Goldman-Sachs-Analyse: Bedenkliche Prognose für den Ölpreis

KommentarGoldman-Sachs-Analyse: Bedenkliche Prognose für den Ölpreis

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Eine Preistafel an einer Tankstelle in Köln im Mai 2008

von Hans Jakob Ginsburg

Erdöl wird schon bald teuer und knapp: Analysten sprechen von 110 Dollar für das Fass oder noch viel mehr im kommenden Jahr – eine Riesengefahr für die Weltkonjunktur. Aber die Prognose ist mit Vorsicht zu genießen.

Irgendwie war es langweilig in den vergangenen Monaten mit dem Ölpreis. Der schwankt seit vergangenem Oktober irgendwo zwischen 70 und 80 US-Dollar, mit ganz leichter Tendenz nach oben, was natürlich an den auf die gesamte Welt betrachtet langsam optimistischeren Konjunkturprognosen liegt. 70 bis 80 Dollar – das ist genau der Preisrahmen, den die OPEC-Kartellbrüder als Ziel bezeichneten, als der Kurs vor einem Jahr im Winter des weltweiten Missvergnügens um die 40 Dollar pendelte. 70 bis 80 Dollar – das heißt aus deutscher Sicht, dass Kursschwankungen zwischen Euro und Dollar für unsere Benzin- und Heizölrechnung fast genau so wichtig sind wie die Ereignisse am Erdölmarkt.

Und jetzt kommen die Analysten von Goldman Sachs, erinnern lautstark an ihre Prognose für 2011 – 110 Dollar! -, erklären aber gleich, die müssten sie jetzt korrigieren, und zwar weiter nach oben, nur die genaue Zahl sei noch nicht ausgerechnet. Warum? Weil sich die internationale Wirtschaftslage in den kommenden Monaten wieder entspannen werde und die Nachfrage nach Erdölprodukten dann das Angebot übersteigen werde. Aufgrund fehlender Investitionen in den Ölsektor infolge der vergangenen Krise könne der Markt schon im dritten Quartal 2010 die Nachfrage nicht befriedigen. Alles leicht nachvollziehbar und durchaus plausibel. Dass Erdöl ein endlicher Rohstoff ist, dass die großen amerikanischen und europäischen Konzerne genau wie die ölreichen Scheichs viele Jahre viel zu wenig investiert haben – all das haben wir schon lange überall gelesen und selber geschrieben.

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Erinnerungen an das Horrorjahr 2008

Und trotzdem kommt jetzt der Zweifel, und der hat mit dem Namen Goldman Sachs zu tun. Das ist bekanntlich eine Investmentbank und kein akademisches Forschungsinstitut. Und die denken sich was dabei, wenn sie die eigentlich gar nicht so sensationellen Ergebnisse ihrer angestellten Forscher mit großer Lautstärke ausposaunen. Wir erinnern uns an das Frühjahr 2008, als der Ölpreis die 100 Dollar überstiegen hatte und scheinbar unaufhaltsam weiter kletterte. Da kam Anfang Mai aus dem Hause Goldman Sachs die schier unglaubliche Prognose 205 Dollar, der Preis stieg noch zwei Monate weiter, 147 Dollar im Juli 2008 war der Höhepunkt, und dann folgte aus Sicht der Produzenten die Bruchlandung, über die sich kaum ein Ölkonsument freuen konnte wegen der gleichzeitigen internationalen Finanzkrise. Die 205-Dollar-Prognose war Makulatur.

So ganz wird sich das nicht wiederholen, es sei denn, das Horrorjahr 2008 käme zurück. Was sich aber jetzt schon wiederholt: Goldman Sachs ist Teilnehmer am Ölmarkt, und wir dürfen getrost annehmen, dass die Händler im Dienst der Investmentbank von ihrem Wissen über die Prognosen der Kollegen Energieanalysten profitiert haben. Und wenn jetzt die meisten Ölproduzenten der Prognose aus New York glauben, dann werden sie mit Verkäufen warten oder jedenfalls höhere Preise verlangen als bisher geplant – sogar wenn die Konjunktur in vielen Ländern nicht so richtig anläuft und in Europa und Nordamerika der Januarschnee wieder schmilzt. Keine schöne Aussicht.

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