mit dem Erwerb des US-Aromengeschäfts der dänischen Gruppe Chr. Hansen haben Sie sich in Nordamerika verstärkt. Rechnet sich das?

Hier ging es zunächst darum, eine kritische Masse zu erreichen; nur so kommt man mit den wichtigen Kunden in Kontakt. Durch den Zukauf haben wir unsere Präsenz in diesem Markt praktisch verdoppelt.

Aber damit auch das Dollar-Risiko.

Wir wickeln zwar etwa die Hälfte unseres Umsatzes in US-Währung ab, doch wir produzieren auch im Dollar-Raum. Zudem kaufen wir viele Rohstoffe gegen Dollar. Insgesamt mag sich das Umsatzwachstum rechnerisch etwas verlangsamen, aber die Marge ist davon nicht betroffen.

Sie spüren nichts von der Krise in den USA?

Zunächst hat es keinen direkten Einfluss, wenn etwa eine Bank pleite geht. Die Menschen essen, trinken oder waschen sich deshalb nicht weniger. Die größere Herausforderung liegt derzeit bei den Unsicherheiten in der Planung. Wenn ein großer Kunde zunächst von einem Produkt zum Beispiel 200 Tonnen bestellen will, es letztlich aber nur 50 Tonnen werden, müssen wir neu disponieren – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Preisgestaltung.

Wann ist dann der Boden erreicht?

So paradox es klingt: Wenn die Rezession Fakt ist, können wir wieder sicherer planen. Da die Nachfrage nach unseren Produkten eher unempfindlich auf eine wirtschaftliche Abkühlung reagiert, wird dies das Absatzniveau kaum beeinträchtigen.

Der Symrise-Aktienkurs steht mit 11,50 Euro weit unter dem Ausgabepreis von 17,25 Euro. War der Emissionspreis Ende 2006 zu hoch?

Nein, die Aktie war mehrfach überzeichnet und ist auch zunächst gut gestiegen. Wenn Sie den Düngemittelhersteller K+S aus dem MDax herausrechnen, haben wir nicht viel schlechter abgeschnitten als der Index. Ohnehin sehen wir derzeit keine Kopplung mehr zwischen dem Aktienkursverlauf und dem operativen Geschäft.

Werden Sie wieder deutlich mehr als die Hälfte des Nettogewinns an Dividende zahlen? 2007 gab es 50 Cent pro Aktie.

Da sind wir sehr zuversichtlich.

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