Hypo Real Estate : Der Pyrrhussieg der HRE-Kleinaktionäre

KommentarHypo Real Estate : Der Pyrrhussieg der HRE-Kleinaktionäre

Bild vergrößern

Die Zentrale der Hypo Real Estate (HRE) in Unterschleißheim bei München (Oberbayern).

von Anke Henrich

Nach deutschem Recht durfte der Staat als Großaktionär der von ihm geretteten Hypo Real Estate 2009 die verbliebenen Kleinaktionäre gegen eine Abfindung für ihre Anteile rausdrängen. Zugleich verwiesen die Münchener Richter die Klage heute an den Europäischen Gerichtshof - denn vielleicht verstieß der Rauswurf gegen Europarecht. Aktionärskläger feiern das als Sieg. Abwarten, meint Wirtschaftswoche-Reporterin Anke Henrich.

Flammende Reden dröhnten im vergangenen Herbst durch die Münchener Messehallen: Auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Hypo Real Estate (zum Dossier) setze der Bund nach seiner 100 Milliarden-Euro schweren Rettung des Immobilienfinanziers als 90 Prozent-Aktionär durch, dass die verbliebenen Kleinaktionäre ihm gegen eine magere Abfindung ihre Anteile überlassen müssen. Anlegeranwälte überboten sich in ihrem Einsatz am Rednerpult, mancher verstieg sich im Ton. Sie kündigten den letzten Getreuen der HRE-Kleinaktionäre erfolgreiche Klagen auf Schadenersatz gegen diese kalte Enteignung an.

Und wer daran partizipieren möchte, könne gerne ihr Mandant werden, so der Subtext.

Anzeige

Doch zur Erinnerung: Allein der Staat hatte mit Steuergeld die Bank gerettet und argumentierte, wollten die Steuerzahler ihren Einsatz jemals wiedersehen, gehe das nur mit Hilfe eines Groß-Investors, der ihm die Aktien abkaufe. Seine Theorie auf den Punkt gebracht: Kein professioneller Investor steigt in ein Boot, in dem es noch von zornigen, klagewütigen Kleinaktionären wimmelt.  Das halten die vor die Tür gesetzten Aktionäre für Blödsinn - einzig einen ernsthaften Interessenten für ihr Modell haben sie bisher auch nicht vorstellen können.

.

Es geht um mehr als 100 Milliarden Euro Steuergeld

Einige Aktionäre klagten vor dem Münchener Landgericht, dass der Hauptversammlungsbeschluss, sie abzufinden, den der Staat als 90 Prozent-Aktionär leichterhand durchsetzen konnte, nicht rechtens gewesen sei. Doch das Münchener Gericht entscheid heute: Es hat keinen Verstoß gegeben, es liege keine Enteignung vor.

Aber es verwies die Klage an den Europäischen Gerichtshof. Der EuGH soll jedoch nicht die Frage der Enteignung klären, sondern ob die Hauptversammlung damals rechtzeitig einberufen wurde. Nach dem Finanzmarktstabilierungsgesetz  war das möglich, nach europäischem Recht aber womöglich zu kurzfristig.

Die Anlegeranwälte feiern die Abfuhr in München und den Verweis an den EuGH das nun lautstark als Sieg und sehen Schadenersatzansprüche vom EuGH womöglich bestätigt. So weit ist es noch lange nicht, selbst wenn das EuGH einen Verstoß gegen die Fristenfrage sieht.

Aber Klappern und Hoffnung wecken gehört ja zum Handwerk. Bisher ist der Fall HRE keine Ruhmesstunde für Anlegeranwälte.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%