Bausparkassen: Bausparkunden sind nur noch Ballast

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KommentarBausparkassen: Bausparkunden sind nur noch Ballast

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Lange Zeit verbreitete Wüstenrot bundesweit die Bausparidee. Nun werden vielen Kunden die Verträge gekündigt

von Heike Schwerdtfeger

Bausparkassen werfen ihre Kunden raus. Damit demontieren sie ihr Geschäftsmodell. Sie haben ihre eigene Produktidee, die Kombination aus Sparen und Baudarlehen, selbst verraten.

Die Liebe des Schwaben zum Häuschen ist so sprichwörtlich wie seine Sparsamkeit. Darauf bauend, verbreiteten Schwäbisch-Hall, Wüstenrot und Co. die Bausparidee bundesweit. Die Kombination aus einem Sparvertrag und späterem Anspruch auf einen Kredit ist verlässlich. Deshalb können viele Bausparer es kaum fassen, dass ihnen jetzt Kündigungen ins Haus flattern. Sie wollten doch nur sparen. Aber das ist nicht mehr erwünscht, allen Sonntagsreden zum Trotz: Erst verschwand der Bundesschatzbrief, weil der Finanzagentur des Bundes das Geschäft mit Privatanlegern zu teuer wurde. Bei Geldmarktfonds fressen die Kosten die niedrigen Zinserträge aus kurzfristig fälligen Anleihen auf. Den offenen Immobilienfonds schließlich wurden lange Mindesthaltefristen verordnet, damit Anleger sie nicht als Festgeldanlage missbrauchen.

Baufinanzierung Für wen sich Bausparen lohnt

Schlecht verzinst, dennoch höchst beliebt: Bausparverträge verzeichnen eine steigende Nachfrage, trotz niedriger Sparzinsen. Was für das Bausparen spricht und warum es die meisten Sparer lieber lassen sollten.

Quelle: Fotolia

Und jetzt gibt es auch noch den Liebesentzug bei Bausparverträgen. Hat der Kunde eine Bausparsumme von üblicherweise 30.000 Euro vereinbart, muss er die Hälfte des Betrags ansparen, danach wird ihm für die andere Hälfte ein Darlehen zugeteilt. Der brave Bausparer geht eine Zinswette ein. Um sich in zehn Jahren einen Immobilienkredit zu dem beim Vertragsbeginn festgelegten Zins zu sichern, nimmt er beim Sparen einen Zinsverzicht in Kauf.

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Und dem Verkäufer des Vertrages zahlt er zudem noch ein Prozent der Bausparsumme als Provision. Für die Banker ein lukratives Geschäft. Deshalb haben viele Bausparen als Sparbuch-Alternative verkauft. Doch die niedrigen Zinsen bringen das Geschäftsmodell Bausparen ins Schlingern. So manche Kasse übertreibt es jetzt mit dem schwäbischen Geiz.

Wann sollte man keinen Bausparvertrag abschließen?

  • Anschlussdarlehen mit Bausparvertrag finanzieren

    Wenn der Banker beim Finanzierungsgespräch einen Bausparvertrag empfiehlt, um das spätere Anschlussdarlehen mit einem Bausparvertrag zu finanzieren. Denn: Würden die notwendigen Bausparraten in die erhöhte Tilgung das Bankdarlehens fließen, müsste der Zins des Anschlussdarlehens nach zehn Jahren meist bis auf acht Prozent und mehr steigen, damit sich der Bausparvertrag lohnen würde. Nur wer solche hohen Anschlusszinsen erwartet, ist mit einem zusätzlich besparten Bausparvertrag auf der sicheren Seite.

  • Tilgungsgeschwindigkeit

    Wenn man innerhalb von zwei oder drei Jahren über den zugeteilten Bausparvertrag verfügen möchte. Dann würde die Rückzahlungsrate so hoch ausfallen, dass man diese Rate kaum tragen kann. Bankdarlehen mit hohen Zinsen sollten schnell und Bausparverträge mit niedrigen Zinsen sollten eigentlich langsam getilgt werden.

  • Fehlender Zahlungsplan

    Wenn der Banker oder Vertreter keinen Zahlungsplan für die gesamte angedachte Laufzeit des Bausparvertrages liefert und/oder keinen gesamten Effektivzins für Bauspar- und Bankdarlehen nennt. Ein Beispiel zeigt, warum: Das Bankdarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung  hat einen Effektivzins von 3,87 Prozent,  das Bauspardarlehen einen Effektivzins von 3,78 Prozent. Wer nun vermutet, der gesamte Effektivzins läge bei 3,82 Prozent, der irrt. Tatsächlich ergibt sich ein gesamter Effektivzins von 4,39 Prozent, wenn das Bankdarlehen nach zehn Jahren mit dem Bausparvertrag abgelösten werden soll. Der Grund für die Diskrepanz zwischen Annahme und Realität sind die niedrigen Guthabenzinsen in der Ansparphase.

  • Fazit

    Ein Bausparvertrag eignet sich hervorragend zum Ansparen von Eigenkapital für ein späteres Bauvorhaben oder zur Bildung von Renovierungsrücklagen. Wer jedoch erst zum Zeitpunkt der Finanzierung einen Bausparvertrag abschließt, und damit später die Bankhypothek ablösen will, zahlt in aller Regel drauf. Quelle: FMH-Finanzberatung e.K.

Kassen im Dilemma

Gekündigt wird insbesondere Kunden, die ihren Vertrag vor vielen Jahren abgeschlossen haben und jetzt Anspruch auf einen Kredit hätten. Aber den gibt es günstiger am freien Markt. Dafür sind die Sparzinsen bei alten Verträgen mit bis zu vier Prozent heute äußerst üppig.

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Deshalb lassen viele ihr Geld bei den Bausparkassen stehen. Deren Dilemma: Sie können nicht hohe Zinsen zahlen, wenn sie nur geringe Zinseinnahmen aus Krediten haben. Und so schubsen sie ihre Kunden über Bord, berufen sich auf das Kleingedruckte in ihren Verträgen.

Dass die Kunden vergrätzt reagieren, ist klar, wurden sie doch in der Vergangenheit oft mit Werbung über hohe Renditen angelockt. Fünf Prozent wurden manchen versprochen, wenn sie dafür auf die Zuteilung des Bauspardarlehens verzichten würden. Damit haben Bausparkassen ihre Idee – Kombination aus Sparen und Baudarlehen – selbst verraten. Weil diese Strategie mit Verlusten endete und weil in besseren Jahren zu wenig Rücklagen gebildet wurden, werden Sparer nun zu Ballast. Der Eindruck ist fatal: Bei hohem Zinsniveau fressen die Kassen sich an einem simplen Geschäft fett, auf Kosten der Kunden, die auf Rendite verzichten. Und wenn sich bei niedrigen Zinsen das alles nicht mehr lohnt, fliegen die Kunden raus. Dieses Geschäftsmodell soll Zukunft haben?

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