
London/DüsseldorfKnapp 290 Meter soll der Riese in die Höhe ragen. Insgesamt 64 Stockwerke wird es nach oben gehen. „Pinnacle“ haben die Londoner das Hochhaus getauft. Ähnlich einer Felsnadel wird es sich auftürmen und die Gebäude in der Nachbarschaft überragen. Es soll der zweithöchste Wolkenkratzer in der britischen Hauptstadt und in ganz Europa werden.
Noch ist davon aber nichts zu erkennen. Gerade einmal sieben Stockwerke hat der Pinnacle-Turm bislang und auf absehbare Zeit werden es nicht mehr werden, denn die Bauarbeiten ruhen – inzwischen zum zweiten Mal seit dem Baubeginn vor vier Jahren. Es gebe noch nicht genug Mieter, um weiter Geld in das Projekt zu stecken, sagte ein Vertreter der Anlagegesellschaft Arab Investment einer US-Zeitung.
Eine Handvoll Wolkenkratzer mit Tausenden von Quadratmetern Fläche sind derzeit in London in Arbeit, darunter Renzo Pianos „Shard“ (Glasscherbe), mit mehr als 300 Metern der unangefochtene Spitzenreiter. Hinzu kommen der „Cheese Grater“ (Käsereibe) und das „Walkie-Talkie“. Bald sollen die Türme zu den Wahrzeichen der Stadt gehören wie der Big Ben.
Schon einmal, in der Finanzkrise, lagen einige dieser Projekte auf Eis. Es fehlte an Geld. Krisengeschüttelte Banken drehten den Projektentwicklern den Kredithahn zu. Zudem war die Nachfrage nach Büroimmobilien komplett eingebrochen.
Zumindest eines dieser Probleme hat den Londoner Markt jetzt erneut erwischt: Die Finanzierung spekulativer Bauvorhaben sei schwierig bis unmöglich, sagt James Beckham, Investment-Experte der Maklergesellschaft Jones Lang Lasalle (JLL). Von einer ähnlich üblen Situation wie noch vor drei Jahren könne aber bei weitem keine Rede sein. Denn die Quote leerstehender Büros liege mit sieben Prozent unter dem Durchschnitt. Moderne Büroflächen seien also eher knapp, weil seit der Krise nur wenige neue gewerbliche Immobilien auf den Markt gekommen seien. Im Verhältnis dazu sei die Büronachfrage aber recht groß. Ein Vergleich: In Frankfurt ist die Leerstandsquote doppelt so hoch.
London ziehe weiterhin zahlungskräftige Investoren an, sagt Beckham. Sie kämen vor allem aus Asien. Die Euro-Krise mache Investitionen in britischen Pfund attraktiv. „Hinzu kommt: Der Immobilienmarkt hier ist äußerst vermieterfreundlich. Sehr langfristige Mietverträge sind üblich, und es gibt die Möglichkeit, die Miethöhe an die Marktentwicklungen anzupassen“, zählt er Vorteile auf.
Britische Wirtschaft fürchtet nächste Rezession
So ist 2011 das Gesamtinvestment aus Asien in Londoner Büroimmobilien laut JLL auf 1,7 Milliarden Pfund gestiegen – ein Plus von 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden mehr als zehn Milliarden Pfund investiert, sieben Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Renditen für Spitzenobjekte liegen nach Angaben des Maklerhauses Knight Frank derzeit im West End bei 4,0 Prozent und in Central London bei 5,25 Prozent. Auf diesem Niveau werden sie wohl bleiben, erwarten Experten.
Die britische Wirtschaft fürchtet jedoch die nächste Rezession. Und auch die Banken bauen erneut Stellen im Investment-Banking ab. Der Immobilienmarkt setzt daher verstärkt auf Impulse aus anderen Branchen – vor allem aus dem Medien- und Technologiesektor: Unternehmer wie Google und Linked In expandieren derzeit in der britischen Hauptstadt. Die Büronachfrage aus diesen Branchen hat sich nach Angaben von Knight Frank verdoppelt.
Immobilienfonds bringen Geld von Kleinanlegern nach London
„Diese Sektoren gewinnen deutlich an Bedeutung“, bestätigt Clive Bull vom Maklerhaus Cushman & Wakefield. Er räumt ein: „Es gibt derzeit Volatilitäten im Markt aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten, aber London wird deutlich besser damit umgehen können als der Rest Großbritanniens – und auch besser als andere Großstädte in Kontinentaleuropa.“
Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer der Deka Immobilien, hat dieses Auf und Ab in London im Blick: „Wie bereits 2011 würden wir Kauf- beziehungsweise Verkaufsgelegenheiten in London nutzen“, sagt der Manager der offenen Immobilienfonds der Sparkassen. Europa- und Globalfonds sind zusammen mit etwa 1,5 Milliarden Euro in London investiert. Wettbewerber Union Investment Real Estate steht eher auf der Verkäuferseite: „Um erstklassige Büroobjekte ist ein harter Wettbewerb entbrannt, der zu kräftigen Preisschüben geführt hat“, sagte ein Sprecher. Das seien gute Rahmenbedingungen für Verkäufe. Die über Genossenschaftsbanken verkauften Union-Immobilienfonds haben rund 620 Millionen Euro in London angelegt.








