Energetische Gebäudesanierung: Technisch machbar, wirtschaftlich abwegig

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Energetische Gebäudesanierung: Technisch machbar, wirtschaftlich abwegig

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Die Fassade eines in plattenbauweise errichteten Wohnhauses wird gedämmt. Es gibt nicht nur ein großes Energie-Sparpotenzial in deutschen Wohnungen, sondern auch enormen Sanierungsbedarf.

von Henning Krumrey

Neue Fenster, Wärmedämmung, moderner Heizkessel: Ein Modellhaus in Bottrop zeigt, wie sich Mietshäuser der Sechzigerjahre auf Vordermann bringen lassen – und warum das niemand tun wird.

Herr Kleinschmidt schaut etwas verstört, und das liegt nicht nur an seiner neuen Küche, die ihn mit all dem neumodischen technischen Schnickschnack ratlos lässt. Es liegt vor allem an dem knappen Dutzend Fotografen und Kameraleuten, die sich gegenüber von Kühlschrank und Spüle postiert haben. Er möge doch bitte näher an die Arbeitsplatte herantreten und hilfsbereit beugt sich Herr Kleinschmidt über den Wasserhahn. “Ich tue mal so, als ob ich spüle.“

Das Wasser aufdrehen mag er nicht, schließlich zieht er erst in zehn Tagen ein. Heute aber wird das Haus nach einer Totalsanierung eingeweiht, und da tritt auch schon Bundesbau- und Umweltministerin Barbara Hendricks durch die Tür.

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Die Sozialdemokratin begrüßt den künftigen Bewohner, fragt nach seinen Erwartungen an die moderne Technik. Kleinschmidt zeigt sich skeptisch. „Wenn man in die Küche kommt, geht automatisch das Licht an“, das sei doch gewöhnungsbedürftig. Und ob er das alles verstehe, wisse er auch noch nicht.

„Sie müssen es doch nicht bauen, nur bedienen“, beschwichtigt die Ministerin. „Sie hatten doch sicher einen technischen Beruf.“ Kleinschmidt schüttelt den Kopf. „Nee, von Elektrotechnik habe ich keine Ahnung.“ Und überhaupt: „Wenn ich das alles hier testen soll, müsste man ja mal über das Salär reden“, grinst er zum trockenen Ruhrgebietshumor.

Mehr Energie

Sein Vermieter wird darüber nicht recht schmunzeln können. Denn die VivaWest, der das Mietshaus gehört, bietet die Wohnung eigentlich schon viel zu billig an – und doch zu teuer. 7,50 Euro Nettomiete zahlt Herr Kleinschmidt pro Quadratmeter. Für die Ausstattung der Zweieinhalb-Zimmer-Bleibe ist das günstig, für die Lage nicht. Die schönsten Wohnungen in der Nachbarschaft rund um den Ostring kosten sonst maximal 7,20 Euro. Die Betriebskosten kommen überall noch dazu, bei Kleinschmidt aber sind Heizung und Strom bereits inklusive. Warum? Weil sein Wohnhaus mehr Energie erzeugt als es verbraucht.

VivaWest hat aus dem klassischen Sechszigerjahrebau ein PlusEnergie-Haus gemacht. Die Giebelfassade ist glänzend-schwarz verkleidet – mit leichten Dünnschicht-Solarpanelen. Auf dem Dach fängt zusätzlich eine klassische Solaranlage Sonnenstrom ein. Die Wärme für die moderne Fußbodenheizung kommt tief aus der Erde. Die Bohrung für die Geothermie-Anlage misst 130 Meter. Auch das Wasser wird über die Wärmepumpe erhitzt.

Damit die dreifach verglasten Wärmeschutzfenster nicht unkontrolliert aufgerissen werden müssen – und um Schimmel vorzubeugen – wälzt eine Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung die Luft in den Zimmern um. Wärmedämmung ist zwar selbstverständlich, aber im Ostring 124 wurden selbst Treppenhaus und Kellerdecke dick verpackt. In der Garage kann das Elektroauto aufgeladen werden. Gesteuert wird alles über ein Smarthome-Netz.

Bauministerin Hendricks ist einerseits beeindruckt. Andererseits wird sie aber auch ein wenig skeptisch, als ihr der technikbegeisterte Mann vom Energieversorger RWE auch noch den Dampfgarer vorstellt, der per Handy von unterwegs gestartet wird. „Jetzt müssen Sie nur noch Mieter finden, die das auch machen.“

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