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Gesundheitssystem: Bittere Pillen für Kassenpatienten

von Michaela Hoffmann (Berlin)

Kassenpatienten warten beim Arzt nicht nur länger als Privatversicherte, schon bald könnten sie auch schlechtere Medikamente bekommen.

Auswahl an Tabletten Quelle: dpa
Auswahl an Tabletten Quelle: dpa
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Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagt der Volksmund. Das erklärt, warum derzeit hochemotional über eine Studie debattiert wird, die nichts anderes war als ein Rundruf bei 189 Fachärzten. Heraus kam, was fast alle schon wussten: dass Kassenpatienten länger auf Termine warten als privat Versicherte. Willkommen im Land der „Zwei-Klassen-Medizin“.

Mit der Gesundheitsreform könnte es für Kassenpatienten demnächst jedoch noch schlimmer kommen. „Gesetzlich Versicherte könnten vom Zugang zu innovativen Medikamenten abgeschnitten werden“, befürchtet Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld. Der Gesundheitsökonom hat gerade gemeinsam mit 28 Kollegen des renommierten Vereins für Socialpolitik einen Warnschuss Richtung Bundesgesundheitsministerium abgefeuert.

In einer dreiseitigen Stellungnahme an das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) zerpflücken die Gesundheitsexperten die Pläne der Institutsspitze. Wörtlich heißt es in dem Papier: Die Vorstellungen des IQWIG sollten in wichtigen Punkten „verbessert werden, um Schaden von der Versichertengemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung abzuwenden“.

Das IQWIG ist im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums maßgeblich an Entscheidungen beteiligt, welche Arzneimittel und Therapien von gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden und welche nicht. Nach der Gesundheitsreform soll das Institut auch feststellen, ob die Kosten, die für neue Medikamente anfallen, im richtigen Verhältnis zu dem Nutzen stehen, den die Produkte den Patienten bringen.

Eine solche Kosten-Nutzen-Bewertung ist weitgehend unumstritten, schließlich sollen Pharmaunternehmen nicht mit teuren Scheininnovationen zulasten der Beitragszahler ihre Gewinne aufbessern. Zudem machen andere Länder längst vor, dass sich so sparen lässt. Doch über die Methodik, wie Kosten und Nutzen gemessen und bewertet werden sollen, gibt es erbitterten Streit.

Kostensenkung statt Lebensqualität?

Dabei geht es um ethisch heikle Fragen. Wie viel darf ein zusätzliches Lebensjahr kosten? Soll die Versichertengemeinschaft für Medikamente zahlen, die Erkrankten nur eine höhere Lebensqualität, nicht aber mehr Lebenszeit bringen? Und: Wie beurteilt man Medikamente, zu denen es noch keine ausreichenden Studien gibt?

„So, wie das jetzt geplant ist, schadet das der Forschung und damit auch den Patienten“, kritisiert Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen, einer der Unterzeichner des Protestbriefes. Die Anreize für die forschenden Unternehmen würden völlig falsch gesetzt. „In Bereichen, in denen schon lange keine Fortschritte mehr erzielt wurden, lohnt es sich künftig erst recht nicht mehr, zu investieren“, sagt der Experte. „Was das Institut bisher vorgelegt hat, entspricht nicht den internationalen Standards“, sagt sein Kollege Greiner und fügt hinzu: „Werden die Vorschläge so umgesetzt, hängt es zukünftig von Zufälligkeiten ab, ob Arzneimittel erstattet werden.“

Im IQWIG gibt man sich zugeknöpft. „Zu einzelnen Stellungnahmen geben wir keinen Kommentar ab“, heißt es. Man werde die rund 50 Erklärungen, die bis zum Fristende in der vergangenen Woche eingegangen seien, sichten, debattieren und sich dann an einen zweiten Entwurf zur Methodik machen. „Ich habe allerdings wenig Hoffnung, dass die sich noch grundlegend umstimmen lassen“, sagt Greiner.

Patientenvertreter wie Wolfram-Arnim Candidus setzen derweil auf öffentlichen Druck. Seit Monaten hastet er von Pressekonferenz zu Podiumsdiskussion, beim Leiter des IQWIG, Peter Sawicki, war er auch schon. „Ich habe die große Sorge, dass es nur noch ums Kostensenken geht und nicht mehr um Lebensqualität“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, „wir steuern immer mehr in ein System, in dem eine unsoziale Mangelverwaltung und schleichende Rationierung herrschen.“

Schuld daran sei die Politik, sagt Candidus, nicht etwa der einzelne Arzt, dem man auch wegen der längeren Wartezeiten für Kassenpatienten keine Vorwürfe machen könnte. „Das System ist falsch“, sagt er. Schließlich würden Ärzte für die Behandlung gesetzlich Versicherter zu schlecht bezahlt, für privat Versicherte fließt mehr Geld. 

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.06.2009, 21:11 UhrAnonymer Benutzer: Prinz

    Also ich bin echt froh das es eine online Apotheke wie pillenservice.info gibt die auch ohne rezept und auch originale Medikamente.

  • 27.09.2008, 00:49 UhrAnonymer Benutzer: Reiner

    Ja,ja, Ulla Schmidt müsste man heißen, dann könnte man sich die bedingungen der eigenen krankenversicherung so stricken, wie es einem gefällt, ohne sich um die belange der Mitmenschen zu kümmern.
    Na ja, so ein Ministergehalt mit anschließender ordentlicher Pension ließe einen dann nichts fürchten, auch nicht des Volkes Zorn. Gut gemacht, Ulla!!!

  • 24.09.2008, 19:10 UhrAnonymer Benutzer: Wortschatz

    Zur allgemeinen Verständnis, ältere Menschen haben nicht krank zu werden - Sie haben zu Sterben.

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