Gold als Reserve: Investmentlegende Marc Faber: "Gewaltiger Kollaps"

Gold als Reserve: Investmentlegende Marc Faber: "Gewaltiger Kollaps"

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Investmentguru Marc Faber

Warum Vermögensverwalter Marc Faber enorme Kaufkraftverluste der Papierwährungen erwartet und deshalb immer mehr Gold anhäuft.

WirtschaftsWoche: Herr Faber, US-Finanzminister Timothy Geithner wurde in Peking von Studenten ausgelacht, als er sagte, die chinesischen Dollar-Anlagen seien sicher. Wird der Dollar als Leitwährung der Welt bald abgelöst?

Faber: Es ist schon erstaunlich, dass man heute einen US-Finanzminister auslacht. Das wäre vor 30 Jahren nicht passiert. Dass sich alle Länder auf eine neue Währung einigen können, ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Die Welt konnte sich bisher ja nicht mal auf einen einheitlichen elektrischen Stecker einigen. Ich gehe davon aus, dass der Dollar noch einige Zeit Leitwährung bleiben wird – bis es dann zu einem gewaltigen Kollaps kommt.

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Was wird passieren?

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Papierwährungen ein Problem haben werden, nicht nur der Dollar. Die Regierungen wollen keine starke Währung wie Gold, weil man die nicht drucken kann. Papierwährungen kann man drucken und damit Probleme in die Zukunft verschieben. Damit kann man das Volk betrügen, weil die Kaufkraft der Währung ständig sinkt.

Kann man die ganze Welt betrügen?

Intelligente Menschen sehen schon, dass, wenn man die Geldmenge erhöht, eine Papierwährung gegenüber einer Währung, die nicht erhöht werden kann, verliert. Nur befasst sich in den USA die Mehrheit der Menschen damit, was Paris Hilton gerade macht. Die haben keine Ahnung von Währungen. Für die ist ein Dollar ein Dollar.

Sie prophezeien stark steigende Inflationsraten. Wie soll das gehen in einer Welt mit Überkapazitäten? Ist nicht Deflation das Risiko?

Es ist richtig, dass wir im Moment gewaltige Überkapazitäten haben. Und es gibt auch gewisse Güter, deren Preise fallen. So machen die in Indien jetzt ein Auto für 2.500 Dollar. Aber das hat nichts mit Deflation zu tun, sondern mit technischem Fortschritt. Die Lebenshaltungskosten der Menschen steigen, so die Ausgaben für Gesundheit; Bildung oder Versicherungen. Ich kenne keinen, dessen Versicherungsprämie gefallen ist. Weil die Versicherer so viel Geld verloren haben, müssen sie es sich jetzt ja zurückholen. Mein Eindruck ist, dass die Inflation tatsächlich so bei vier Prozent liegt.

Deflationisten argumentieren, das nachlassende Kreditwachstum spreche gegen Inflation.

Das Kreditwachstum geht aber nur im Privatsektor zurück, die Regierungen dagegen haben es stark erhöht. Im System insgesamt steigt die Liquidität. Die amerikanischen Ökonomen, angeführt von Notenbankchef Ben Bernanke, wollen keine Deflation. Die Fed kann ihre Bilanzsumme noch gewaltig erhöhen. Und wir wissen nicht, was da außerhalb der Bilanz gemacht wurde. Die können beliebig Geld drucken und die Staatsdefizite erhöhen.

Verpuffen die Konjunkturprogramme?

In diesem Jahr werden die USA wohl 2000 Milliarden Dollar Staatsdefizit machen. Damit das Defizit weiter stimuliert, müsste es 2010 auf 3000 Milliarden steigen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in etwa sechs Monaten die Wirtschaft noch einmal nach unten bewegt, aber nicht mit der Intensität von September 2008 bis März 2009. In gewissen Märkten gibt es einen normalen Ersatzbedarf, etwa bei Autos oder Haushaltsgeräten. In China und Indien sind diese Märkte noch nicht gesättigt. Eine Minimumnachfrage ist also da. Außerdem besteht die Wirtschaft in den westlichen Ländern zu rund 50 Prozent aus dem Staat. Schon möglich, dass die Privatwirtschaft noch um 40 Prozent schrumpft, aber der Staat schrumpft nicht.

Es sei denn, dem Staat leiht keiner mehr Geld.

Möglich, aber dann druckt die Regierung eben noch mehr Geld. Es ist klar, dass die Bonität von Regierungen dann abnimmt. Die Risikoprämie der US-Regierung ist schon höher als die von McDonald’s.

Ist Gold eine gute Versicherung gegen Inflation?

Ja, aber ich habe auch gewisse Bedenken. Denken Sie an den Satz von Voltaire: „Es ist gefährlich, richtig zu liegen, wenn die Regierung falsch liegt.“

Was meinen Sie damit in Bezug auf Gold?

Ich könnte mir zumindest in der Schweiz vorstellen, dass Anlegern eines Tages das Gold auf Druck der Amerikaner weggenommen wird.

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111 Kommentare zu Gold als Reserve: Investmentlegende Marc Faber: "Gewaltiger Kollaps"

  • Mit verlaub herr faber,
    so sehr ich ihre ausführungen, auch im sinne eines gewissen abgeklärten kosevativismus,schätze sind sie nicht gegenüber obama ungerecht.
    der neue us präsident versucht im gegensatz zum vorgänger bush alles um die wirtschaft wieder flott zu machen u. die finanzmärkte zu regulieren, sie müssten wissen wie schwer sich die finanzoligarchen zügeln lassen. wir befinden uns doch mitten in einer nie dagewesenen krise weltweit - bis auf china, aber dort gibt es einen staatskapitalismus u. die statistiken des wachstums sind nicht fälschungssicher.
    warum honorieren sie die bemühungen der obama-administration nicht sondern rücken ihn in die nähe von kriegstreibern, das ist von ihnen höchst ungerecht u. in keiner weise belegt.

  • Und so kann manauch diesen Artikel zusammenfassen: Prognosen sind schwierig - besonders wenn sie die Zukunft betreffen...

  • Obama ist nur eine Marionette.Da ziehen andere die Fähden im Hintergrung.Oder warum darf die FED(eine Private institution) Geschäftsbanken überwachen,sprich staatl. Aufgaben übernehmen.
    Kennedy wollte dieses System der Fed durchbrechen...hatt aber seiner Gesundheit geschadet.

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