Altbauten: Wärmedämmung richtig geplant

Altbauten: Wärmedämmung richtig geplant

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Michael Wolf montiert eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an eine Fassade in Straubing

von Dieter Dürand

Gründerzeitvilla oder Fachwerkhaus – heute gibt es für jeden Gebäudetyp geeignete Dämmsysteme, deren Einbau detailliert geplant werden sollte.

Sobald der Wind übers Land blies, zog und pfiff es in dem denkmalgeschützten eingeschossigen Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert am Ortsrand von Westerkappeln bei Osnabrück kräftig. In der kalten Jahreszeit drehte Hausherr Martin Möllenkamp seine Gasheizung auf Hochtouren, um gegen die Kälte von draußen anzukommen. Seit der Modernisierung vor zwei Jahren genießen die Bewohner des Hauses allen Komfort moderner Gebäude: Dreischeibige Isolier-Sprossenfenster mit Holzrahmen halten den Wind ab; bis zu 50 Zentimeter dicke Dämmschichten in den Außenwänden und unter dem Dach aus Holzfasern und Zellulose, von innen aufgebracht, verhindern das Entfleuchen der Wärme.

Von außen ist dem Haus die Generalüberholung nicht anzusehen, es hat seinen historischen Charakter bewahrt.

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Hübsche Ersparnis

Der Energiebedarf beträgt nach der Dämmung jährlich nur noch 28 Kilowattstunden (kWh) je Quadratmeter Wohnfläche – weniger als die Hälfte dessen, was Neubauten laut aktueller Energieeinsparverordnung verbrauchen dürfen. Statt 120 Euro monatlich zahlt Möllenkamp jetzt nur noch 40 Euro für Heizung und Warmwasser. Eine hübsche Ersparnis. Doch der Nachweis, dass „Baukultur und Energieeffizienz bestens zusammenpassen“, sei ihm noch wichtiger gewesen.

Eine reich verzierte Fassade zur Straße hin und eine schmucklose Hofansicht – so sehen viele Jugendstilbauten aus den Baujahren um 1900 aus. Bei ihnen bietet sich an, die erhaltenswerte Front von innen und die Hofseite von außen zu dämmen. Der unabhängige Bau-Fachinfodienst Bine empfiehlt Platten aus Kalziumsilikat als derzeit leistungsfähigste Systeme für innen. Ihr Vorteil: Bildet sich im Winter hinter der Dämmung Tauwasser, saugen die Silikate die Feuchte auf und speichern sie, bis das Mauerwerk wieder austrocknet. Zudem seien die Platten resistent gegen Schimmelbefall. Bei der Außendämmung dominieren Systeme aus Hartschaum, vor allem Polystyrol, den Markt mit einem Anteil von gut 80 Prozent. Um die gestiegenen Isolierungsanforderungen zu erfüllen, ist die Durchschnittsdicke der Platten seit 2000 um fast vier auf heute knapp zwölf Zentimeter gestiegen. Nicht selten sind es aber 30 Zentimeter und mehr, die aufgeklebt werden. Werden mit der Dämmung nicht zugleich die Fenster nach vorne gerückt, wirken die Öffnungen anschließend wie Schießscharten. Als Alternative drängen sogenannte Vakuumisolationspaneele auf den Markt. Sie funktionieren ähnlich dem Prinzip der Thermoskanne und dämmen nach Angaben des sächsischen Herstellers Vaku-Isotherm bis zu zehn Mal effektiver. Statt 30 reichten 3 Zentimeter aus, um die gleiche Dämmwirkung zu erzielen. Die Preise je Quadratmeter starten bei 60 Euro.

Fahrplan aufstellen

Unter Experten unbestritten ist, dass Wärmehüllen für das Haus eine besonders ergiebige und vergleichsweise preiswerte Methode der Energieeinsparung sind. Nach einer Musterrechnung der Deutschen Energie-Agentur (Dena) sparen Besitzer eines Einfamilienhauses von 1970 mit 150 Quadratmeter Wohnfläche nach dem Dämmen jährlich mehr als 2000 Euro Heizkosten. Allein die Isolierung der Wände reduziert die Wärmeverluste um etwa vier Fünftel – von rund 10 000 auf 2000 kWh im Jahr.

Am wirtschaftlichsten dabei ist das Einpacken von Dach oder oberster Geschossdecke mit Investitionen von rund drei Cent je eingesparter kWh. Außenwände und Kellerdecke schlagen mit 5,3 Cent zu Buche. Dagegen kostet etwa der Einbau einer Drei-Schreiben-Wärmeschutzverglasung mehr als 21 Cent je eingesparter kWh, so eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU).

Um die Ausgaben möglichst gering zu halten, rät Achim Fischer, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, daher zur Aufstellung eines detaillierten Fahrplans. So sparen Eigentümer eine Menge Geld, wenn sie die Heizung erst nach dem Dämmen erneuern, weil Brenner und Heizkörper dann deutlich kleiner ausfallen können. Dämmmaßnahmen sollten zudem nach Möglichkeit mit ohnehin fälligen Sanierungsarbeiten an Fassade oder Dach verknüpft werden. Das Gerüst braucht dann nur einmal aufgebaut zu werden, der neue Putz und Anstrich kann gleich auf die Dämmung aufgebracht werden. Gehen Hausbesitzer so vor, bleiben die energetischen Mehrkosten der Sanierung auf 50 Euro je Quadratmeter begrenzt. Laut IWU steigen sie von 75 auf 125 Euro.

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