
„Niemand denkt derzeit daran, sich aus dem Fenster zu stürzen. Aber im September werden wir erfahren, wie groß das Problem wirklich ist“, so ein Banker. Gleichzeitig werden die Rufe nach mehr Transparenz lauter. „Die britischen Banken müssen in den nächsten drei bis vier Wochen dringend mitteilen, wie stark sie betroffen sind“, fordert ein Fondmanager. Vor allem die Investmentbank Barclays Capital ist tief in den Strudel der Subprime-Krise geraten. Wie es bei den anderen einheimischen und internationalen Instituten steht, ist noch unbekannt. In der City kursieren Schätzungen, wonach Subprime-Kredite aus den USA die verkauft wurden und sich jetzt weltweit in den Büchern von amerikanischen, europäischen und asiatischen Banken befinden, auf bis zu 250 Milliarden Dollar summieren könnten. Vor allem die Investmentbanken dürften betroffen sein. Hier tickt eine Zeitbombe, die London als Europas wichtigsten Finanzplatz hart treffen könnte. Seit der 33jährige Edward Cahill, der bei Barclays Capital für die sogenannten SIVs („Structured Investment Vehicles“) verantwortlich war, die Bank überstürzt verließ, schießen die Spekulationen ins Kraut. Über das Ausmaß der Verstrickung von Barclays Capital, herrscht große Unsicherheit, nachdem die britische Investmentbank kürzlich zweimal binnen zwei Wochen eine Notfall-Kreditlinie der Bank of England in Anspruch nehmen musste. Was die übrigen Banken am Finanzplatz London angeht, so gibt es im Hinblick auf ihre Verwicklung in die aktuelle Finanzkrise viele Fragezeichen. Die Deutsche Bank löste dem Vernehmen nach ein Team aus der Abteilung Eigenhandel in London auf, das sich am Kreditmarkt verspekuliert und im Juli über 100 Millionen Euro verloren hatte. Andere Banken beginnen bereits, ihre Abteilungen für besicherte Schuldverschreibungen (CDO) zu verkleinern. Unter anderem hatte die Royal Bank of Scotland kürzlich den Weggang von sechs Investmentbankern aus ihrer CDO-Abteilung bestätigt, auch bei der Großbank HSBC nahm der Leiter der Abteilung strukturierter Kreditprodukte kürzlich seinen Hut. Die größte britische Hypothekenbank HBOS sah sich gezwungen, die Refinanzierung ihrer Zweckgesellschaft Grampian Funding sicherzustellen. Schon jetzt erwarten die Analysten, dass die Gewinne der Investmentbanken infolge der Krise im zweiten Halbjahr stark schrumpfen werden. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) prognostiziert gar, dass die Vorsteuergewinne um 70 Prozent fallen könnten. Denn in den vergangenen Wochen sind in vielen Bereichen die Umsätze gesunken: Die Finanzagentur Bloomberg meldete, das Volumen der Firmenübernahmen und -fusionen sei im August auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren geschrumpft. Wenn es der City und der Finanzwirtschaft schlecht geht, dann schlägt das im Vereinigten Königreich irgendwann auch auf die Konjunktur durch: In der City werden jährlich über acht Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und die hochbezahlten Banker mit ihren Rekordboni sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass der Immobilienmarkt, die Gastronomie, der Einzelhandel und das Geschäft mit Luxuskarossen brummte. Sie sind wichtige Verbraucher. Wenn in der City Arbeitsplätze abgebaut werden dann führt das im Vereinigten Königreich mittelfristig auch in anderen Bereichen zu Stellenstreichungen.








