Griechenland-Rettung: Teure Spekulantenjagd

KommentarGriechenland-Rettung: Teure Spekulantenjagd

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Europas Pakt für Griechenland und gegen Spekulanten ist gescheitert: Athen musste Investoren vergangene Woche genauso hohe Zinsen bieten wie vor der angeblichen Rettung.

Was ist der Unterschied zwischen Carla Bruni und dem Finanzmarkt? Die Frau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sagte über ihren Exliebhaber und US-Immobilienmilliardär Donald Trump: „Sein Geld hat mich nie interessiert. Ich will einen Mann, der über die Atombombe entscheidet.“

Beim Markt ist es umgekehrt, musste Sarkozy nun erfahren. Wer die größte Bombe hat, interessiert nicht, nur Zahlen gelten hier. Peinlich für Sarkozy: Gerade hatte er am Montag den Sieg über die Spekulanten ausgerufen, die angeblich Griechenlands Anleihezinsen in die Höhe treiben. „Spekulation und Zinsen sind zurückgegangen“, befand der Präsident, nachdem die Europäische Union verkündet hatte, Athen notfalls Geld zu borgen. Doch noch am selben Tag belehrten die Investoren den mächtigen Franzosen eines Besseren: Die Anleger forderten erneut sechs Prozent Rendite, um Griechenland bei einer Anleiheemission fünf Milliarden Euro zu leihen.

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Athen muss weiter doppelt so hohe Zinsen bieten wie Deutschland, um Anleger zu finden. Genau wie Anfang März, vor dem EU-Rettungsbeschluss. Schuld daran sind aber nicht die Spekulanten: Der Markt fordert nur einen Ausgleich für das Risiko, das Athens Schuldenberg und die strenge Sparpolitik erzeugen. Denn die Sparpolitik bremst zwar die Neuverschuldung, aber auch das Wachstum. Ein Staatsbankrott könnte für Athen daher günstiger sein, als die Wirtschaft durch Sparen abzuwürgen. Deshalb bleibt der Risikoaufschlag für Griechen-Schulden so hoch.

Hätte Griechenland eine nationale Währung wie die Drachme, wäre die im Kurs gefallen. Der Crash hätte das Vermögen der Griechen entwertet, aber auch die Staatsschulden. „Wegen des Euro ist das unmöglich, die nötige Anpassung wird auf die Anleiherenditen übertragen“, sagt der Chef-Wertpapierhändler einer deutschen Bank. „Dadurch wird das Schuldenproblem aber größer und nicht kleiner.“

Die zur Ablenkung von diesem Problem veranstaltete Hetze der Politik gegen die bösen Spekulanten hat absurde Folgen. Weil ganze Käufergruppen unerwünscht sind, werden Anleihen für die Regierung in Athen sogar teurer: Hedgefonds, die üblicherweise zwischen 20 und 30 Prozent einer Emission kaufen, boten erst gar nicht für die jüngste Anleihe. Sie vermuteten, dass sie ohnehin kaum Anleihen zugeteilt bekommen würden. Ohne Hedgefonds war die Nachfrage viel geringer als bei der Emission im Januar. Bei einer kleinen Emission am vergangenen Dienstag erhielt Athen sogar nur 390 Millionen Euro, statt der angepeilten Milliarde. Athen dürfte die verprellten Spekulanten schon vermissen.

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