Gold: Die Goldblase platzt nicht

KommentarGold: Die Goldblase platzt nicht

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WirtschaftsWoche-Redakteur Stefan Hajek

von Stefan Hajek

Platzt die Goldblase? Irgendwann ja. Doch so weit ist es noch lange nicht.

Vor Kurzem konnte man etwas sehr Seltenes bestaunen: Die Geburt einer neuen Anleger-Gattung, der des verunsicherten Goldfans. Er erblickte das Licht der Welt, als der vermeintlich ewige Aufwärtstrend des Goldes plötzlich und unerwartet verschied. Der Goldpreis fiel in wenigen Tagen um 20 Prozent, so stark wie zuletzt vor 30 Jahren. Das saß. Das hätte so nicht passieren dürfen. Nicht beim Gold, wo doch alles nach Plan läuft: Die Notenbanken drucken Geld und reizen das Inflationsmonster; die Wirtschaft ist wieder auf dem Weg in die Rezession, die Staaten in die Pleite. Als Versicherung gegen all das kauft man am besten Gold. So jedenfalls die felsenfeste Überzeugung der Goldfans. Nun stehen sie vor den Läden der Goldhändler und diskutieren, ob sie günstig nach- oder besser gleich alles verkaufen sollten. Einige Schlaue haben es natürlich kommen sehen: Gold hatte es zuletzt sogar auf die Titelseite der „Bild“ geschafft; wie im Jahr 2000 Aktien. Das konnte nicht gut gehen. Wichtige charttechnische Stützen seien zudem kaputt, und Hedgefonds verkauften, weil die Terminbörsen höhere Sicherheitsleistungen verlangen. Ist die schöne Goldhausse also kaputt?

Ewige Sicherheit ist unwahrscheinlich

Noch nicht. Sicher, es ist eine Binse: Was hoch gestiegen ist, kann auch tief fallen. Und auf den letzten Goldcrash folgte eine jahrzehntelange Baisse. Dass es einen ewig sicheren Hafen für Anleger gibt, ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Dieser Gedanke widerspricht einer einfachen Logik: Wenn in einem Extrem-Szenario Gold als einziges Wertaufbewahrungsmittel noch funktionierte, würde der Staat die Gold-Anleger kaum ungeschoren lassen, während alle anderen bluten. Er würde Wege finden, die Gewinne abzuschöpfen, die historischen Beispiele dafür sind da. Doch so weit ist es noch lange nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Staat die Schrauben peu à peu anzieht, zunächst den Weg des geringsten Widerstandes geht und zum Beispiel neue Börsen-Transaktions- und höhere Immobiliensteuern einführt.

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Gelddruckrekorde

Die Gründe, die Gold auf fast 2000 Dollar je Unze trieben, sind intakt. Die Geldmenge etwa wächst ungebremst, in den USA mit Rekordraten, auch ohne weitere Gelddruckprogramme. Die Schuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Egal, wie sie beseitigt wird – über höhere Inflation, Sparen und/oder Streichung der Schulden –, es wird Rendite kosten bei Anleihen, Aktien, Immobilien. Das wird weiterhin Menschen ins Gold treiben, die einzige Währung, auf der keine Schulden lasten. Ja, Gold bringt deswegen auch keine Zinsen. Aber dass die Notenbanken diese bald schon kräftig anheben und so das Gold seines Glanzes berauben, ist kaum vorstellbar, wollen sie die Welt nicht umgehend in eine neue Rezession stürzen. Statt von einem Extrem ins andere zu fallen, sollten Anleger lieber einen Teil ihres Depots, etwa 20 bis 25 Prozent, konstant in Gold halten. Und gerade jetzt nachkaufen, wo der Preis gefallen ist, und nicht, wenn Gold gerade wieder von den Titelseiten strahlt.

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