Architektur: Die Ehrlichkeit der Fünfziger

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Architektur: Die Ehrlichkeit der Fünfziger

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Architektur
von Christopher Schwarz

Abreißen oder erhalten? In ihren besten Bauten spiegelt die Architektur der Fünfzigerjahre ein wichtiges Stück deutscher Geschichte – und zeigt das Bild einer maßvollen, menschenfreundlichen Moderne.

Zuweilen erschließt sich Schönheit erst auf den zweiten, dritten Blick. So erging es Peter Zumthor, dem Architekten des Kölner Diözesanmuseums Kolumba, als er auf einem seiner Kölner Spaziergänge dieses seltsame Haus entdeckte, die Oper, und sich fragte, was denn das für ein „komisches Schiff“ sei. Erst als er sich das Ungetüm genauer anschaute, so hat es der Architekt später in einer Laudatio auf das Kölner Opernhaus erzählt, spürte er, wie „sorgfältig“ alles gemacht war, wie handwerklich fein. Vor allem: Wie die „frühere Schwere und Härte im Bauen aufgelöst war“, eine „wunderschöne Komposition“ des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn – sehr typisch für die Zeit, die Fünfzigerjahre, in denen, wie Zumthor sagte, die Dinge leichter wurden und sich mit einer Art Freundlichkeit, ja Lieblichkeit paarten.

Mit dem Abstand eines halben Jahrhunderts entdeckte der Schweizer Zumthor die „skandinavische Eleganz“ des Opernhauses, das von den Zeitgenossen noch als „indisches Grabmal“ verlacht wurde. Dass das denkmalgeschützte Ensemble nach jahrelangem Streit doch nicht einem Neubau weichen muss, sondern samt dem benachbarten Schauspielhaus generalsaniert wird, verdankt sich nicht nur vergleichender Kostenrechnung (die Sanierung kommt etwas billiger), sondern auch der gewandelten Wertschätzung des Vorhandenen: Die ungeliebte Nachkriegsmoderne, die in ihrem Verdrängungseifer am liebsten alle Brücken zur Historie abgebrochen hätte, wird ihrerseits als ein Stück historischer Erbschaft, als Teil der Modernitätstradition der Bundesrepublik wiederentdeckt. In herausragenden Gebäuden der Fünfzigerjahre können wir die Vision einer heiteren, menschenfreundlichen, von der Last der Ideologien befreiten Architektur erkennen, das Bild einer maßvollen, undogmatischen Moderne, für die Ornament kein Verbrechen mehr war.

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Zum Beispiel in Berlin, wo Anfang April das Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche wiedereröffnet wird, als Shoppingcenter der nobleren Art, das 60 Designerläden mit Restaurants und Büros kombiniert und das Comeback der City-West an strategisch zentraler Stelle voranbringen soll. Der 1957 von Paul Schwebes und Hans Schoszberger erbaute Gebäuderiegel ist das Herzstück eines Ensembles, das vom „Großen Hochhaus“ am Hardenberg-Platz über das Kino Zoopalast bis zum „Kleinen Hochhaus“ neben dem Eingang zum Zoo reicht.

Das seinerzeit größte Neubauprojekt West-Berlins, ein Pionierbau inmitten von Ruinen, war ein Symbol für den wirtschaftlichen und städtebaulichen Neubeginn im Zeichen der Systemkonkurrenz. Auf den von Moskau verordneten Zuckerbäckerstil der Stalinallee im Osten der Stadt antwortete der Westen mit einer Demonstration der Offenheit und Transparenz: Der in nur neun Monaten errichtete Komplex, ursprünglich ein Textilzentrum, in dem Damenoberbekleidung genäht wurde, ist in Stahlbeton-Skelettbauweise ausgeführt, der Langbau bot schöne Durchblicke zum Zoo: Dem Luftgeschoss im zweiten Stock, das den Bau wie einen textilen Zweiteiler gliedert, verdankt er den Namen Bikini.

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