Historisches Dokument: Geschichte im Sparbuch

Historisches Dokument: Geschichte im Sparbuch

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Sparbuch

Der Euro gerät unter Druck. In Sparbüchern hinterlassen die Zeitläufe Spuren. Das wohl älteste gültige Deutschlands ist Zeuge von Kriegen und Währungsreformen und zeigt, wie aus 50 Reichsmark in 106 Jahren rund 400 Euro wurden.

Großeltern mit erzieherischem Anspruch verpacken zu Weihnachten gern ein schmales Band. Vier Millionen Sparkonten wurden 2009 allein bei den deutschen Sparkassen neu eröffnet, noch mal 900.000 bei der Postbank. Nicht alle Anleger pochen dabei auch auf die Buchform, sie wählen wie bei der Deutschen Bank üblich die Sparcard, doch vielen Kunden ist es wichtig, ein Buch zu haben. Wer eines hat, gibt es selten auf. Es schlummert, oft mit verschwindend geringen Summen in Schubladen, denn es war Wegbegleiter im Leben.

Das Sparbuch ist selber ein historisches Objekt. Die ersten Sparkassen, die im -späten 18. und frühen 19. Jahrhundert -gegründet wurden, gaben zu Beginn „Sparkassenscheine“, auf denen die „Versorgungsanstalt“ dem Sparer versicherte, dass er zum festgesetzten Zeitpunkt seine Einlage einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen zurückerhält. Das klassische Sparbuch setzte sich erst nach 1815 durch. Der erste Hinweis auf die Ausgabe von Sparkassenbüchern findet sich in einem Bericht des Rendanten der 1818 in Berlin gegründeten Stadtsparkasse. Darin heißt es: „Über die eingezahlten Summen erhält jeder Interessent ein sogenanntes Quittungs Buch, welches zugleich das Statut mit enthält, eine Nummer erhält und mit der Unterschrift des Curatoriums versehen wird. Bei der Präsentation des Quittungs Buches wird dasselbe von der Buchhalterei mit dem Conto im Haupt Buche verglichen, demnächst die resp. Einnahmen oder Ausgaben eingetragen, sodann zum Kasse Journal gegeben.“

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Die Berliner Sparkasse war die erste preußische Sparkasse. Als dort 1838 das erste Sparkassengesetz („Reglement, die Einrichtung des Sparkassenwesens be-treffend“) erlassen wurde, waren darin nur noch „Sparbücher“ erwähnt. Zumindest in Preußen hatten sich die Bücherzu dieser Zeit durchgesetzt. In anderen deutschen Staaten und Ländern dominierten noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die „Sparkassen-“ oder „Einlagescheine“. Doch vor allem an Sparbüchern lässt sich Historie ablesen, mal die persönlichen kleinen Geschichten, mal die langen der Zeitläufte – wie an dem Sparbuch von Kolonat Bötschs Großvater.

23. Juli 1993 Guthaben: 614,16 Deutsche Mark Es ist der Tag, an dem Kolonat Bötsch mehr von seinem Großvater erbt als nur den seltsamen Vornamen eines irischen Wanderpredigers aus dem siebten Jahrhundert. Sie gehen gemeinsam zur Sparkasse Bad Königshofen. Hinter das 1906 gestrichene „Kolonat Haas“ und das „Kolonat Eschenbach“ trägt eine junge Bankangestellte mit Kugelschreiber „Bötsch, Kolonat“ als neuen Inhaber ein. „Er wollte damals unbedingt vermeiden, dass die Familie das Sparbuch durch seinen Tod verliert“, sagt der heute 64-jährige Bötsch. Sein Großvater stirbt am 17. März 1995, er verspricht ihm, das Büchlein in Ehren zu halten, schließlich erzählt das Büchlein die Geschichte seiner Familie und die Geschichte Deutschlands, eine Geschichte von zwei Weltkriegen und drei Währungsreformen, und auch die Einführung des Euro vergisst es nicht. Auch wenn es niemand mit Gewissheit sagen kann, das Dokument ist wahrscheinlich das älteste noch gültige Sparbuch Deutschlands.

1904 Guthaben: 50 Mark Als Bötschs Großvater als uneheliches Kind in Königshofen, im nördlichen Franken, zur Welt kommt, eröffnet sein Patenonkel für ihn ein Sparbuch unter der Nummer 9896. Am 12. Mai 1904 zahlt er für das vier Wochen alte Baby 50 Mark ein. 50 Mark sind damals viel Geld, die Währung stabil, schließlich hat Bismarck die Reichsmark 1871 schon an die Goldvorräte der Notenbank angebunden. 454 Bier würde Klein-Kolonat dafür bekommen, wenn er das Geld abheben dürfte, aber das hat sein Patenonkel im „Quittungs Buch über Spar-Einlagen“ mit schwarzer Tinte vorerst ausschließen lassen.

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