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Hedgefonds-Star im Interview: „Die Lage in Europa ist der Horror“

von Heike Buchter Quelle: Handelsblatt Online

John Taylor ist der Chef des weltgrößten Devisen-Hedgefonds. Nach seiner Ansicht steckt Europa viel tiefer in der Schuldenkrise als die USA. Im Interview erklärt er, wer an allem schuld ist.

John Taylor, der Chef des weltgrößten Devisen-Hedgefonds, findet: Regierungen und willfährige Banken sind an allem schuld.
John Taylor, der Chef des weltgrößten Devisen-Hedgefonds, findet: Regierungen und willfährige Banken sind an allem schuld.

Hat die Ratingagentur Standard & Poor's, als sie den USA ihre Topbewertung bei der Kreditwürdigkeit entzog, die Börsen ins Verderben geschickt?

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Taylor: Ich sage es mal so: Standard & Poor's ist sehr dumm. Ihre Analysten haben als Grund für die Abwertung angegeben, dass das politische System in Washington gelähmt sei. Dabei hat sich in den vergangenen sechs Monaten endlich etwas bewegt! Ich bin kein Fan der Tea Party, aber die Leute haben es geschafft: Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wird nicht mehr von immer mehr Ausgaben geredet, sondern von Einschnitten!

Das gefällt Ihnen?

Es gab endlich eine heftige Debatte über die schlimme Haushaltssituation. Washington hat funktioniert.

Die Agentur sieht es anders.

Wenn die Wirtschaft durch deren dämlichen Schritt in eine scharfe Rezession absinkt, wird eine Konsolidierung nur schwieriger.

Sind die USA noch ein guter Schuldner?

Die USA können nicht zusammenbrechen, und das Land wird seine Schulden bedienen - besser als alle europäischen Länder, mit Ausnahme der Schweiz. Meines Erachtens sollten aber Frankreich, Spanien und Italien noch ein paar Grade heruntergestuft werden.

Und der angeschlagene Dollar bleibt die Leitwährung der Welt?

Nennen Sie mir eine Alternative.

Die EZB wird in Schwierigkeiten geraten

Der chinesische Renminbi?

Na, dann sagen Sie mal einem deutschen Mittelständler, er solle seine Export- oder Importgeschäfte künftig in Renminbi abwickeln.

Was wäre mit einem Währungskorb?

Das dürfte funktionieren, aber auch nur, wenn zumindest am Anfang der Dollar den Währungskorb dominieren würde.

Sagen Sie doch mal was Nettes über Europa. Schließlich bemühen sich die Verantwortlichen inzwischen sehr, die Krise zu bewältigen.

Ökonomisch gesehen, ist die Lage in Europa einfach furchtbar. Der Horror. Die Europäische Gemeinschaft muss sich irgendwann entscheiden, ob sie eine Gruppe von kleinen Ländern bleiben oder ein großes gemeinsames Land werden will. Das Ganze muss neu strukturiert werden. Aber das kann dauern, vielleicht 20 Jahre.

Die Europäer haben Rettungspakete aufgelegt, die Zentralbank (EZB) kauft Staatsanleihen auf. Alle zeigen doch große Gemeinsamkeit und Entschlossenheit?Wenn es wirklich stimmt, dass die EZB kräftig Staatsanleihen kauft, wird die Zentralbank in Schwierigkeiten geraten.

Die Regierungen und Banker sind schuld

In Europa geben viele die Schuld den Hedgefonds. Durch ihre Spekulation höhlten sie die Gemeinschaftswährung aus.

Das ist hundertprozentig falsch. Es ist genau andersherrum: Erst haben Regierungen das Geld der Finanziers gerne genommen - und jetzt beschuldigt man uns, wenn wir uns absichern wollen!

Aber sie bewegen die Märkte auch.

Nein, Hedgefonds sind zu klein. Die wahren Player sind Großbanken wie Deutsche Bank, Societé Générale und BNP Paribas.

Also sind die Banken schuld?

Hinter den Bewegungen am Markt stecken die Regierungen und ihre Banker, die sie seit Jahrzehnten unterstützen. Das europäische Bankensystem besteht doch nur aus sogenannten nationalen Champions, die den Regierungen in Kriegszeiten oder bei der Industriepolitik und anderen Geschichten unterstützt haben, und jetzt sitzen die Banken auf einer Tonne Staatsschulden. Die wollen sie jetzt gerne loswerden, um nicht daran pleitezugehen.

Und was passiert jetzt am Finanzmarkt?

Wenn die Regierungen die Probleme wieder so angehen wie nach der Finanzkrise 2008, dann droht uns Teil drei dieser Krise.

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